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Rede des Bundesministers der Verteidigung, Dr. Franz Josef Jung, anlässlich der Trauerfeier in Fulda

Fulda, 12.10.2009.
Rede des Bundesministers der Verteidigung, Dr. Franz Josef Jung, anlässlich der Trauerfeier für den Stabsgefreiten Patric Sauer am 12. Oktober 2009 in der Christkönig Kirche Fulda.

Es gilt das gesprochene Wort!

I.

Wir sind heute hier, um Abschied zu nehmen von Patric Sauer. Von einem geliebten Sohn und Bruder, vom guten Freund und von einem geschätzten Kameraden. Stabsgefreiter Patric Sauer starb am 4. Oktober mit 24 Jahren an den Folgen seiner schweren Verwundungen, die er am 6. August des vergangenen Jahres bei einem hinterhältigen Selbstmordanschlag in der Nähe von Kunduz erlitten hatte.

Er ist im Einsatz für den Frieden, Freiheit und Recht gefallen. Sein Tod führt uns vor Augen, wie gefährlich der Einsatz der Bundeswehr zum Schutze Deutschlands und für die Zukunft Afghanistans ist. Wir trauern um einen jungen Soldaten, der sein Leben für diese wichtige Aufgabe ließ.

Ich möchte Ihnen, der Familie, den Freunden und Kameraden, persönlich und im Namen der Bundesregierung meine Anteilnahme und mein Mitgefühl aussprechen.

II.

Patric Sauer trat am 1. Oktober 2005 in die Bundeswehr ein. Schnell fand er seine soldatische Heimat in der 4. Kompanie des Fallschirmjägerbataillons 263 in Zweibrücken. Aus dem gelernten Beton- und Stahlbetonbauer wurde ein „Fallschirmjäger aus Leidenschaft“, wie seine Kameraden berichten.

Seine Vorgesetzten und Kameraden schätzten ihn sehr. Der Sportbegeisterte war immer voller Elan und Energie und engagierte sich vorbildlich im Dienst. Patric Sauer identifizierte sich leidenschaftlich mit seinem Beruf, der Bundeswehr und „seiner Einheit“, der 4. Kompanie. Und mit großem persönlichem Engagement ging er im Juni 2008 mit der „Vierten“ im Rahmen des 17. Einsatzkontingents ISAF nach Afghanistan.

III.

In Afghanistan war Stabsgefreiter Sauer im deutschen Verantwortungsbereich im Norden des Landes, in Kunduz stationiert. Am 6. August 2008 war er als Teil eines Bergetrupps auf der Straße südlich von Kunduz unterwegs, um deutsche Kameraden, die mit Fahrzeugschaden liegengeblieben war, zu unterstützen.

Auf der Fahrt dorthin legte der Bergetrupp einen technischen Halt ein. Während dieses Halts sicherten einige Soldaten, darunter Patric Sauer, ihre Kameraden. Ein Motorradfahrer näherte sich der deutschen Kolonne und sprengte sich in die Luft – ein verbrecherischer und hinterhältiger Anschlag. Patric Sauer und ein Kamerad wurden von der Detonation voll erfasst und erlitten schwere Verwundungen. Ein weiterer Soldat wurde leicht verletzt.

Den Anschlag hatten Patric Sauer und sein ebenfalls schwer verwundeter Kamerad überlebt, doch für beide begann nun der langwierige Kampf um ihre Gesundheit. Das bedeutete für sie lange Krankenhausaufenthalte, viele Operationen, Schmerzen, Aufbrüche aber auch immer wieder Rückschläge, Hoffen und Bangen.

Patric Sauer gab nie auf. Er arbeitete hart daran, wieder so zu leben, wie vor dem Anschlag. Ich selbst habe ihn und seinen Kameraden im Oktober letzten Jahres im Bundes-wehrkrankenhaus in Koblenz besucht und mit ihm gesprochen.

Er hatte Pläne und war voller Hoffnung. Er wollte sobald wie möglich zurück zu seiner Einheit, um dort wieder Dienst zu tun, soweit es ihm möglich gewesen wäre. Aus dem Krankenhaus wie von zuhause aus hielt er engen Kontakt mit seiner Kompanie. So kam es, dass ich Patric Sauer ein zweites Mal traf, als ich im Rahmen der diesjährigen Sommerreise im Juli in Zweibrücken war.

Noch in der Woche vor seinem Tod besprach er mit dem Spieß seiner Kompanie seine Zukunftspläne bei der Bundeswehr. Der Tod trat dann dazwischen und hat ihn jäh aus dem Leben gerissen.

IV.

Patric Sauer ließ sein Leben im Einsatz für den Schutz Deutschlands und seiner Bürgerinnen und Bürger. Afghanistan war der Rückzugsraum und das Ausbildungscamp des internationalen Terrorismus. Hier wurden die Anschläge des 11. Septembers geplant und maßgeblich vorbereitet.

Wir haben als Teil der internationalen Staatengemeinschaft Afghanistan von dem terroristischen Regime der Taliban befreit. Wir helfen den Afghanen dabei, Stabilität und Sicherheit selbst zu garantieren, um solche Zustände in Zukunft zu verhindern.

Das Ziel unseres Einsatzes ist klar: ein stabiles und sicheres afghanisches Staatswesen. Wir sind bei unserem Bemühen in den vergangenen Jahren ein weites Stück voran gekommen. Die Menschen in Afghanistan unterstützen die ausländischen Truppen und sehen die vielen Erfolge beim Aufbau des Landes. Sie lehnen die grausamen und menschenverachtenden Terroristen und radikalen Taliban ab und erhoffen sich auch weiterhin unsere Hilfe bei ihrem Kampf für eine lebenswerte Zukunft.

Trotz der Erfolge bleibt die Lage in Teilen des deutschen Einsatzbereiches im Norden Afghanistans kritisch, vor allem im Raum Kunduz, wo auch Patric Sauer und seine Kameraden verwundet wurden. Die Zahl der Anschläge und Hinterhalte hat zugenommen. Unsere Soldatinnen und Soldaten stehen immer wieder im Kampf.

Sie leisten dabei Hervorragendes. Unsere Gegner zielen darauf, die öffentliche Meinung in Deutschland zu beeinflussen. Sie wollen, dass wir uns zurückziehen und ihnen Afghanistan für ihre Terrorherrschaft überlassen. Das wird ihnen nicht gelingen!

Wir werden in unserem Engagement nicht nachlassen. Wir werden uns weiterhin Hand in Hand mit der internationalen Gemeinschaft, der afghanischen Armee und der afghanischen Polizei den Handlangern des Terrorismus entschieden in den Weg stellen.

V.

Patric Sauer war von dem Sinn und der Notwendigkeit unseres Einsatzes in Afghanistan überzeugt. Er war sich aber auch der Gefahren bewusst. Auch nach seiner schweren Verwundung und trotz der Leiden unterstützte er das deutsche Engagement und stand hinter dem Einsatz.

Unsere Soldatinnen und Soldaten erfüllen ihren gefährlichen Auftrag in der Gewissheit, dem Schutz und der Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger unseres Landes zu dienen. Sie tun dies mit einem vorbildlichem Engagement und großer Ernsthaftigkeit im Wissen um die Bedeutung und die Gefahren ihres Auftrages.

VI.

Wir sind heute hier zusammengekommen, um Ihnen, Familie Sauer, zu zeigen: Sie stehen in Ihrem Schmerz um den Tod von Patric Sauer nicht allein. Doch mir ist bewusst, dass in diesem Moment der Trauer kein Wort des Zuspruchs Sie zu trösten vermag. Der Verlust ist unersetzlich.

Patric Sauer wird seiner Familie, seinen Freunden in Fulda und Zweibrücken, seinen Kameradinnen und Kameraden – er wird uns allen fehlen.

Ich wünsche Ihnen, sehr verehrte Angehörige und Nahestehende, dass Sie in dieser schweren Zeit Menschen in ihrer Nähe finden, die Ihnen Kraft und Halt geben.

Ich verneige mich in Dankbarkeit und Anerkennung vor Patric Sauer. Möge er in Frieden ruhen.

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Stand vom: 12.10.2009

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