Drei Drohnen stehen senkrecht, bereit zum Start. Eine vierte Drohne startet.
© Bundeswehr/Jana Neumann
KategorieKünstliche Intelligenz

KI-Konzeption: zukunftsfähige Verteidigung mit Künstlicher Intelligenz

Schneller, wirkungsvoller und durchsetzungsstärker auf dem Gefechtsfeld und effizienter in der Verwaltung: Mit der KI-Konzeption für die Bundeswehr wird der Rahmen geschaffen für die rechtskonforme, verantwortungsvolle, sichere und zuverlässige Erprobung und Nutzung von KI bei den Streitkräften.

Künstliche Intelligenz hat sich zu einem zentralen sicherheitspolitischen und militärischen Faktor entwickelt. Für die Bundeswehr ist der zielgerichtete Einsatz von KI keine bloße Modernisierungsmaßnahme, sondern eine zwingende Voraussetzung, um der Bedrohungslage zu begegnen und die Bündnis- und Landesverteidigung nachhaltig zu stärken. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine zeigt, wie rasch sich die Kriegführung gewandelt und immer wieder angepasst hat. Hochintensive Landkriege sind kombiniert mit hybrider Kriegführung, dem massenhaften Einsatz unbemannter Systeme sowie digitalen Informationskreisläufen.

Warum die Bundeswehr eine KI-Konzeption braucht

Um das Potenzial dieser Technologie zu heben und gleichzeitig Risiken einzudämmen, benötigt die Bundeswehr eine kohärente KI-Konzeption. Sie bildet die Brücke zwischen technologischem Fortschritt, rechtlicher Verantwortbarkeit und militärischer Durchsetzungsfähigkeit – damit die Bundeswehr im Zeitalter digitaler Kriegführung dauerhaft auftrags- sowie bündnisfähig bleibt und auf dem Gefechtsfeld bestehen kann.

Die KI-Konzeption bündelt Ziele, Prioritäten und Handlungsfelder für KI-Projekte, damit sie nicht isoliert, sondern im Einklang mit den sicherheitspolitischen Zielen und der Militärstrategie umgesetzt werden. Sie schafft verbindliche Regeln für die Zulassung, Erprobung und den Einsatz von KI-Systemen. Es werden nationale und internationale Rechtsvorgaben beachtet und Verantwortlichkeiten definiert. Darüber hinaus stellt die Konzeption klar, dass KI-Lösungen mit NATO-Verbündeten und Partnerstreitkräften kompatibel sind und somit auch in multinationalen Einsätzen funktionieren können.

Die Konzeption regelt Aspekte der Ausbildung, damit das Personal KI-Systeme sachgerecht sowie innerhalb der rechtlichen und ethischen Grenzen nutzen kann. Die Bedeutung von KI für die Bundeswehr wird deutlich mit der Festlegung eines Basistrainings für alle Bundeswehrangehörigen, die mit IT-Systemen arbeiten. Es ist der Ausgangspunkt für ein erweitertes Training oder spezialisierte Ausbildungen – je nach Verwendung im KI-Kontext.

Zudem wird in der Konzeption die Bildung von Schutzmechanismen gegen Manipulationen, Datenfälschung und Cyberangriffe auf KI-Modelle verankert. Obwohl die hochdynamische Entwicklung von KI-Systemen keine Abschätzung möglicher künftiger Risiken zum derzeitigen Zeitpunkt erlaubt, sieht die KI-Konzeption die Etablierung eines Risikomanagements vor und es werden dazu Prioritäten festgelegt, die einen sicheren Betrieb der Systeme gewährleisten. Bevor KI-Lösungen zur Anwendung kommen, steht das Testen, Trainieren, Verifizieren und Validieren der Systeme. . Die entsprechenden Vorgaben der KI-Konzeption gelten dabei auch für Leistungsbeschreibungen, Verträge und Abnahmeprozesse. Damit berücksichtigt das Dokument bereits den gesamten Prozess von der Entwicklung über die Beschaffung bis zum Einsatz eines KI-Systems.

Das Ziel: Einsatzbereitschaft für Multi-Domain Operations

Um gegenüber potenziellen Gegnern eine glaubwürdige Abschreckung aufzubauen, reicht zahlenmäßige Stärke allein nicht aus. Entscheidend ist vielmehr die Fähigkeit, gegnerische Abläufe in allen Dimensionen – Land, Luft, See, Cyber- und Informationsraum sowie Weltraum – zu übertreffen, wenn es um Schnelligkeit und Präzision geht. Künstliche Intelligenz wirkt hierbei als technologischer Beschleuniger. Sie ermöglicht es, die Reaktionszeiten eigener Führungsprozesse drastisch zu verkürzen, knappe eigene Ressourcen durch intelligente Assistenzsysteme optimal einzusetzen und einen Informationsvorsprung zu erzielen. Damit die Truppe erfolgreich abschrecken kann und im Ernstfall auch im Kampf durchhaltefähig ist, muss mittels KI die

gestärkt werden. Dies ist die Voraussetzung, um in sogenannten Multi-Domain Operations handlungsfähig zu sein. Damit sind gleichzeitige militärische und nicht-militärische Aktivitäten über verschieden Dimensionen hinweg gemeint – also an Land, in der Luft und auf See, aber auch im Cyber- und Informationsraum sowie im Weltraum.

Der Mensch bleibt zentral, aber die Operationsgeschwindigkeit muss durch die verantwortungsvolle Nutzung von Automatisierung und autonomen Fähigkeiten erhöht werden. Die gleichzeitige Befähigung zu Multi-Domain Operations und Nutzung von Künstlicher Intelligenz erhöhen die Operationsgeschwindigkeit weiter oder ermöglichen diese erst.
Gesamtkonzeption militärische Verteidigung

Einfluss von KI auf die militärische Handlungsfähigkeit und den Dienstalltag

Die Anwendung von KI in der Bundeswehr umfasst sowohl alle Ebenen in einem Einsatz bis hin zu den administrativen und logistischen Unterstützungsprozessen im Routinebetrieb. Auf dem modernen Gefechtsfeld entsteht in Sekundenbruchteilen eine Flut von Daten. Sensoren an Aufklärungsdrohnen, Gefechtsfahrzeugen, Radarstationen, Satelliten und im Cyberraum sammeln permanent Bild-, Funk- und Telemetriedaten. Ohne KI-Unterstützung führt diese Informationsmenge zur Überlastung menschlicher Entscheidungsträgerinnen und -träger. Aber mit KI-gestützten Prozessen werden in den Datenströmen Muster erkannt. Satelliten- sowie Drohnenbilder werden automatisiert ausgewertet und liefern gefilterte Aufklärungsergebnisse – in Echtzeit. Indem KI also Datenmassen zu einem fusionierten Lagebild zusammenfügt, unterstützt sie die Truppe – insbesondere die militärische Führung – dabei, Bedrohungen früher zu identifizieren und entsprechend reagieren zu können. Dadurch erlangen die Streitkräfte einen Vorteil in zeitkritischen Gefechtslagen.

Neben dem Einsatz auf dem Gefechtsfeld dient der Einsatz von KI auch der Steigerung der Gesamteffizienz der Großorganisation Bundeswehr: zum Beispiel bei Materialerhaltung und Logistik, wenn Instandhaltung und Ersatzteilbedarfe genauer/treffsicher prognostiziert werden. Oder in den Bereichen Bürokratieabbau und Wissensmanagement, indem automatisierte Prozesse zeitraubende Routineaufgaben übernehmen und damit das Personal entlasten, das sich so mehr auf Kernaufgaben konzentrieren kann. Zudem können KI-gestützte Simulationsumgebungen bei Ausbildung und Training komplexe Einsatzszenarien kostengünstig und realistisch darstellen.

Der Blick auf das Gefechtsfeld in der Ukraine offenbart die Dynamik bei der Entwicklung von KI-Systemen und die Notwendigkeit, eigene Fähigkeiten zu stärken. Die Bundeswehr jedenfalls setzt schon intensiv KI-basierte Systeme ein. Sie werden neben Chatbot-Anwendungen und Texttools auch bei der Krisenfrüherkennung, bei der Aufklärung von Minensperren oder zum Beispiel bei der Datensammlung für die Einsatzbereitschaft genutzt. Mit Uranos KI befindet sich ein umfassendes KI-Projekt bereits in der Realisierung. Dabei sollen verschiedenste unbemannte Systeme und Sensoren, Bodenkontrollstationen und künstliche Intelligenz für die taktische Überwachung großer Räume an der NATO-Ostflanke eingesetzt werden. Mehr zu den KI-Projekten der Bundeswehr können sie hier nachlesen.

Zentrales Prinzip: menschenzentrierter Ansatz

Internationale Normen, das Grundgesetz sowie die Prüfung jedes Systems auf Konformität mit dem Völkerrecht sind auch bei der Entwicklung und dem Einsatz von KI-Systemen anzuwenden. Die KI-Verordnung der Europäischen Union ist der geltende Rechtsrahmen für Deutschland. Die Verordnung schließt aber bewusst militärische KI-Systeme aus. Auch deshalb hat das Verteidigungsministerium eine eigene KI-Konzeption für die Bundeswehr entwickelt, um die verantwortungsvolle militärische Nutzung festzulegen. Zentrales Prinzip: der Mensch behält die Kontrolle über kritische Entscheidungen. Die KI soll ein unterstützendes Werkzeug bei der Entscheidungsfindung sein. Die rechtlichen und ethischen Aspekte beim Einsatz von KI-Systemen werden hier erklärt.

KI-Konzeption: Stärkung der Verteidigungs- und Abschreckungsfähigkeit

Künstliche Intelligenz ist für die Bundeswehr ein unverzichtbares Instrument: Sie kann die militärische Handlungsfähigkeit durch bessere Lagebilder und schnellere Informationsverarbeitung stärken und zugleich Verwaltungsprozesse effizienter gestalten. Mit der KI-Konzeption können KI-Systeme nun verantwortungsvoll und rechtssicher erprobt sowie eingesetzt werden. Das ist ein wesentlicher Beitrag zur Steigerung der Verteidigungs- und Abschreckungsfähigkeit Deutschlands und der NATO.

von Florian Manthey

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