Sie sind hier: Startseite > Sicherheitspolitik > Internationale Organisationen > Vereinte Nationen > Deutschlands militärischer Beitrag > Für die UN im Sudan

Für die Vereinten Nationen im Sudan

Sudan, 30.11.2010.
Auslandseinsatz – das bedeutet nicht nur Dienst in Afghanistan zu leisten. Deutschland engagiert sich in vielen Missionen weltweit. Für die Vereinten Nationen (VN) werden zum Beispiel Militärbeobachter in Krisenregionen entsandt.

Gruppenbild mit Uwe Mannuß

Uwe Mannuß (Mitte) war in einem internationalen Team gefordert (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Einer von ihnen ist Hauptmann Uwe Mannuß gewesen. Der Offizier war für sechs Monate bis zum Februar für die Vereinten Nationen im Sudan, einem der ärmsten Entwicklungsländer in Afrika. Seit 2005 regieren im Sudan – nach jahrzehntelangen Bürgerkriegen – die Nationale Kongresspartei (NCP) und die Sudanesische Volksbefreiungsbewegung (SPLM) gemeinsam in der Regierung der Nationalen Einheit.

Diese Machtaufteilung wurde im Friedensabkommen von 2005 vereinbart und soll nach den ersten freien Wahlen ein Referendum für den Januar 2011 vorbereiten. Dieses entscheidet über die Einheit des Sudan oder dessen Teilung in zwei unabhängige Staaten.

nach oben

Sicherung des Friedensabkommen

Die VN-Resolution 1590 vom 24. März 2005 bildet die Grundlage für den Einsatz von bis zu 10.000 bewaffneten Soldaten, 750 Militärbeobachtern und 500 Polizisten aus derzeit 71 Nationen. Mit Beschluss des Deutschen Bundestages vom 22. April 2005 kann Deutschland insgesamt bis zu 75 Soldaten als Stabspersonal und Militärbeobachter in das afrikanische Land entsenden, derzeit sind es 32.

„Eine Herausforderung“, sagt Mannuß und verweist zunächst auf das desolate Verkehrsnetz: „In der Regenzeit sind viele Orte mit Fahrzeugen nicht erreichbar. Generell sind Geländefahrzeuge unabdingbar.“ Ein Umstand, der die Arbeit nicht erleichtert, die im Zusammenhang mit der UNMIS (United Nations Missions In Sudan) erledigt werden muss. Mannuß war im Schwerpunkt als Führer von Patrouillen eingesetzt, mit dem Ziel, die Wahlen und das Referendum in der Fläche vorzubereiten und das Friedensabkommen zu überwachen.

„Reizvoll an dieser Aufgabe sind die Selbstständigkeit und die Arbeit im Team“, erzählt er und berichtet, dass die einzelnen Missionen im internationalen Umfeld einer sorgfältigen Vorbereitung und exakten Planung bedürfen. Angesichts der bedrohlichen Minenlage und schwelender Konflikte ist die oft eine Gratwanderung. So regelt das Friedensabkommen unter anderem den Aufbau von Polizeikräften oder etwa die Entwaffnung und Reintegration von Milizenverbänden. „Ebenso unterstützten wir bei der Bewältigung lokaler Konflikte und die Hilfsorganisationen bei ihrer Arbeit.“ Die Konfliktregion Südsudan ist dazu in sechs Sektoren aufgeteilt. Mannuß arbeitete im Sektor II von der Stadt Wau aus, etwa 1.200 Kilometer südlich der Hauptstadt Khartoum.

nach oben

Multinationales Team im Einsatz

Das dortige Sektor-Hauptquartier der Vereinten Nationen gleicht einem Feldlager. „Mit Multi-Kulti-Charakter“, erinnert sich der Hauptmann, der inzwischen wieder im Streitkräfteamt arbeitet. So stellen beispielsweise die Chinesen einen Pionierverband „und Nationen aus Europa kümmern sich um die notwendige Stabsarbeit“. Jeweils verbunden mit nationalen Eigenheiten, Sprach- und Verständigungsschwierigkeiten, „aber immer in kameradschaftlicher Atmosphäre und mit Blick auf den Auftrag“, so der 48-jährige Offizier.

Ein Bataillon aus Kenia steht in Wau für die Force Protection bereit, eine Art Begleitschutz. Deren Einsatz richtet sich nach der jeweils aktuellen Sicherheitslage. Zwar habe er sich im Südsudan selten bedroht gefühlt, so Mannuß, doch könne mancher Auftrag schon gefährlich werden. So wurde sein Team einmal von SPLA-Kräften (Sudan Peoples' Liberation Army) festgehalten. „Weil aus deren Sicht wichtige Papiere fehlten, um in einem bestimmten Gebiet zu operieren. Man ließ unseren russischen Hubschrauber nicht mehr starten.“

Ein Geländewagen überwindet mit Hilfe von Ästen ein Hindernis

Unterwegs abseits aller Straßen (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Oft waren die Beobachter aber mit ihren Geländewagen unterwegs. „Dazu wurde ich vorbereitend ausgebildet, was auch äußerst sinnvoll ist. Keine Patrouille ohne Reifen- oder Fahrwerkspanne“, erinnert sich Mannuß. Die telefonische Verbindung nach Hause klappte dagegen recht gut. Nur Briefe schreiben ging nicht, da mangels Feldpostversorgung noch nicht sichergestellt war, dass die Post die Lebensgefährtin in Bonn erreichte. Lediglich über E-Mail konnte man sich ab und zu schreiben. Seit Juni ist jedoch auch im Sudan eine Feldpostversorgung etabliert.

nach oben

Im Alltag wird improvisiert

Unterricht einer sudanesischen Schulklasse

Zukunftschance Bildung: Auch Ältere wollen lernen (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Gerne denkt Hauptmann Mannuß an viele positive Ereignisse zurück, etwa als man einer Schule mit Unterrichtsmaterial helfen konnte. „Vieles war improvisiert. Unterwegs musste man oft lagebezogen reagieren. Unterschiedlichste Volksgruppen und Ethnien mussten berücksichtigt werden bei vielfältigen Aufgaben. Alles penibel protokolliert.“

Improvisiert sind im Sudan auch die Freizeitmöglichkeiten des VN-Personals. „Man hat nicht die heimische Versorgungslage“, macht Mannuß deutlich. „Da ‚bastelt’ man sich aus Holz und Eisenstangen halt ein ‚Fitnessstudio‘“. Die hygienischen Bedingungen im Feldlager seien allgemein gut, jedoch dürfe man auch hier keinen Luxus erwarten. „Meine Zeit als VN-Beobachter war die beste Zeit in meiner militärischen Laufbahn“, blickt Mannuß auf den Aufenthalt zurück. Zudem habe er immer das Gefühl gehabt, einen wertvollen Beitrag zum Friedensprozess in einem gebeutelten Land zu leisten. Einsatz einmal anders.

nach oben


FußFzeile

nach oben

Stand vom: 03.12.13 | Autor: Ralf Wilke


http://www.bmvg.de/portal/poc/bmvg?uri=ci%3Abw.bmvg.sicherheitspolitik.internationale_organisationen.vereinte_nationen.deutschlands_militaerischer_beitrag&de.conet.contentintegrator.portlet.current.id=01DB010000000001%7C8BKFL2273INFO