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Generalleutnant Günter Weiler: Reserve hat Zukunft

Berlin, 19.09.2011.
Im Rahmen der Neuausrichtung der Bundeswehr wird auch eine neue Konzeption für die Reserve der Bundeswehr erarbeitet. Im Interview spricht der Projektleiter, Generalleutnant Günter Weiler über die Ziele und Herausforderungen für eine zukünftige Reserve der Bundeswehr und über die Möglichkeiten von Reservisten und Reservistinnen sich auch unter den neuen Rahmenbedingungen in die Bundeswehr einzubringen.

Porträt von Weiler

Günter Friedrich Weiler (Quelle: Bundeswehr/Neuhaus-Fischer)Größere Abbildung anzeigen

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Herr General, was sind die Ziele einer neuen Konzeption der Reserve der Bundeswehr?

Am letzten Wochenende konnte ich mich wieder einmal von der Motivation, dem Engagement und dem hohen Leistungsvermögen von Reservisten bei den Wettkämpfen zur Deutschen Reservistenmeisterschaft 2011 auf dem Truppenübungsplatz Daaden überzeugen. Hierbei wurde deutlich, dass wir an das bisher Bewährte und Erfolgreiche in der Reservistenarbeit anknüpfen können und sollten.

Die neue Konzeption wird darüber hinaus verdeutlichen, dass die Reserve vor dem Hintergrund einer verkleinerten, auf den Einsatz hin ausgerichteten Bundeswehr und der Aussetzung der Wehrpflicht künftig eine noch wichtigere Rolle für die Streitkräfte spielen wird. Die Streitkräfte werden mehr denn je auf motivierte, einsatzwillige und einsatzfähige Reservisten angewiesen sein, die uns durch ihre berufliche Qualifikation unterstützen und sich als Bindeglied zwischen Bundeswehr und Gesellschaft sowie bei der Nachwuchsgewinnung für den Arbeitgeber Bundeswehr engagieren. Dadurch leisten die Reservisten einen elementaren Beitrag zur Sicherheitsvorsorge.

Mit der neuen Konzeption für die Reserve werden Wege aufgezeigt, wie wir es Reservisten zukünftig einfacher machen können, sich einzubringen und ihre Aufgaben in der Bundeswehr zu finden.

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Können Sie uns einige Beispiele für Veränderungen geben?

Es werden neue Möglichkeiten für den Dienst als Reservist geschaffen. Die Einführung von Regionalen Sicherungs- und Unterstützungskräften soll es regional gebundenen Reservisten erleichtern, sich beordern zu lassen. Damit wird den einsatzwilligen, körperlich leistungsfähigen und motivierten Reservisten und damit der Reserve der Bundeswehr ein wichtiger Aufgabenbereich zum Schutz unseres Heimatlandes übertragen. Dadurch wird auch der Stellenwert der Reserve in der öffentlichen Wahrnehmung deutlich erhöht.
Absicht ist es weiterhin, leichter auf die umfassenden zivilberuflichen Qualifikationen der Reservisten zurückzugreifen. Dieses Potential an Fähigkeiten und Wissen müssen wir für die Streitkräfte aktivieren. Dazu werden vereinfachte Möglichkeiten des Seiteneinstieges von Ungedienten und Reservisten mit angepassten Ausbildungsformen und Ausbildungsgängen geprüft. In diesem Zusammenhang muss auch an einer Vereinfachung der administrativen Regeln gearbeitet und über verbesserte finanzielle Anreize für Reservisten entschieden werden.
Diese Überlegungen werden auch berücksichtigen, wie es uns gelingen kann, bei Arbeitgebern eine erhöhte Bereitschaft zur Freistellung für Reservedienstleistungen zu erreichen. Dabei gilt es, den Sinn und die Notwendigkeit für eine Reserve der Bundeswehr in die Gesellschaft hinein zu transportieren.

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Wann werden wir Einzelheiten zu den Inhalten der Konzeption der Reserve erfahren?

Derzeit wird im Ministerium an der neuen Konzeption gearbeitet. Der erste Mitzeichnungsgang ist fast abgeschlossen. Wir werden die Kommentare und Hinweise sorgfältig prüfen und berücksichtigen.
Aktuelle Planung ist es, dem Bundesminister der Verteidigung die fertige Konzeption Ende November 2011 zur Billigung vorzulegen.

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Wie haben Sie die Belange und Interessen der Reservisten mit eingebracht?

An der Erarbeitung waren und sind Reservisten aktiv beteiligt. Bei der Erstellung der Konzeption haben unter anderem Reservisten an führender Stelle in meinem Bereich, beim fachlich zuständigen Referat Fü S I 2 sowie beim Reservistendezernat im Streitkräfteamt mitgearbeitet. Der Verband der Reservisten der Bundeswehr, der Beirat freiwillige Reservistenarbeit und der Deutsche Bundeswehrverband wurden im Rahmen der Bearbeitung eingebunden und haben ihre Beiträge eingebracht.
Durch diese gemeinsame Aufgabenbearbeitung wird sowohl den Interessen der Reservisten als auch der Interessenlage der Organisationsbereiche der Streitkräfte Rechnung getragen.

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Herr General, welche Aufgaben bleiben für die Arbeit der unbeorderten Reservisten?

Danke, dass Sie es ansprechen. Die Rolle als Mittler, sozusagen als Bindeglied zwischen Bundeswehr und Gesellschaft ist und bleibt auch zukünftig ein wesentliches Aufgabenfeld der Arbeit für und mit Reservisten. Hier wird auch zukünftig der Schwerpunkt aller Anstrengungen im Rahmen der Reservistenarbeit außerhalb eines Beorderungsverhältnisses liegen.

Wir brauchen alle Reservisten – nicht nur die Beorderten. Die Vermittlung von sicherheitspolitischen Zusammenhängen, das Wecken von Interesse für die Sicherheitspolitik und das Werben für die Streitkräfte, auch als möglicher Arbeitgeber sind wichtige, unverzichtbare Aufgaben. Diese Aufgaben sind im Übrigen altersunabhängig! Überzeugung und Motivation hört nicht mit dem sechzigsten oder fünfundsechzigsten Lebensjahr auf. In welcher Form und Intensität im Bereich der Reservistenarbeit außerhalb eines Beorderungsverhältnisses militärische Ausbildung zukünftig sinnvoll betrieben werden kann, wird noch weiter zu betrachten sein.

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Welchen „Herzenswunsch“ verbinden Sie mit der neuen Konzeption der Reserve?

Es kommt darauf an, den Veränderungsprozess durch begleitende Informationen transparent und nachvollziehbar zu gestalten. Es muss uns gemeinsam gelingen, mit motivierten und einsatzbereiten Reservistinnen und Reservisten eine starke Reserve der Bundeswehr aufzubauen und in der Gesellschaft zu verankern. Hierzu können alle Reservisten, egal ob jung oder alt, beordert oder unbeordert beitragen. Auf diesem Weg wollen wir alle geeigneten Reservisten mitnehmen.

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Herr General, ich danke Ihnen für dieses Gespräch.

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Stand vom: 03.12.13 | Autor: Josef Verschüer


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