Veteranendiskussion: Es geht um besondere Wertschätzung
Dresden, 08.10.2012.
„Braucht Deutschland einen Veteranentag? Chance und Herausforderungen einer neuen Veteranenpolitik“, so lautete das Thema einer Podiumsdiskussion, an der Verteidigungsminister Thomas de Maizière am 5. Oktober in Dresden teilgenommen hat.

Die Veranstaltung war von der „Initiative junge Transatlantiker“ (IjT) organisiert worden und fand im Vortragssaal der Staats- und Universitätsbibliothek Dresden statt. Zielgruppe waren vor allem Studenten, aber auch an sicherheitspolitischen Themen interessierte Bürger.
„Alt – ehemalig – Krieg“, so lautet eine Assoziationskette zum Schlagwort „Veteran“: Das zumindest stellte eine Untersuchung des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Bundeswehr heraus, die der Minister zu Beginn der Diskussion anführte. Diese Attribute treffen auf Kapitänleutnant Andrea Schulze, Jugendoffizier in Nürnberg, und US-Master Sergeant Robert L. Hall, aktiv beim Kommando Operative Führungskräfte Ulm, nicht zu. Beide diskutieren an diesem Tag mit dem Minister – moderiert von Christian Eichhardt, Oberleutnant der Reserve und Student der Sozialwissenschaften, gleichzeitig Mitglied bei der IjT.
Etablierung geschieht nicht über Nacht
Die deutsche Soldatin, die gerade aus dem Kosovo-Einsatz zurückgekehrt ist und 2011 auch in Afghanistan Dienst getan hat, ist seit 2001 in der Bundeswehr. Hall wurde in Deutschland geboren und gehört seit 1985 den amerikanischen Streitkräften an, die in punkto Veteranenpolitik weiter sind. „Eine Etablierung vom Begriff des Veteranen wird nicht über Nacht möglich sein
“, sagte Hall. Dazu müsse man einige Zeit ins Land gehen lassen und viele Diskussionen führen, fügte er hinzu.
In den USA ist der Begriff Veteran fest im gesellschaftlichen Bewusstsein verankert – alle ehemaligen Armeeangehörigen gehören dieser Gruppe an. Damit ist nicht nur ein entsprechender gesellschaftlicher Status festgelegt, sondern auch eine soziale Absicherung gewährleistet.

Abgeklärte Debatte
In Deutschland steckt das Thema dagegen noch in den Kinderschuhen. Eine Veteranenpolitik sei demzufolge längst überfällig, so der Minister. Im September 2011 startete er die Veteranen-Diskussion im Bundestag, im März dieses Jahres legte das Ministerium ein Thesenpapier vor. Seitdem habe eine Diskussion stattgefunden, die von den „üblichen Verdächtigen
“ geführt worden sei. Eine eher „abgeklärte Debatte
“, deren Verläufe im Vorfeld bereits sehr klar gewesen waren, so der Minister. Umso erfreulicher sei es, dass dieses Thema mit dieser Veranstaltung in die Universität getragen wird.
„Es geht um eine besondere Form der Wertschätzung für einen besonderen Personenkreis in unserem Land, der in besonderer Weise gegebenenfalls unter Einsatz des eigenen Lebens für dieses Land einen Dienst tut
“, unterstrich de Maizière in der Diskussion. „Eine Gesellschaft braucht Symbole, Namen, Begriffe, Aktionen, Handlungen, um sich an etwas zu erinnern oder etwas Wert zu schätzen
“, ergänzte er.
Dafür gebe es manchmal Tage. Es sei aber falsch, die Veteranendiskussion mit der Frage zu beginnen, ob Deutschland einen Veteranentag benötige oder wann dieser sein sollte. Diese Entscheidung stünde erst am Ende der Debatte.
Er kündigte an, seine Vorstellungen alsbald im Verteidigungsausschuss zu präsentieren. „Ich habe die Diskussion begonnen, also habe ich auch eine Bringschuld, meine Ideen zu dem Thema nach einer Weile der gemeinsamen Diskussion vorzustellen
“, so de Maizière.
Bis dahin hofft nicht nur Kapitänleutnant Andrea Schulze auf Impulse aus der Bevölkerung zum Thema Veteran und mehr gesellschaftliche Anerkennung für Soldaten der Bundeswehr. „Es muss ja irgendwann, irgendwo anfangen
“, pflichtet ihr der amerikanische Kamerad bei. Viele Beiträge aus dem Plenum fokussieren dagegen eher auf das Engagement der Bundeswehr in den Auslandseinsätzen generell und die Rolle Deutschlands auf der weltpolitischen Bühne.

Auf kritische Äußerungen eines Politologen aus Kolumbien, der Politik an der Uni in Dresden studiert hat, zum Einsatz der Deutschen in Afghanistan entgegnete der Minister: „Selbst wenn man den Einsatz ablehnt, so sollte man doch für die Soldaten Wertschätzung haben
.“
Die Organisatoren waren zufrieden mit der Veranstaltung. Sie werden das Thema weiter diskutieren und das vornehmlich im Netz – denn die bundesweit rund 50 festen Mitglieder der „Initiative junge Transatlantiker“ kommunizieren online, vor allem über das soziale Netzwerk facebook.
