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Rede des Ministers zur Trauerfeier (Text für Gehörlose)

Sehr geehrte Familie Motz,
Sehr geehrte Frau Becker,
Sehr geehrte Mitglieder des Deutschen Bundestages,
Herr Innenminister des Landes Baden- Würtenberg,
Herr Generalinspekteur,
Herr Wehrbeauftragte,
Soldatinnen und Soldaten des Jägerbataillons 292,
Verehrte Trauergemeinde,

wir sind heute hier, um Abschied zu nehmen. Abschied vom Sohn, vom Bruder, vom Lebensgefährten, Abschied vom Freund und von einem guten Kameraden. Hauptgefreiter Sergej Motz ist am 29. April 2009 in Afghanistan im Einsatz für den Frieden gefallen. Sein Tod erfüllt uns mit tiefer Betroffenheit. Ich spreche Ihnen meine aufrichtige Anteilnahme, mein tief empfundenes Mitleid aus. Ich tue dies ausdrücklich auch namens der Bundesregierung und unserer Bundeskanzlerin.

Der 29. April war ein schwarzer Tag für das deutsche Einsatzkontingent ISAF in Afghanistan und für uns, die gesamte Bundeswehr. Der Selbstmordanschlag und die Hinterhalte in der Umgebung von Kunduz, bei dem der Hauptgefreite Sergej Motz gefallen ist und weitere zehn deutsche Soldaten verwundet wurden, hat uns mit brutaler Klarheit deutlich gemacht, den hohen Preis, den hier unsere Soldaten bezahlen, für den Schutz unserer Bürgerinnen und Bürger und für die Situation, dass wir in Frieden und Freiheit leben können. Unsere Gedanken sind in dieser Stunde auch bei den verwundeten Soldaten. Wir wünschen ihnen eine alsbaldige und vollständige Genesung.

Hauptgefreiter Sergej Motz wurde nur 21 Jahre alt. Er trat am 1. Januar 2007 beim Panzergrenadierbataillon 294 in Stetten am kalten Markt in die Bundeswehr ein und diente seit Oktober des Jahres 2007 bei der 2. Kompanie des Jägerbataillons 292 in Donaueschingen. Er hatte sich bis zum Ende des Jahres 2010 als Soldat auf Zeit für vier Jahre verpflichtet. Er war ein lebensfroher Mensch, ein tapferer, ein beliebter Kamerad. Hauptgefreiter Motz war am 29. April nordwestlich von Kunduz mit einer Patrouille unterwegs.

Auf dem Rückweg von ihrem Erkundungsauftrag ist diese Patrouille zweimal innerhalb von nur etwa drei Kilometern in einen Hinterhalt geraten und wurde mit Panzerfäusten und Handfeuerwaffen beschossen. Bei dem zweiten Hinterhalt wurde das geschützte Fahrzeug, in dem sich Hauptgefreiter Motz befand, von einer Panzerfaust getroffen. Er wurde hierbei sehr schwer verwundet und ist kurze Zeit danach seinen schweren Verwundungen erlegen. Vorausgegangen war eines der schwersten Feuergefechte, das die Bundeswehr in Afghanistan zu bestehen hatte.

Sergej Motz wurde mitten aus dem Leben gerissen: hinterhältig und verbrecherisch. Niemand empfindet in dieser Stunde seinen Verlust mehr als die Familie, die engsten Angehörigen. Aber auch die Kameraden und die Bundeswehr fühlen sich in diesem Schmerz mit Ihnen verbunden. Der Tod von Sergej Motz wirft Fragen auf; Fragen, denen wir uns als Mitglieder der Bundesregierung, als Abgeordnete des Deutschen Bundestages, die diesem Einsatz in Afghanistan mit großer Mehrheit zugestimmt haben, stellen müssen: Fragen nach dem Sinn und Zweck unseres Engagements in Afghanistan.

Die Antwort auf diese Fragen ist, denke ich, eindeutig: Der Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan dient in erster Linie auch und gerade der Sicherheit unserer Bürgerinnen und Bürger in Deutschland. Denn auch in diesen Stunden der Trauer und Betroffenheit dürfen wir nicht vergessen, dass die Anschläge von New York und Washington von Afghanistan ausgegangen sind und, dass Afghanistan das Ausbildungscamp für den Terrorismus und auch ein Domizil für den internationalen Terrorismus war. Und wir dürfen die Augen nicht davor verschließen, dass auch wir im Visier dieser Terroristen stehen und deshalb aufgefordert sind, die Gefahr an der Quelle zu beseitigen im Interesse der Sicherheit unserer Bürgerinnen und Bürger. Die internationale Gemeinschaft hat Afghanistan von dem verbrecherischen Regime der Taliban befreit.

Heute helfen wir in Afghanistan, Stabilität zu erreichen, Sicherheit wiederherzustellen und die Voraussetzungen zu schaffen, dass Afghanistan selbst in der Lage ist, für seine Sicherheit zu sorgen. Die Taliban versuchen durch ihren feigen und hinterhältigen Terrorismus Tod, Angst und Schrecken zu verbreiten. Sie nehmen bewusst auch Opfer der Zivilbevölkerung in Kauf und sie versuchen auch, die öffentliche Meinung in Deutschland zu beeinflussen.

Diejenigen, die jetzt den Rückzug fordern, würden Afghanistan wieder in die Hände der Taliban geben, aber genau das ist es, was die Taliban erreichen wollen. Und genau das dürfen wir im Interesse der Sicherheit unserer Bürgerinnen und Bürger nicht zulassen. Wir werden daher in unserem Engagement nicht nachlassen und uns weiterhin Hand in Hand mit der internationalen Gemeinschaft mit der afghanischen Armee, der afghanischen Polizei, den Handlangern des Terrorismus entschieden in den Weg stellen. Das sind wir auch und gerade Sergej Motz schuldig!

Die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr tragen aus der tiefen Überzeugung, dass ihr Engagement dem Schutz und der Sicherheit der Menschen in Deutschland dient, ein hohes Risiko. Auch Hauptgefreiter Sergej Motz hat sich mit seinem Einsatz in Afghanistan für die Würde des Menschen, für Frieden, für Freiheit und Recht eingesetzt und ist mit seinem Leben für diese Werte und Normen eingetreten. Er verdient deshalb Achtung, Respekt und Dankbarkeit - Achtung vor seinem Mut, sich dem gefährlichen Einsatz zu stellen. Und Respekt und Dankbarkeit für seinen Dienst, den er zu unserem Schutz auf sich genommen hat.

Wer von einem Schicksalsschlag, wie dem plötzlichen und gewaltsamen Tod eines nahen Angehörigen, eines guten Kameraden oder eines engen Freundes getroffen wird, der findet nur schwer Trost. Wir sind hier zusammengekommen, um in Ihrem Schmerz an Ihrer Seite zu stehen.

Ich wünsche ganz besonders Ihnen, Familie Motz, aber auch Ihnen, Frau Becker, dass Sie in dieser schweren Zeit Menschen in Ihrer Nähe haben, die bei Ihnen stehen und auf die Sie sich stützen, auf die Sie vertrauen können. Ich wünsche Ihnen innere Kraft und Zuversicht. Ich verneige mich in Dankbarkeit und Anerkennung vor Sergej Motz. Wir werden ihm ein ehrendes und würdiges Andenken bewahren. Sergej Motz – Ruhe in Frieden.

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Stand vom: 08.05.2009

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