Die Bundeswehr im Einsatz für die UN
Seit 1991 sind Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr im Einsatz für die Vereinten Nationen
Unter dem Motto „Frieden und Sicherheit in Europa“ wurden am 11. Juni 2026 in Berlin deutsche Peacekeeperinnen und Peacekeeper vom Verteidigungsministerium, dem Auswärtigem Amt und dem Bundesinnenministerium für ihren Einsatz ausgezeichnet. Der Parlamentarische Staatssekretär im BMVg, Sebastian Hartmann, würdigte eine Soldatin und zwei Soldaten der Bundeswehr aus den internationalen Friedensmissionen.
Damit wertschätzten die drei Ministerien die deutschen Peacekeeperinnen und Peacekeeper stellvertretend für die rund 2.000 deutschen Kräfte insgesamt, die an internationalen Friedenseinsätzen von UN, EU, OSZE und NATO beteiligt sind. Sie schützen die Zivilbevölkerung, fördern Rechtstaatlichkeit und helfen Ländern, den schwierigen Weg vom Konflikt zum Frieden zu beschreiten. Weltweit leisten die Männer und Frauen in Uniform und in Zivil ihren Dienst in internationalen Friedensmissionen.
| Bundeswehr in Friedensmissionen |
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| Weltweit sind gegenwärtig rund 1.900 deutsche Soldatinnen und Soldaten im Einsatz. Die Bundeswehr hat sich seit 1991 bei 14 Peacekeeping-Missionen engagiert. Aktuell ist sie an den UN-Einsätzen MINURSO in Westsahara, UNMISS in Südsudan und UNIFIL in Libanon personell beteiligt. Darüber hinaus wurden Soldatinnen und Soldaten aus über 100 Ländern bei den deutschen Streitkräften auf den UN-Einsatz vorbereitet, etwa durch Lehrgänge am UN-Ausbildungszentrum in Hammelburg, an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg und mit mobilen Trainingsteams. Zudem beteiligt sich die Bundeswehr am Kapazitätsaufbau von UN-Truppenstellern und unterstützt Reformbemühungen im UN-Sekretariat: Friedenseinsätze werden effektiver und sicherer gemacht, Frauen in der Friedenssicherung gestärkt, Rettungsketten in Friedensmissionen ausgebaut und die Ausbildung in Peacekeeping Intelligence intensiviert. Neben der Bundeswehr sind derzeit 85 Polizistinnen und Polizisten und rund 150 zivile Expertinnen und Experten aus Deutschland in internationalen Peacekeeping-Missionen im Einsatz. |
Der Festakt anlässlich des 13. nationalen Tags des Peacekeeping wurde in diesem Jahr im Weltsaal des Auswärtigen Amts ausgerichtet. Zivile Expertinnen und Experten, Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr sowie Polizistinnen und Polizisten wurden vor rund 400 Gästen aus Politik, Streitkräften, Polizei, Diplomatie und Zivilgesellschaft für ihre Verdienste um das Peacekeeping geehrt.
Im Namen von Verteidigungsminister Boris Pistorius würdigte der Parlamentarische Staatssekretär im BMVg Sebastian Hartmann gemeinsam mit dem Mitglied des Verteidigungsausschusses des Deutschen Bundestags, Diana Herbstreuth, die Peacekeeperinnen und Peacekeeper der Bundeswehr. Der Gastgeber, Außenminister Johann Wadephul, und der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestags, Armin Laschet, nahmen die Auszeichnung der in Friedensmissionen eingesetzten Diplomatinnen und Diplomaten vor. Für die ausgezeichneten Polizistinnen und Polizisten wurde die Ehrung durch den Parlamentarischen Staatssekretär beim Bundesminister des Innern, Christoph de Vries, mit dem Mitglied des Innenausschusses des Deutschen Bundestags, Detlef Seif, vorgenommen.
Hartmann sagte in seiner Ansprache an die Peacekeeperin und Peacekeeper der Bundeswehr: Ihre heutige Würdigung zeige, dass ihr ganz persönlicher Dienst Anerkennung finde. Der Parlamentarische Staatssekretär wies auf die vielen Herausforderungen hin, vor denen Deutschland und die Bundeswehr angesichts der aktuellen geopolitischen Lage stünden. Russlands völkerrechtswidriger Angriffskrieg gegen die Ukraine und die regelbasierte internationale Ordnung, aber auch bewaffnete Konflikte und die Bedrohung durch Terrorismus veranschaulichten:
Unser weltweites Engagement für Frieden und Sicherheit in der NATO, EU und den Vereinten Nationen ist und bleibt – weiterhin – unverzichtbar.
Die Vereinten Nationen seien das primäre Instrument zum Erhalt der regelbasierten internationalen Ordnung. Und die Stärkung der Instrumente der UN seien integraler Bestandteil einer verantwortungsvollen und verlässlichen deutschen Sicherheitspolitik. „Wir werden uns daher stets zielgerichtet an UN-Missionen beteiligen“, stellte Hartmann in Aussicht.
Deutschland engagiere sich besonders im Kapazitätsaufbau und in der Ausbildung von Truppenstellern und Missionen. In diesem Kontext seien die Laureatin und Laureaten weit mehr als die prominenten Gesichter des deutschen Engagements. „Sie sind es, die das politische Bekenntnis in konkretes Handeln in den Missionen umsetzen“, so Hartmann.
Die Angehörigen der Bundeswehr aus den Teilstreitkräften Heer, Luftwaffe und Marine wurden von Hartmann und Herbstreuth mit der Glastrophäe „Tag des Peacekeeping 2026“ ausgezeichnet und jeweils in einer Laudatio geehrt. In einer Gesprächsrunde mit Hartmann und Herbstreuth berichteten sie von ihren Erfahrungen im Einsatz.
Die Preisträger (v.l.n.r.): Oberstleutnant Nancy Wübbenhorst, Hauptfeldwebel Alexander Ebel und Hauptbootsmann Christopher Thies
Wübbenhorst war 2021 und von 2023 bis 2025 als Militärbeobachterin bei UNMISS (United Nations Mission in the Republic of South Sudan) im Südsudan eingesetzt. In dem volatilen Umfeld lagen ihre Schwerpunkte auf Patrouillenführung, dies unter konsequenter Einbindung der Genderperspektive zum Schutz der Zivilbevölkerung. Dazu zählte auch der Schutz vor konfliktbedingter sexueller Gewalt. Weiter lag ihr Fokus auf sicherheitsrelevanten Analysen zur Unterstützung von Wahlprozessen. Wübbenhorst war 2001 unmittelbar nach der vollständigen Öffnung der Bundeswehr für Frauen in die Streitkräfte eingetreten und sammelte viel Einsatzerfahrung.
Hartmann hob in seiner Laudatio für Wübbenhorst hervor, in einem der weltweit fragilsten Länder der Welt, dem Südsudan, sei sie am Alltag der lokalen Bevölkerung stets nah dran gewesen. Was sie im Austausch vor Ort bei zahlreichen Patrouillen in Erfahrung bringen konnte, habe sie zu Beobachtungen und Analysen aufbereitet. Sie sei „als Auge und Ohr von UNMISS“ tätig gewesen.
Wübbenhorst betonte, sie sei bewusst mehrmals in den Einsatz gegangen. Bereits bei ihrem ersten Einsatz im Südsudan habe sie gemerkt, dass die Situation dort außerordentlich komplex gewesen sei. Ein Aufenthalt habe daher nicht gereicht. Wübbenhorsts zentrale Erfahrung vor Ort sei gewesen: Sie habe im Einsatzland mit allen zusammenarbeiten müssen. „Ohne Sicherheit ist alles nichts“, bekannte die Laureatin. Sie erinnerte sich beispielsweise daran, als sie Transporte begleiten musste. Dabei habe sie wichtige Erkenntnisse fürs Lagebild gewonnen. Ihr Einsatz als Peacekeeperin im Südsudan habe sie sehr ausgefüllt, bekannte Wübbenhorst. Bei der Fortführung des deutschen Engagements dürfe nicht nachgelassen werden. Keine Struktur funktioniere ohne Sicherheit.
Thies war im Naval Equipment and Training Centre, Special Assistant 2 (NETCSA2), bei UNIFIL (UN Interim Force in Lebanon). Er wurde in dieser Funktion von Februar bis Mai 2025 als Ausbilder der libanesischen Marine in Schiffstechnik, Schadensabwehr und Schiffssicherheit eingesetzt. Seine Aufgaben umfassten die Entwicklung und Durchführung von Trainings, die Evaluation von Besatzungen der libanesischen Marine und die Wartung technischer Ausrüstung. Dazu gehörte auch die Durchführung von Inspektionen zur Bekämpfung von Schmuggel.
Hartmann unterstrich, mit seiner Expertise habe Thies dazu beigetragen, die Fähigkeiten der libanesischen Marine zu stärken, damit die Seegrenzen des Libanon zu schützen und die maritime Sicherheit im Mittelmeer zu erhöhen. Bei der Entwicklung und Durchführung von Trainings, der Evaluation von Besatzungen und der Wartung technischer Ausrüstung habe seine Arbeit mit herausragender Qualität überzeugt.
Thies erinnerte sich gut daran, als der UNIFIL-Einsatz im November 2025 evakuiert werden musste. Das habe in die Bewältigung der Aufgaben vor Ort, wie Thies sich ausdrückte, „ein großes Loch“ gerissen. Dass er und seine Kameradinnen und Kameraden diese Herausforderung gemeistert hätten, sei für ihn beeindruckend gewesen. Den gemeinsamen Alltag mit den Libanesinnen und Libanesen beschrieb er als ein „super Miteinander“, welches von Freundlichkeit und Herzlichkeit geprägt gewesen sei. Es gelte, für die Menschen im Libanon auch weiterhin das Beste herauszuholen.
Ebel war S6-Feldwebel bei EUFOR Althea (European Union Force in Bosnia and Herzegovina). Er war dort von Mai bis Oktober 2025 für die Sicherstellung der Einsatzbereitschaft und Funktionsfähigkeit der gesamten IT- und Fernmeldeinfrastruktur verantwortlich. Zusätzlich erstellte er ein IT-Konzept samt Analyse, Planung und Ausarbeitung der IT-Strukturen im Einsatzraum. Dabei ging es um die nachhaltige Optimierung der IT-Organisation und Führungsfähigkeit vor Ort.
Hartmann stellte in seiner Laudatio für Ebel heraus: Mit seiner sorgfältigen Analyse, der präzisen Planung und der Ausarbeitung von IT-Strukturen, kombiniert mit der nachhaltigen Optimierung der IT-Organisation vor Ort, habe Ebel dazu beigetragen, die gesamte Mission effizienter und effektiver zu gestalten. Ebel habe als erfahrener Informationstechniker wesentlich zum Erfolg des Einsatzes EUFOR Althea beigetragen.
Ebel sagte, er habe auch bei EUFOR Althea einmal mehr die Erfahrung gemacht: „Ohne IT läuft gar nichts.“ Jeder – ob in der Heimat oder im Einsatz – habe mit IT zu tun. Von „meine Computer-Maus ist kaputt“ bis „mein Diensthandy funktioniert nicht“ sei alles dabei gewesen, berichtete Ebel. Der Wert der IT werde erst erkannt, wenn sie nicht funktioniere. IT sei wie ein Nervensystem. Es sei nicht zu sehen, aber wenn es nicht funktioniere, gebe es ein Problem. Ebel war es gegen Ende seiner Ausführungen noch wichtig zu sagen: Wenn Personal der Bundeswehr in den Einsatz gehe, dann müssten die Lücken, die sich dann eventuell in der Heimat auftäten, auch angemessen kompensiert werden.
Als Hausherr dieser Veranstaltung betonte Außenminister Johann Wadephul an die Adresse der Peacekeeperinnen und Peacekeeper: „Es ist Ihre Expertise, mit der Sie vor Ort einen Unterschied machen.“ Diese Expertise setzten sie oftmals unter widrigen Umständen ein – und nicht selten auch unter Einsatz ihres Lebens.
In Vertretung von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt erklärte der Parlamentarische Staatssekretär Christoph de Vries, der deutsche Beitrag in internationalen Polizeimissionen genieße international große Wertschätzung. Die Peacekeeperinnen und Peacekeeper stünden für dieses Engagement.
| Nationaler Tag des Peacekeeping |
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| Seit 13 Jahren ehrt Deutschland mit dem nationalen Tag des Peacekeeping Männer und Frauen für ihren Einsatz in friedenserhaltenden Missionen der Vereinten Nationen, der NATO, der Europäischen Union und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Das Verteidigungsministerium, das Bundesinnenministerium und das Auswärtige Amt richten den Tag des Peacekeeping Jahr für Jahr abwechselnd aus. Die gemeinsame Durchführung spiegelt den Ansatz der Integrierten Sicherheit wider, wie er seit 2023 in der ersten Nationalen Sicherheitsstrategie Deutschlands verankert ist. Zivile und militärische Akteure wirken bei der Konflikt- und Krisenbewältigung zusammen. Der umfassende Ansatz beinhaltet militärische, polizeiliche, wirtschaftliche sowie diplomatische und politische Maßnahmen. Der deutsche Gedenktag schließt sich an den International Day of United Nations Peacekeepers an, dem Jahrestag des ersten UN-Friedenseinsatzes im Jahr 1948. Damit ehrt die UN jedes Jahr die Männer und Frauen in Friedenseinsätzen. |
von Jörg Fleischer