Minister würdigt Industrie als Eckpfeiler der Verteidigung
Trotz Drohnen hat militärisches Großgerät weiterhin Bedeutung. Künftig sollen elektronische Einsatzmittel besser mit Großgerät interagieren.
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Im bayerischen Aschau entsteht die modernste Pulverfabrik Europas. Sie trägt dem gestiegenen Munitionsbedarf in Deutschland und Europa Rechnung und macht die Fertigung unabhängiger von Zulieferern. Rheinmetall investiert mehrere Hundert Millionen Euro und schafft bis zu 500 neue Arbeitsplätze. Staatssekretär Schmid vertrat Minister Pistorius bei der Grundsteinlegung.
Der Parlamentarische Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Nils Schmid, Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Armin Papperger, CEO der Rheinmetall AG, haben am 22. Juli 2026 den Grundstein für Europas modernste Munitionsfabrik in Aschau am Inn gelegt.
Als Vertreter der Bundesregierung ging Staatssekretär Schmid in seiner Rede auf die aktuelle sicherheitspolitische Lage ein. Das globale Umfeld sei durch zahlreiche Krisen und Konflikte gekennzeichnet und Russland führe im fünften Kriegsjahr einen brutalen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Russland versuche, den transatlantischen Westen zu spalten. Krisen und Konflikte erfordern laut Schmid eine stärkere deutsche Rolle. Deutschland werde die Ukraine weiter unterstützen. Europa müsse aus eigener Kraft konventionell abschreckungs- und verteidigungsfähig werden, auch weil das transatlantische Sicherheitsfundament im Wandel sei.
Laut Schmid ist die Nachfrage nach Artilleriemunition hoch. 155-Millimeter-Munition bleibe im Ukrainekrieg ein Hauptverbrauchsgut und Engpass. Der Ausbau der Produktionskapazitäten, insbesondere bei Munition, in Deutschland sei damit eine sicherheitspolitische Notwendigkeit und auch für unsere Partner von höchster Bedeutung. Um Kapazitäten auszubauen, wurde eine neue gesetzliche Regelung geschaffen, so Schmid: „Wir haben jüngst eine Außenprivilegierung im Baurecht verankert, damit Unternehmen der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie schneller bauen und ihre Produktionsstätten erweitern können“, sagte Schmid. Habe der Fokus bislang auf Endmontage gelegen, gewinne jetzt die Resilienz von Lieferketten an Bedeutung. Das neue Werk reduziere die Anfälligkeit gegenüber externen Schocks und geopolitischen Risiken. Nur durch eine enge Zusammenarbeit von EU, Bundesregierung, Industrie, Ländern und Kommunen könne den aktuellen Herausforderungen begegnet werden, so der Staatssekretär.
Rheinmetall deckt laut eigenen Angaben als einer von wenigen Produzenten in der Munitionsfertigung die komplette Wertschöpfungskette ab: von der Treibladung, also dem Pulver, über das Anzündhütchen und den Zünder, die Geschosshülle bis zur Spreng- beziehungsweise Wirkladung. Im Zuge des Ausbaus in Aschau am Inn wächst die Produktionskapazität für Treibladungskomponenten für Rohrartillerie und weitere großkalibrige Systeme deutlich: Die jährliche Pulverproduktion steigt von bislang 1.700 Tonnen auf künftig 4.200 Tonnen. Auch die Fertigung von Treibladungsmodulen legt zu – von derzeit rund 300.000 auf über eine Million Einheiten jährlich.
Im Jahr 2028 soll die maximale Fertigungskapazität erreicht sein. Dafür wurde das Werksgelände von bislang 90 Hektar auf insgesamt rund 110 Hektar erweitert. Ab 2030 will Rheinmetall in der Lage sein, jährlich 20.000 Tonnen Treibladungspulver herzustellen und verändert dafür den Produktionsprozess: In Zukunft wird das Pulver nicht mehr gewalzt, sondern größtenteils aus Granulat gepresst, um die Menge zu erhöhen.
von Egbert Sass