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Rede des Bundesministers der Verteidigung anlässlich der Trauerfeier in der Evangelischen Stadtkirche Bad Salzungen

Bad Salzungen, 02.07.2009.
Sehr geehrte Familie Brunn, sehr geehrte Familie Meiling, sehr geehrte Familie Schleiernick, Soldatinnen und Soldaten des Panzergrenadierbataillons 391 und des Fallschirmjägerbataillons 263, sehr geehrter Herr Ministerpräsident, sehr geehrter Herr Wehrbeauftragter, sehr geehrte Frau Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Bundestages, sehr geehrte Mitglieder des Bundestages und der Landtage, sehr geehrter Herr General Schneiderhan, verehrte Trauergemeinde!

Wir nehmen heute Abschied. Abschied vom Sohn, vom Bruder, vom Freund und vom Kameraden. Hauptgefreiter Martin Brunn, Hauptgefreiter Oleg Meiling und Hauptgefreiter Alexander Schleiernick sind am 23. Juni bei Kunduz im Einsatz für den Frieden gefallen.

Wir trauern und sind tief erschüttert über den Verlust dieser guten Soldaten. Er führt uns deutlich vor Augen, welch hohen Preis wir zahlen, damit wir in Deutschland in Frieden und Freiheit leben können. Ihnen, den nächsten Angehörigen, den Kameraden und den Freunden spreche ich meine aufrichtige Anteilnahme und mein tief empfundenes Mitgefühl aus.

Ich tue dies auch im Namen der Bundesregierung, an der Spitze unsere Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel.

Martin Brunn wäre gestern 24 Jahre alt geworden. Er war bereits gelernter Koch, als er am 1. Januar 2008 in die Bundeswehr eintrat. Er diente zunächst beim Aufklärungsbataillon 13 in Gotha und kam am 1. Oktober zum Panzergrenadierbataillon 391 nach Bad Salzungen. Hier entschied er sich für einen freiwillig längeren Wehrdienst von 23 Monaten und ließ sich zum Kraftfahrer ausbilden.

Hauptgefreiter Brunn war ganz besonders aufgrund seiner Freundlichkeit bei den Kameraden beliebt. Gelegentlich kochte er für sie und er tat dies gern.

Alexander Schleiernick wurde am 13. Oktober 1985 geboren. Er trat als gelernter Zentralheizungs- und Lüftungsbauer am 1. Juli 2006 als Soldat auf Zeit für vier Jahre beim Fallschirmjägerbataillon 263 seinen Dienst an. Er war begeisterter Fallschirmspringer.

Hauptgefreiter Schleiernick meldete sich freiwillig, als Verstärkung für das 20. Einsatzkontingent gebraucht wurde. Er war ein lebensfroher junger Mann, der Fußball liebte, viel las und sich immer anbot, wenn Hilfe notwendig war.

Oleg Meiling ist der jüngste unter den Gefallenen. Er wurde nur 21 Jahre alt. Auch er absolvierte zuerst eine zivile Ausbildung, und zwar als Einzelhandelskaufmann, bevor er am 1. Oktober 2007 in die Bundeswehr eintrat. Im Panzergrenadierbataillon 391 in Bad Salzungen wurde er zum Scharfschützen ausgebildet.

Hauptgefreiter Oleg Meiling war ein freundlicher und hilfsbereiter junger Mann und ein begeisterter aktiver Fußballer. Auch er war bei seinen Kameraden sehr beliebt. Seine Vorgesetzten schätzten seine positive Einstellung zum Soldatenberuf und sein großes dienstliches Engagement.

Die drei Soldaten, um deren Verlust wir heute trauern, gehörten alle der Schutzkompanie in Afghanistan an, die das regionale Wiederaufbauteam in Kunduz unterstützt. Am 23. Juni erhielt die Schutzkompanie den Auftrag, westlich des Flusses Kunduz aufzuklären.

Die Soldaten sollten dabei eine verkehrswichtige Straße auf versteckte Sprengfallen überprüfen, damit die Menschen in der Region diese Straße wieder sicher befahren können. Dabei gerieten unsere Soldaten unter Beschuss. Die Patrouille erwiderte das Feuer. Im Verlauf des Gefechts geriet ihr Transportpanzer von der Straße ab. Er rutschte in einen Wassergraben, stürzte um und blieb auf dem Dach liegen.

Vier Soldaten der siebenköpfigen Besatzung konnten sich aus dem Fahrzeug retten. Für die drei gefallenen Soldaten kam jede Hilfe zu spät. Die Hauptgefreiten Martin Brunn, Alexander Schleiernick und Oleg Meiling starben bei einem Auftrag, der das Leben anderer schützen sollte.

Sie wurden mitten aus dem Leben gerissen: in der Folge eines hinterhältigen und verbrecherischen Anschlages! Ihr Tod reißt eine Lücke in unser Leben. Niemand kann Eltern und unmittelbare Angehörige über diesen Verlust hinwegtrösten. Und auch die Freunde und Soldaten, ganz besonders in Bad Salzungen und Zweibrücken, vermissen die Kameraden an ihrer Seite.

Der gewaltsame Tod dieser drei jungen Menschen konfrontiert uns alle mit der Frage nach dem Sinn dieses Einsatzes in Afghanistan. Wir, die Mitglieder der Bundesregierung und die Mitglieder des Bundestages, haben die Soldaten nach Afghanistan geschickt.

Wir tragen die Verantwortung, und wir sind Ihnen heute eine Antwort schuldig. Meine Antwort ist klar und eindeutig: Wir sind in Afghanistan, weil wir die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger Deutschlands schützen. Das ist unsere Pflicht und unser verfassungsmäßiger Auftrag.

In den Worten der Präambel unseres Grundgesetzes: „Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen, von dem Willen beseelt, als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen“. In Afghanistan dienen wir dem Frieden der Welt, indem wir das Übel des Terrorismus an seiner Quelle bekämpfen.

Wir haben es dabei mit einem zynischen und rücksichtslosen Gegner zu tun, für den Menschenleben nicht zählen. Sie missbrauchen die Zivilbevölkerung als menschliche Schutzschilde und schießen selbst auf Sanitäter.

Und sie zielen darauf, die öffentliche Meinung in Deutschland zu beeinflussen, damit wir uns zurückziehen und sie ihr verbrecherisches Ziel erreichen. Das wird ihnen nicht gelingen. Leider verkennen einige auch bei uns diese Gefahr für unsere Sicherheit.

In der Trauer um den Verlust, dürfen wir uns nicht den Blick auf das in Afghanistan erreichte verstellen lassen. Afghanistan war das Ausbildungscamp und Domizil für den internationalen Terrorismus. Wir haben Afghanistan von dem terroristischen Regime der Taliban befreit. Wir helfen den Afghanen dabei, Stabilität zu erreichen und ihre Sicherheit wieder selbst in die Hand zu nehmen.

Das Ziel unseres Stabilisierungseinsatzes ist klar: ein stabiles und sicheres afghanisches Staatswesen.

Wir setzen uns für ein Afghanistan ein, das sich seiner inneren und äußeren Feinde sowie des Terrorismus und der organisierten Kriminalität erwehren kann. Diejenigen, die jetzt an Rückzug denken, würden Afghanistan wieder in die Hände der Taliban geben. Genau das ist es, was die Taliban erreichen wollen.

Und das dürfen wir auch im Interesse unserer Sicherheit nicht zulassen. Wir werden daher in unserem Engagement nicht nachlassen und uns weiterhin Hand in Hand mit der internationalen Gemeinschaft und der afghanischen Armee und der afghanischen Polizei den Handlangern des Terrorismus entschieden in den Weg stellen.

Das sind wir Martin Brunn, Alexander Schleiernick und Oleg Meiling schuldig!

Staat und Soldaten sind durch gegenseitige Treue miteinander verbunden. Dies verpflichtet uns alle. Unsere Soldatinnen und Soldaten schwören in ihrem Eid, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des Deutschen Volkes tapfer zu verteidigen. Die Soldaten der Bundeswehr stehen zu diesem Eid.

Sie erfüllen ihren gefährlichen Auftrag in der festen Überzeugung, damit dem Schutz und der Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger unseres Landes zu dienen. Auch die Hauptgefreiten Martin Brunn, Alexander Schleiernick und Oleg Meiling waren nach Afghanistan gekommen, um diese Verpflichtung einzulösen.

Sie waren gute Soldaten und echte Patrioten!

Kein Wort des Zuspruchs vermag, in dieser schweren Stunde des Abschieds und der Trauer zu trösten. Wir sind hier alle zusammengekommen, um Ihnen, den Angehörigen, Freunden und Kameraden zu zeigen: Sie stehen in Ihrem Schmerz nicht allein.

Ich wünsche ganz besonders den Eltern, Geschwistern und Lebensgefährten unserer gefallenen Soldaten, dass Sie in dieser schweren Zeit Menschen in ihrer Nähe finden, die Ihnen Kraft und Halt geben.

Im Namen der Bundesrepublik verneige ich mich in Dankbarkeit und Anerkennung vor Martin Brunn, Alexander Schleiernick und Oleg Meiling, die für unser Land gefallen sind. Mögen sie ruhen in Frieden.

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Stand vom: 02.07.2009

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