Ein Blick über den Tellerrand – die USA-Reise der Jugendoffiziere
Im Herbst 2008 fand die 21. USA-Reise der neuen hauptamtlichen Jugendoffiziere statt. Seit 1977 ist die USA-Reise eine feste Größe in der Ausbildung der hauptamtlichen Jugendoffiziere. Bei dieser zweiwöchigen Bildungsreise lernen sie Land und Leute der noch immer führenden Macht im politischen System der Welt kennen. Erfahrungen, die ihnen helfen, als Experten für Sicherheitspolitik fundiertes Wissen zu vermitteln.

Die 23 Hauptleute, Kapitänleutnante und Oberleutnante besuchten neben den Metropolen Washington und New York auch die zentralamerikanische Provinz in Carbondale im südlichen Illinois und Colorado Springs am Fuße der Rocky Mountains.
Kulturelle Begegnung
Die USA-Reise fand ursprünglich im Zweijahres-Rhythmus statt. Seit den 90er-Jahren wird sie jährlich für alle neuen Jugendoffiziere organisiert und ist der Abschluss der mehrmonatigen Ausbildung.
Dass dieser Ausbildungsabschnitt kein Selbstzweck ist, zeigen jedesmal aufs Neue die Erfahrungen, Vorurteile und Erwartungen der Teilnehmer. Auch nach über 30 Jahren USA-Reise ist es nicht selbstverständlich, dass jeder Jugendoffizier bereits dort war.
Ziel der Reise ist die Heranführung der Teilnehmer an einen zwar verwandten, aber durch und durch anderen Kulturkreis und die noch immer führende Macht im politischen System dieser Welt. Bei ihrer täglichen Arbeit mit Jugendlichen können die Jugendoffiziere so aus erster Hand von einem unserer wichtigsten Verbündeten berichten und eventuell vorhandenen Ressentiments besser begegnen.
Quer durch das Land
Zu den Reisezielen gehören Washington und New York als die politischen und gesellschaftlichen Zentren des Landes. 2008 besuchte die Gruppe in der Hauptstadt das Pentagon, das State Department, die Deutsche Botschaft und den German Marshall Fund.
In New York waren es die Deutsche Ständige Vertretung bei den Vereinten Nationen, das Atlantic Council und das American Jewish Comittee. Abends setzten die Offiziere eigene Schwerpunkte bei der „interkulturellen Begegnung“ und hatten selten Probleme, sich dabei einzubringen.
Diese Orte werden jedes Jahr durch wechselnde Reiseziele an der Ostküste, im mittleren Westen oder den pazifiknahen Staaten ersetzt, immer mit einem Blick auf die Ausbildungsinhalte. Bei der 21. USA-Reise zeigte die Southern Illinois University in Carbondale das ländliche Gesicht der USA, Colorado Springs und Denver ergänzten die dort gewonnenen Eindrücke.
Einblick in die Struktur des Bündnispartners
Neben zivilen Einrichtungen steht das US-Militär im Mittelpunkt des Interesses. Häufig besuchte Reiseziele sind die drei Akademien der Teilstreitkräfte, die US Military Academy in Westpoint, die US Naval Academy in Annapolis und die US Air Force Academy in Colorado Springs.
Daneben bieten Kommandobehörden, Einsatzunterstützungseinheiten oder die einfache Kaserne des Marine-Corps die Gelegenheit, den wichtigsten Partner im transatlantischen Bündnis von innen heraus zu betrachten. Dabei zeigt sich, dass für alle Beteiligten das Gespräch mit dem einfach Rekruten mindestens so wichtig ist wie mit dem General der US-Streitkräfte.
Entdeckung mancher Gemeinsamkeiten
Jedes Jahr sind Jugendoffiziere überrascht, wie sehr sich die Neue Welt von der alten unterscheidet. Alle meinen die USA aus den Medien und Unterhaltungsprogrammen genau zu kennen, aber die amerikanische Gesellschaft ist mindestens ebenso vielschichtig wie die deutsche.
Dennoch verbinden uns weitaus mehr Dinge als viele vermuten: vom gemeinsamen Drang nach Freiheit, über einen kritischen Blick auf den Afghanistan-Konflikt bis hin zur gemeinsamen Vorliebe für Schnellrestaurants und Latte-Macchiato-Ketten.
Kein Wunder also, dass nach einer Umfrage des German Marshall Funds 61 Prozent der US-Amerikaner Sympathien für Deutschland hegen. Weitaus mehr als umgekehrt: Da sind es nur 51 Prozent. Um den verbleibenden 49 Prozent der Deutschen eine Diskussion auf breiter Grundlage bieten zu können, um so zu einer objektiveren Beurteilung der USA zu gelangen, ist die USA-Reise der hauptamtlichen Jugendoffiziere ein unschätzbares Instrument.
