NATO-Gipfel 2025 in Den Haag
In Den Haag treffen sich die Staats- und Regierungsspitzen der NATO-Mitgliedstaaten, um über die Sicherheitslage des Bündnisses zu beraten.
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Verteidigungsminister Boris Pistorius nahm am Treffen der NATO-Verteidigungsministerinnen und -minister am 15. Oktober 2025 im Hauptquartier der Allianz teil. Themen waren unter anderem die jüngsten Luftraumverletzungen durch Russland. Erstmalig nahm der neue Oberbefehlshaber des Bündnisses, General Alexus G. Grynkewich, am Nordatlantikrat teil.
Im Zentrum des Austausches in Brüssel standen die Unterstützung der Ukraine sowie die Stärkung von Abschreckung und Verteidigungsfähigkeit des Bündnisses. Ein weiterer Schwerpunkt war das Thema Luftverteidigung und Drohnenabwehr. Erstmalig nahm General Alexus G. Grynkewich am Nordatlantikrat teil. Als Oberbefehlshaber der NATO – SACEUR – folgte er auf General Christopher Cavoli, der am 1. Juli 2025 die Amtsgeschäfte übergeben hatte.
Die Alliierten zeigten sich bei ihrem Herbsttreffen einig, dass die jüngsten Verletzungen des Luftraumes von NATO-Mitgliedern durch Russland Handlungsbedarf aufgezeigt hätten. Sowohl in Polen als auch in Dänemark sei sichtbar geworden, dass Deutschland ein verlässlicher Partner sei, sagte Pistorius im Anschluss an das Treffen. Er betonte: „Unsere Soldaten der Luftwaffe haben in Rzeszow bei der Lagebilderstellung geholfen und unsere Marine- und Luftwaffensoldaten haben dazu beigetragen, dass der Luftraum in Kopenhagen während des EU-Gipfels Anfang des Monats geschützt werden konnte.“ Die Reaktion sei entschlossen, schnell und effektiv gewesen. Er habe unverzüglich angewiesen, dass die Eurofighter-Alarmrotten in Rostock/Laage bis Ende des Jahres in höchste Alarmbereitschaft versetzt und von zwei auf vier Kampfflugzeuge verdoppelt würden.
Wenn Putin unsere Grenzen testet, dann reagieren wir entschlossen, schnell und effektiv.
Pistorius führte weiter aus, dass die Bundeswehr ihren Beitrag zu Eastern Sentry künftig ausbaut. Diese NATO-Aktivität wurde als Reaktion auf russische Luftraumverletzungen am 12. September 2025 ins Leben gerufen und nimmt jetzt Gestalt an. Neben den deutschen Eurofightern im rumänischen Konstanza werde die Luftwaffe künftig auch mit Kampfflugzeugen in Malbork in Polen Präsenz zeigen und Patrouillenflüge durchführen, sagte Pistorius: „Damit sind wir noch aktiver und noch präsenter und sichtbarer an der Ostgrenze des Bündnisses.“
Die deutsche Hilfe zum Schutz des alliierten Luftraumes gehe aber über Eastern Sentry hinaus: Die Truppe habe bereits ein zusätzliches Radarsystem nach Litauen verlegt und ein mobiler Gefechtsstand der Luftwaffe zur Luftraumüberwachung werde in Kürze folgen. Darüber hinaus leistet die Bundeswehr einen wichtigen Beitrag im Bereich Luftbetankung und hat zwei Patriot-Luftverteidigungssysteme in Rzesów in Polen stationiert. Alles in allem fasste Minister Pistorius zusammen, sei es das „größte Engagement eines europäischen NATO-Staates zum Schutz des alliierten Luftraums.“
Mehrere Maßnahmen erhöhen jetzt die Verteidigungsbereitschaft und Reaktionsfähigkeit der Bundeswehr. Während des Treffens der NATO-Verteidigungsministerinnen und -minister stellte Generalsekretär Mark Rutte seinen Plan zur Stärkung der Drohnenabwehr vor. Minister Pistorius begrüßte das Vorhaben und stellte eine deutsche Beteiligung in Aussicht. Deutschland werde „in den kommenden Jahren zehn Milliarden Euro für Drohnen aller Art, aller Höhen, Angriffs- und Verteidigungsdrohnen investieren.“
Die Umsetzung der Beschlüsse des NATO-Gipfels in Den Haag waren ebenfalls Thema der Nordatlantikratssitzung. Mit Blick auf die angestrebte Erhöhung der NATO-Verteidigungsausgaben in Richtung Fünfprozent-Ziel betonte Pistorius vor der Presse, dass just am Tag der Nordatlantikratssitzung dem Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages mehrere Großvorhaben zur Billigung vorgelegt würden. Allein letzte Woche hätten die Abgeordneten 25-Millionen-Vorlagen im Wert von insgesamt mehr als sieben Milliarden Euro bewilligt.
Wichtig sei nun, dass die Alliierten ihre Fähigkeitsziele schnell erfüllten, betonte Pistorius. Ein wichtiger Bereich sei die Luftverteidigung. Hier mache Deutschland Fortschritte. Ganz konkret werde derzeit die Beschaffung einer hohen Stückzahl an Flugabwehrkanonenpanzern vom Typ Skyranger geplant. Auch den Aufbau der Industriekapazitäten dürfe das Bündnis nicht außer Acht lassen. Vor wenigen Wochen hatte Minister Pistorius gemeinsam mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte in Unterlüß die größte Munitionsfabrik Deutschlands eingeweiht.
Erstmalig traf Boris Pistorius auf seine neue Amtskollegin aus Frankreich, Catherine Vautrin. Im Anschluss an die Sitzung des Nordatlantikrates zeichneten beide einen Letter of Intent zur deutsch-französischen Initiative JEWEL (Joint Early Warning for a European Lookout). Bei dieser geht es um eine gemeinsame europäische Frühwarnfähigkeit gegen weitreichende Waffen.
In Brüssel traf Verteidigungsminister Boris Pistorius auch seine neue Amtskollegin aus Frankreich, Catherine Vautrin
Pistorius und Vautrin zeichneten darum ein Implementierungsübereinkommen namens Odin’s Eye. Damit könnten gegnerische Raketen schon beim Start erkannt werden. Das sei wichtig, denn nur dann sei auch ein rechtzeitiger Abschuss möglich, so Pistorius.
Für die französische Verteidigungsministerin sind die beiden Abkommen ein Zeichen der Entschlossenheit: „Wir sitzen hier als Europäer, die sich nicht auf Worte beschränken. Wir wollen auch glaubwürdig handeln.“
Zudem freute sich Vautrin, Pistorius schon eine Stunde nach ihrer Ankunft in Brüssel kennenzulernen. Es gebe nur eine Person, die sie sofort hätte treffen müssen, zitierte die Ministerin Präsident Macron und Premierminister Lecornu: Boris Pistorius.
von Hannes Lembke