Bilaterale Kooperation Deutschland-Niederlande
Die deutschen und niederländischen Streitkräfte arbeiten bereits eng zusammen und zeigen modellhaft, wie Militärintegration in Europa gestaltet werden kann.
- Veröffentlichungsdatum
Verteidigungsminister Boris Pistorius und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier haben am 11. Juni 2026 das Hauptquartier des Allied Joint Force Command im niederländischen Brunssum besucht. Vor Ort traf Pistorius unter anderem die neue niederländische Verteidigungsministerin Dilan Yeşilgöz-Zegerius.
Im Mittelpunkt der Gespräche in Brunssum stand die enge Zusammenarbeit zwischen den Streitkräften der beiden Länder. Pistorius bezeichnete die bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und den Niederlanden als eng und vertrauensvoll. Von außerordentlicher Bedeutung und Vorbildcharakter sei die intensive und in Europa einzigartige Streitkräftekooperation und -integration. Seit 2014 kooperieren die Streitkräfte beider Nationen nicht nur, sondern integrieren auch eigene Truppenteile in die Armee des jeweils anderen Landes.
Als gemeinsames Vorzeigeprojekt gilt das Deutsch-Niederländische Korps. Es wird künftig für die Verteidigung Lettlands und Estlands verantwortlich sein. Ab 1. Juli 2026 wird es als taktisches Hauptquartier eine zentrale Rolle innerhalb der NATO-Planung übernehmen und alle der NATO unterstellten Landstreitkräfte in den beiden baltischen Ländern führen. Damit leisteten Deutschland und die Niederlande einen wesentlichen Beitrag zur Lastenteilung, dem Burden Shifting, innerhalb der NATO und zur Verteidigung und Abschreckung in Europa, unterstrich Pistorius.
Doch das Deutsch-Niederländische Korps, so der Minister weiter, sei nur ein Baustein der langjährigen engen Zusammenarbeit. Die bilaterale Kooperation reicht vom gemeinsamen Panzerbataillon über die Ausbildung von Hubschrauberpiloten und -pilotinnen, Kooperationen im Militärischen Nachrichtenwesen oder in Cyber- und Weltraumangelegenheiten bis hin zu gemeinsamen Rüstungsprojekten und der Integration aller drei niederländischen Heeresbrigaden in das Deutsche Heer.
Auch bei der Ukraine-Unterstützung arbeiten beide Länder eng zusammen – beispielsweise bei der Führung von EUMAM UA, der EU-Ausbildungsmission für die ukrainischen Streitkräfte. Hier dürfe man auf keinen Fall nachlassen, unterstrich Pistorius in Brunssum.
Mit Blick auf den anstehenden NATO-Gipfel im Juli 2026 in Ankara hob Pistorius hervor, dass es notwendig sei, in der türkischen Hauptstadt ein Zeichen der Geschlossenheit zu setzen. Zentrale Botschaft müsse die Realisierung der Lastenteilung sein. Ein Schwerpunkt bilde dabei die Stärkung der rüstungsindustriellen Basis.
| Das Allied Joint Force Command Brunssum wurde am 1. Juli 2004 in Dienst gestellt und ist Teil der NATO-Kommandostruktur. Es trägt im Rahmen der NATO-Verteidigungspläne die Raumverantwortung für Zentraleuropa (Joint Operations Area Centre). Hauptaufgabe ist die Verteidigung Zentraleuropas – insbesondere Polens und des Baltikums – unter der politischen Auflage „Defend every inch!“, also: „Verteidigt jeden Zentimeter!“ Deutschland beteiligt sich mit insgesamt 91 Dienstposten. |
|---|
von Lara Finke