Sie sind hier: Startseite > Journal > Aus dem Ministerium > Der Tag danach – Minister besucht die Marine

Der Tag danach – Minister besucht die Marine

Warnemünde, 19.05.2011.
Erster Tag nach Verkündung der Eckpunkte für die Neuausrichtung, erster Tag mit neuen verteidigungspolitischen Richtlinien – Verteidigungsminister Thomas de Maizière nutzt den 19. Mai für seinen Antrittsbesuch im Marinestützpunkt Warnemünde. An Bord der Fregatte Brandenburg begrüßte der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Axel Schimpf, den Minister. Auf der Fregatte erlebte de Maizière die Deutsche Marine in Aktion.

De Maizière und Schimpf an Bord der Fregatte Brandenburg

Verteidigungsminister de Maizière und Vizeadmiral Schimpf (Quelle: Bundeswehr/Bienert)Größere Abbildung anzeigen

Im Seegebiet vor Warnemünde landete der Minister mit einem Sea King-Hubschrauber auf dem Flugdeck der Fregatte, die mit zehn Knoten fährt. Für das Landemanöver auf dem Schiff sind die Piloten speziell geschult, da bei der Landung sowohl die Bewegung des Schiffes als auch die Windrichtung berücksichtigt werden muss.

nach oben

Dröhnende Motoren aus der Luft

Die Hubschraubergeräusche sind auf der Fregatte kaum verklungen, da werden sie überschattet von den dröhnenden Motoren der zwei Seefernaufklärer P-3C Orion. Circa 30 Meter trennen die zwei parallel fliegenden Maschinen in Höhe zum Wasser, als sie langsam an der Backbordseite der Fregatte vorbei fliegen. Die Flugzeuge gehören zu den Aufklärungsmitteln der Marine.

Die anschließend heran fliegenden zwei Tornados dienen den Seestreitkräften ebenfalls zur Nachrichtengewinnung. Diese sind kaum ein paar Hundert Meter weit entfernt, donnert der Eurofighter auf das Schiff zu. Auf Höhe des beobachtenden Ministers zieht dieser zur Seite, um einen Kurvenflug zu beginnen. Das Dröhnen der orangefarbenen Turbinen fährt durch Mark und Bein und vergeht, als die Maschine mit ihrer Steigfähigkeit in den Himmel empor steigt.

Mit dem Aufklärungsschiff Alster rundet die Marine die Darstellung der Fähigkeit zur Informationsgewinnung und Aufklärung ab. Aufgezeigt wurde die Zusammenarbeit mit anderen Bereichen der Bundeswehr und der eigenen Mittel der deutschen Marine. Grundlage für alle maritimen Sicherheitsoperationen bildet ein genaues und aktuelles Lagebild. Der Minister zeigte sich beeindruckt von der Kooperationsfähigkeit der Marine, die es ermöglicht weltweit ein nationales Lagebild zu erstellen.

nach oben

Sprengung in 25 Metern Tiefe – nicht nur bei „Open Spirit“

„Zündung – Zündung – Zündung“ hallt es durch die Lautsprecher, dann die Detonation und eine Vibration zieht sich durch das Wasser. Während es auf der Brücke dadurch leicht klappert, zeichnet sich in wenigen Hundert Metern Entfernung vor dem Schiff anderes ab. Die Wasseroberfläche wird in einem Kreis weiß und hebt sich empor. Der Knall folgt. Dann die Wasserfontäne, durch die Sprengung unter Wasser erzeugt. Minentaucher haben eine Seemine in rund 25 Meter Tiefe mit Sprengstoff zur Explosion gebracht.

Seeminen sind „Low Tech Waffensysteme“, die eine sehr wirksame Beeinflussung oder Sperrung von maritimen Handelswegen und Wirtschaftszonen erreichen. Sie gefährden selbst Jahrzehnte nach ihrer Verlegung die maritimen Wege. Um diese Gefahr durch Altlasten der vergangenen Weltkriege in der Ostsee zu beseitigen, beteiligt sich die Marine an der jährlich stattfindenden Operation „Open Spirit“. Minenjagd- und Minensucheinheiten, auch der anderen Ostseeanrainer, suchen und neutralisieren diese Gefahren seit Jahren zusammen. Nur eine speziell ausgerüstete Marine ist dazu in der Lage.

nach oben

Maritime Sicherheitsoperation – ein Speedboot wird abgedrängt

Die maritimen Sicherheitsoperationen bildeten einen weiteren Schwerpunkt des Vorführprogamms zum Antrittsbesuch des Ministers. Ziel der Maritime Interdiction Operations (MIO) ist ein sicheres Umfeld für alle Teilnehmer am Seeverkehr herzustellen. Seegebiete werden überwacht und kontrolliert, einschließlich des Schiffsverkehrs. Die Deutsche Marine leistet dabei durch ihre Teilnahme an internationalen Einsätzen von NATO, EU und Vereinten Nationen weltweit einen wichtigen Beitrag zur internationalen Sicherheit. Die Seestreitkräfte nehmen so erfolgreich an den Einsätzen Atalanta und UNIFIL teil.

Ein Boarding-Team, bestehend aus zehn bis zwölf speziell ausgebildeten Soldaten, demonstrierte vor diesem Hintergrund de Maizière die Kontrolle eines Handelsschiffes. Überprüft werden dabei Ladung, Ladepapiere und Personen an Bord eines verdächtigen Schiffes. Ein Bordhubschrauber, der sich über dem Schiff positioniert, lässt über ein Seil eine Gruppe Soldaten hinab. Das Boarding-Team sichert das Schiff sofort. Dies alles geschieht schnell und professionell. Das vorhandene Risiko soll so stets niedrig gehalten werden.

Soldat seilt sich von einem Hubschrauber ab

„Fast Roping“ auf dem Einsatzgruppenversorger Berlin (Quelle: Bundeswehr/Bienert)Größere Abbildung anzeigen

Im Rahmen der Anti Piraterie Operationen sind die spezialisierten Einsatzkräfte der Marine zum Beispiel auch bei Atalanta eingesetzt. Dort kommt es vor, dass sich mit Piraten besetzte Speedboote Handelschiffen nähren. Die Marine zeigte, wie ein bewaffneter Hubschrauber erst Präsenz vor einem Hilfe erbittenden Schiff zeigt. Sich annährende Speedboote abdrängt oder im letzten Fall mit Warnschüssen ins Wasser, ein weiteres Anfahren der Boote unterbindet.

nach oben

Beeindruckt von den Fähigkeiten der Marine

Ich habe mich gefreut, die Fähigkeiten der Marine zu erleben. Das Ziel der Darstellungen ist gelungen und ich bin sehr beeindruckt“, sagte der Minister zu den Szenen und den Einheiten, die „im Verband zusammenarbeiten und im Verbund funktionieren, auch mit anderen Teilstreitkräften und Nationen.“ Die Marine hatte ein Tagesprogramm präsentiert, das die nahe Realität in den aktuellen Einsätzen widerspiegelt. Darunter auch die Abwehr eines Piratenangriffs auf ein Handelsschiff mit Speedbooten, der durch den Einsatz von Hubschraubern vereitelt wurde. Der Blumenstrauß der gezeigten unterschiedlichen Fähigkeiten und unterschiedlichen Schiffstypen gab einen Eindruck vom breiten Einsatzspektrum der deutschen Seekräfte.

Die Deutsche Marine ist zwar die zahlenmäßig kleinste Teilstreitkraft der Bundeswehr. Sie leistet jedoch mit ihren Booten, Schiffen und Luftfahrzeugen, sowie ihrer fachlichen Expertise einen entscheidenden Beitrag für die deutsche und internationale Sicherheitspolitik. Dazu ist sie für die bis Herbst stattfindende Feinplanung zur Neuausrichtung „gut vorbereitet“, so der Minister.

nach oben


FußFzeile

nach oben

Stand vom: 03.12.13 | Autor: Andreas Aschert


http://www.bmvg.de/portal/poc/bmvg?uri=ci%3Abw.bmvg.journal.ministerium&de.conet.contentintegrator.portlet.current.id=01DB010000000001%7C8GWDWL046DIBR