Die Schulter eines ukrainischen Soldaten und eines deutschen Soldaten von hinten.
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KategorieUkraine-Unterstützung

Ukraine-Unterstützung: Entwicklung einer strategischen Partnerschaft

Am 24. Februar 2026 jährt sich der Überfall Russlands auf die Ukraine zum vierten Mal. Deutschland ist in Europa weiterhin größter Unterstützer des angegriffenen Landes. Was als Nothilfe begann, hat sich zu einer langfristigen strategischen Beziehung entwickelt, die mittlerweile weit über die Lieferung von Bundeswehrmaterial hinausgeht.

Mit einem Gesamtvolumen von rund 55 Milliarden Euro (Stand Anfang 2026) ist Deutschland größter Unterstützer der Ukraine in Europa. Die Ukraine-Hilfen umfassen verschiedene nationale und internationale Instrumente: unmittelbare materielle Hilfe, Ausbildung und Beratung sowie gezielte industrielle Kooperationen und Finanzierungsinstrumente, die mittelfristig die ukrainische Eigenproduktion steigern sollen.

Bundesminister der Verteidigung Boris Pistorius schaut lächelnd für eine Portraitaufnahme in die Kamera.
Wir müssen die Ukraine vor jeglicher künftigen Aggression Russlands schützen.
Verteidigungsminister Boris Pistorius Bundeswehr/Norman Jankowski

Das Ziel ist, die Ukraine zu befähigen, ihre Souveränität dauerhaft verteidigen zu können und aus einer Position militärischer Stärke heraus zu verhandeln – sofern es zu konstruktiven Gesprächen kommt. Doch Russland zeigt bislang keine ernsthafte Bereitschaft zu einer Waffenruhe. Im Gegenteil: Weiterhin ist die Ukraine massiven Luftangriffen ausgesetzt – vor allem auch auf die Bevölkerung und zivile Infrastruktur.

Schwerpunkt Luftverteidigung

Die Luftverteidigung steht deshalb im Fokus der deutschen militärischen Unterstützung für die Ukraine. Eine effektive Luftverteidigung mindert das Leid der Bevölkerung, schützt militärische Einrichtungen und zivile Infrastruktur. Deutschland hat PatriotPhased Array Tracking Radar to Intercept on Target-Flugabwehrsysteme aus Bundeswehrbeständen bereitgestellt und damit die Fähigkeit der Ukraine zur Abwehr von Langstreckenraketen und Flugkörpern gestärkt. Die Bereitstellung umfasste nicht nur die Systeme selbst, sondern auch Ausbildung, Ersatzteile und logistische Unterstützung. Auf der Basis von Verträgen mit der Rüstungsindustrie hat Deutschland zudem mehrere IRIS-T-Systeme zur Luftverteidigung finanziert und geliefert. Für die Nahbereichsabwehr wurden der Ukraine Flugabwehrkanonenpanzer vom Typ Gepard sowie entsprechende Munitionspakete zur Verfügung gestellt.

Deutschland koordiniert darüber hinaus die internationalen Anstrengungen zur Stärkung der ukrainischen Luftverteidigung. So initiierte Deutschland die Immediate Action on Air Defence (IAADImmediate Action on Air Defense), mit der im ersten Jahr rund eine Milliarde Euro für Luftverteidigungssysteme und Munition mobilisiert wurden. Mit der Enduring Action on Air Defence wurde die Initiative in eine dauerhafte Struktur überführt und umfasst sowohl direkte Systemlieferungen als auch die Finanzierung von Munition und die Unterstützung ukrainischer Produktionskapazitäten.

Mobilität und Feuerkraft

Um ihre territoriale Integrität wiederherzustellen, benötigt die Ukraine Mobilität und Feuerkraft zu Lande. Deutschland hat in diesem Bereich in den vergangenen Jahren massive Kapazitäten mobilisiert. Die Lieferung von Kampfpanzern des Typs Leopard 2 aus Bundeswehrbeständen wurde ergänzt durch die industrielle Instandsetzung und Lieferung von Kampfpanzern Leopard 1 in Kooperation mit Dänemark und den Niederlanden. Zudem wurden Schützenpanzer Marder an die Ukraine übergeben und mit der Panzerhaubitze 2000 eines der effektivsten Artilleriesysteme der Welt geliefert. Ein Meilenstein der industriellen Hilfe ist die von Deutschland mitfinanzierte Radhaubitze RCH 155. Die Ukraine ist der Erstkunde für dieses neue Artilleriesystem. Die ersten Radhaubitzen wurden Anfang 2025 übergeben.

Strategische Rüstungskooperation

Deutschland hat auch begonnen, direkt in ukrainische Produktionskapazitäten für Rüstungsgüter zu investieren. Diese Strategie verfolgt mehrere Ziele:

Deutschland hat entsprechende Verträge und Finanzierungszusagen mit ukrainischen Stellen und deutschen Unternehmen abgeschlossen. Die Zusammenarbeit geht weit über die bloße Finanzierung der Produktion von Rüstungsgütern in der Ukraine hinaus, denn Joint Ventures ermöglichen den Transfer von Know-how in beide Richtungen: Ukrainische Einsatzerfahrung wird mit deutschen Produktionsstandards kombiniert.

Ein neuerer Baustein der Kooperation ist der sogenannte PURLPrioritized Ukraine Requirements List-Mechanismus (Prioritized Ukraine Requirements List). Hierbei handelt es sich um ein NATONorth Atlantic Treaty Organization-koordiniertes Verfahren, bei dem die USA militärisches Gerät aus ihren Beständen zur Verfügung stellen, während die Finanzierung durch europäische Partner übernommen wird. Dieser Mechanismus erlaubt es, Bedarfe der Ukraine – etwa PatriotPhased Array Tracking Radar to Intercept on Target-Raketen oder panzerbrechende Munition – schnell zu decken. Deutschland beteiligt sich maßgeblich an der Finanzierung und Koordination dieses Instruments. PURLPrioritized Ukraine Requirements List hilft, Engpässe zu schließen, indem es die schnelle Lieferung von in den USA verfügbaren Gütern ermöglicht und gleichzeitig europäische Finanzierungskapazitäten mobilisiert. Für die Ukraine ist dies besonders wichtig bei Gütern, die in Europa nicht in ausreichender Menge produziert werden oder deren Produktion lange Vorlaufzeiten hat.

Deutsche Führungsrolle in der Ukraine-Kontaktgruppe

Deutschland hat im Jahr 2025 gemeinsam mit Großbritannien den Vorsitz innerhalb der UDCGUkraine Defence Contact Group, dem ehemaligen Ramstein-Format, übernommen. Die Ukraine Defence Contact Group ist das zentrale internationale Koordinationsforum für militärische Unterstützung der Ukraine. In diesem Rahmen stimmen die beteiligten Staaten Materiallieferungen, Ausbildungsangebote und Finanzierungsmöglichkeiten ab. Innerhalb der UDCGUkraine Defence Contact Group wurden sogenannte Capability Coalitions gebildet: Koalitionen, in denen Führungsnationen Verantwortung für den Aufbau spezifischer militärischer Fähigkeiten der Ukraine übernehmen. Deutschland leitet oder koordiniert mehrere dieser Koalitionen, insbesondere die für den Bereich Luftverteidigung.

Die UDCGUkraine Defence Contact Group dient weiterhin als zuverlässige Plattform für zahlreiche konkrete Zusagen: Lieferung von Luftverteidigungssystemen, Koordination von Panzerlieferungen oder die Bündelung finanzieller Mittel für dringende Bedarfe. Deutschland nutzt die UDCGUkraine Defence Contact Group auch, um seine eigenen Initiativen wie zum Beispiel die Enduring Action on Air Defence voranzutreiben oder Beiträge von Verbündeten und Partnern zu mobilisieren. Die UDCGUkraine Defence Contact Group ist jedoch nicht nur ein logistisches Koordinationsinstrument, sondern auch ein politisches Signal: Die regelmäßigen Treffen beweisen Bündnissolidarität und Kontinuität der Unterstützung.

Europäische Unterstützung

Die EUEuropäische Union Military Assistance Mission Ukraine (EUMAMEuropean Union Military Assistance Mission) ist die europäische Ausbildungsmission für ukrainische Streitkräfte. Deutschland übernahm schon früh eine koordinierende Rolle, stellt ein multinationales Führungselement und bietet umfangreiche Ausbildungsangebote an. Die Mission zielt darauf ab, ukrainische Verbände und Spezialisten in der EUEuropäische Union auszubilden. Das Training umfasst nicht nur die Bedienung komplexer Waffensysteme, sondern auch taktische Führung, Pionierwesen und Sanitätswesen. Insgesamt wurden schon über 85.000 ukrainische Soldatinnen und Soldaten ausgebildet, davon allein über 25.000 durch die Bundeswehr in Deutschland. Die gemeinsamen Kosten der Mission sowie die Kosten für Transport, Unterbringung und Versorgung der ukrainischen Kräfte werden über die Europäische Friedensfazilität (European Peace Facility), eine Art Fonds für militärische Beschaffungen, finanziert. Deutschland trägt zusätzlich durch die Bereitstellung von Infrastruktur, Personal und Ausbildungsressourcen zum Erfolg der Mission bei.

Seit Beginn der russischen Vollinvasion 2022 hat die EUEuropäische Union die Ukraine mit rund 193 Milliarden Euro unterstützt. Knapp 70 Milliarden Euro flossen in militärische Hilfe. Kürzlich erst hat die EUEuropäische Union der Einrichtung eines Unterstützungsdarlehens für die Ukraine in Höhe von 90 Milliarden Euro in den Jahren 2026 und 2027 zugestimmt. Etwa zwei Drittel dieser Summe sind für militärische Unterstützungsleistungen vorgesehen.

Ausblick

Die Unterzeichnung des bilateralen Sicherheitsabkommens im Februar 2024 markierte die langfristige Verpflichtung Deutschlands, die Ukraine so lange wie nötig militärisch zu unterstützen. Die Kombination aus der Lieferung hochmoderner Waffensysteme, nachhaltiger Finanzierungshilfe und der strategischen Rüstungszusammenarbeit hat die Basis für eine robuste ukrainische Verteidigungsarchitektur geschaffen. Die Ukraine kann sich weiterhin auf Deutschland verlassen. 11,5 Milliarden Euro sind für die Unterstützung der Ukraine in 2026 eingeplant.

von Florian Manthey

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