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"Im Einsatz für den Frieden gefallen"

Zweibrücken, 24.10.2008.
Rede des Bundesministers der Verteidigung, Dr. Franz Josef Jung, anlässlich der Trauerfeier für die am 20. Oktober 2008 in Afghanistan im Einsatz getöteten Soldaten der Bundeswehr am 24. Oktober 2008 in Zweibrücken.

Es gilt das gesprochene Wort!

Liebe Angehörige,
sehr geehrtes Ehepaar Behlke,
verehrtes Ehepaar Schmidt,
Soldatinnen und Soldaten des Fallschirmjägerbataillons 263,
sehr verehrte Trauergäste,

wir sind heute hier, um Abschied zu nehmen von zweien unserer Kameraden. Stabsunteroffizier Patrick Behlke und Stabsgefreiter Roman Schmidt.
Stabsunteroffizier Patrick Behlke und Stabsgefreiter Roman Schmidt sind in Wahrnehmung ihres Auftrages im Einsatz für den Frieden in Afghanistan gefallen.
Wir sind fassungslos. Ihr Tod hat uns alle mit tiefer Betroffenheit erfüllt. Ich persönlich möchte Ihnen, den Angehörigen, Freunden, Kameraden, meine Anteilnahme und mein Mitgefühl aussprechen. Dies tue ich gleichzeitig im Namen der Bundesregierung, an der Spitze unsere Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel.


Patrick Behlke wurde 25 Jahre alt. Er gehörte der 2. Kompanie Fallschirmjägerbataillon 263 an. Er trat der Bundeswehr am 1. Januar 2004 bei, nachdem er seine Ausbildung abgeschlossen hatte.
Er war ein lebensfroher Mensch und geschätzter Kamerad, der Pläne für eine Zukunft in der Bundeswehr hatte. Dieser Einsatz in Afghanistan war sein zweiter Auslandseinsatz nach der EUFOR-Mission in der Demokratischen Republik Kongo.


Roman Schmidt starb im Alter von 22 Jahren. Auch er war Angehöriger der 2. Kompanie des Fallschirmjägerbataillons 263. Er trat in die Bundeswehr am 1. Januar 2005 ein. Stabsgefreiter Schmidt war bekannt als leidenschaftlicher Soldat, der seinen Weg zielstrebig gegangen ist. Er war geprägt von Wissenshunger und dem Antrieb seinen Dienst in der Bundeswehr zu verlängern. Auch Stabsgefreiter Schmidt verfügte bereits über Einsatzerfahrung im Kongo und in Afghanistan.


Der Tod von Patrick Behlke und Roman Schmidt reißt eine Lücke in unser Leben – eine Lücke, die niemand schließen kann. Besonders schmerzhaft ist es, dass zwei so junge Menschen gewaltsam aus dem Leben gerissen worden sind.
Niemand empfindet diesen Verlust mehr als die engsten Angehörigen, die Eltern.
An dieser Stelle müssen wir aber auch die Frage beantworten: Warum schicken wir unsere Soldaten in diesen schwierigen Einsatz nach Afghanistan? Warum setzen wir sie diesen Gefahren aus?
Sie, die Angehörigen, die Kameraden, aber auch die Bürger unseres Landes haben ein Recht auf eine Antwort.

II.

Unser Einsatz in Afghanistan ist notwendig im Interesse der Sicherheit unseres Landes, er ist verbunden mit Risiko für Leib und Leben.
Die überwältigende Mehrheit unserer Abgeordneten des Deutschen Bundestages, 78 %, haben erst vier Tage vor dem grausamen Attentat entschieden, das Deutschland auch weiterhin seinen Beitrag zum Aufbau eines stabilen Afghanistan leistet.
Der Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan ist geprägt von unserer Strategie der vernetzten Sicherheit. Er steht in besonderer Weise in Einklang mit dem Geist unseres Grundgesetzes.
Diesen Geist beschreibt die Präambel unseres Grundgesetzes als, ich zitiere: „Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen, von dem Willen beseelt, als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen“.


Mit dem Einsatz für den Frieden in der Welt engagieren wir uns gleichzeitig für elementare deutsche Interessen und unseren eigenen Schutz.
Die furchtbaren Terroranschläge vom 11. September 2001 in New York und Washington gingen von Afghanistan aus. Ihre zerstörerischen Absichten können auch unsere Bürger und Bürgerinnen erreichen. Risiken und Bedrohungen kennen heute weder Entfernungen noch Grenzen.
Ein friedliches und stabiles Afghanistan verhindert, dass von dort wieder Terror in die Welt getragen wird. Deshalb bekämpfen wir die Gefahren für unser Land, dort wo sie entstehen. Entweder bekämpfen wir den Terrorismus in Afghanistan oder der Terrorismus kommt zu uns.


Der Einsatz von Stabsunteroffizier Patrick Behlke und Stabsgefreiter Roman Schmidt in Afghanistan hatte einen direkten Bezug zu ihrem Eid, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen, das Recht und die Freiheit des Deutschen Volkes tapfer zu verteidigen. Weder die außenpolitische Verantwortung der Bundesrepublik, noch das Recht und die Freiheit des Deutschen Volkes existieren nur in der Theorie.
Es braucht Männer und Frauen, die sich mit ihrer ganzen Kraft für die Würde des Menschen, für Frieden, für Freiheit und Recht einsetzen, dafür auch Risiken für sich selbst in Kauf nehmen. Diesen Auftrag erfüllen unsere Soldaten in hervorragender Art und Weise.
Wir wissen, was wir ihnen verdanken und was wir ihnen schuldig sind: Achtung und Respekt für ihren Dienst, den sie zu unserem Schutz auf sich genommen haben. Und ich denke, es gibt auch eine breite Unterstützung unserer Bürgerinnen und Bürger für diesen schweren Auftrag.

III.
Wir haben in den vergangenen Jahren große Anstrengungen unternommen, damit Afghanistan und seine Menschen eine Zukunft haben. Unsere Bundeswehr leistet in Afghanistan einen herausragenden Beitrag zur Stabilisierung des Landes. Sie schafft die Voraussetzungen für den Aufbau, um den es eben auch geht. Wir müssen das Vertrauen der Menschen in Afghanistan gewinnen.


Stabsunteroffizier Patrick Behlke und Stabsgefreiter Roman Schmidt waren von der Richtigkeit unseres Einsatzes überzeugt. Sie gehörten zu jenen Soldaten, die der Bundeswehr in Afghanistan ein Gesicht geben, die das Ansehen der Bundesrepublik Deutschland mehren, aber die zugleich auch einen gefährlichen Auftrag erfüllen.
Sie haben sich aktiv für eine friedliche Entwicklung in Afghanistans eingesetzt. Und sie haben bei ihrem letzten Einsatz ganz konkret einen Beitrag zum Schutz ihrer Kameraden geleistet, indem sie beteiligt waren, ein Munitionslager der Widersacher einer friedlichen Zukunft Afghanistans auszuheben. Ein Munitionslager, das auch Raketen enthielt, mit denen unser Lager in Kundus hätte beschossen werden können.
Nach wie vor gibt es die Verblendeten, die Unbelehrbaren, die ewig Gestrigen, die zum Teil aus religiösem Fundamentalismus, Gewalt in zutiefst barbarischer Form einsetzen.
Die Ziele der radikalen Taliban sind verachtenswert, ihre Zukunftsperspektiven sind trostlos und ihre Verleugnung der Menschenrechte ist offenkundig.
Sie schrecken nicht davor zurück, auf perfideste Art und Weise Soldaten zu ermorden, die gekommen sind, um zu helfen.


Sie machen dabei auch vor Kindern - den Schutzlosesten in unserer Gesellschaft - nicht Halt. Die Bundeswehr versucht alles, um die Gefährdung unserer Soldaten im Einsatz so gering wir möglich zu halten. Dazu gehört eine gute Ausbildung, eine gute Ausrüstung und ein umfassender Schutz. Aber auch bei fester Vorsorge sind absolute Sicherheit, absoluter Schutz nicht möglich.

IV.
Der hinterhältige Anschlag in Kunduz, bei dem Stabsunteroffizier Patrick Behlke und Stabsgefreiter Roman Schmidt gefallen sind, erfüllt uns mit großer Trauer.
Unsere Gedanken gelten auch dem bei diesem Anschlag verletzten Soldaten. Wir wünschen ihnen eine schnelle und vollständige Genesung.


Auch gelten unsere Gedanken den Angehörigen der fünf afghanischen Kinder, die der skrupellose Selbstmordattentäter mit in den Tod gerissen hat.
Wir wollen in dieser schweren Stunde aber auch an die Kameraden aus Zweibrücken erinnern, die ihr Leben vor kurzem im Einsatz verloren haben: Hauptfeldwebel Mischa Meier sowie Oberleutnant Tim Heinen und Oberfeldwebel Zoran Krakic. Ich wünsche den Einheiten in der Niederauerbach-Kaserne, dass sie das starke Band der Kameradschaft mit diesen tragischen Verlusten fertig werden lässt.

V.
Wer von einem Schicksalsschlag, wie dem plötzlichen und gewaltsamen Tod eines Angehörigen, guten Kameraden oder nahen Freundes getroffen wurde, der findet nur schwer Trost. Kein Wort des Zuspruchs kann wirklich helfen.
Ich wünsche ganz besonders Familie Behlke und Familie Schmidt in dieser schweren Zeit Menschen in ihrer Nähe, die bei ihnen stehen und auf die sie sich stützen können. Ich wünsche Ihnen innere Kraft und Zuversicht.
Ich verneige mich in Dankbarkeit und Anerkennung vor den Toten, die für unser Land im Einsatz für den Frieden gefallen sind. Mögen Patrick Behlke und Roman Schmidt in Frieden ruhen.

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Stand vom: 30.10.2008

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