70 Jahre Verteidigungsministerium und Bundeswehr, 70 Jahre deutsche NATONorth Atlantic Treaty Organization-Mitgliedschaft, 80 Jahre Vereinte Nationen. Doch das Jahr 2025 brachte nicht nur Anlässe zum Feiern – der andauernde russische Angriffskrieg in der Ukraine sowie die Eskalation im Nahen Osten brachten auch neue sicherheitspolitische Herausforderungen, die es zu bewältigen galt.
Deutschland hat angesichts dieser veränderten Bedrohungslage Verantwortung übernommen und ist zu einer Führungsnation in Europa geworden. Das Verteidigungsministerium hatte daran wesentlichen Anteil: Es hat die Beschaffungsprozesse der Bundeswehr beschleunigt, ein neues Wehrdienstmodell auf den Weg gebracht und die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass Deutschland neue Aufgaben in NATONorth Atlantic Treaty Organization und EUEuropäische Union übernehmen konnte. Das Wichtigste im Überblick:
Auf ihrem Gipfel in Den Haag 2025 hat die NATONorth Atlantic Treaty Organization neue Fähigkeitsziele festgelegt und eine historische Erhöhung der Verteidigungsausgaben auf mindestens 3,5 Prozent des Bruttoinlandproduktes (BIPBruttoinlandsprodukt) sowie weitere 1,5 Prozent für verteidigungs- und sicherheitsrelevante Ausgaben beschlossen. Deutschland übernimmt dabei die zweitgrößte Verantwortung für militärische Fähigkeiten innerhalb des Bündnisses und geht auch in anderen Bereichen voran. In seiner Regierungserklärung hatte Bundeskanzler Friedrich Merz im Mai 2025 angekündigt, die Bundeswehr zur „konventionell stärksten Armee Europas“ ausbauen zu wollen. Und so sieht es zum Ende des Jahres aus:
Nicht nur bei der Beschaffung macht Verteidigungsminister Boris Pistorius Tempo, auch beim Personal soll es schnell vorangehen. Die Bundeswehr hat 2025 über 25.000 neue Soldaten und Soldatinnen gewonnen – ein Einstellungszuwachs von rund 4.800 im Vergleich zum Vorjahr. Damit wurde die Trendwende im Personalbestand vollzogen. Angesichts der Bedrohungslage muss das Tempo auch hier weiter erhöht werden. Bis 2035 soll die Bundeswehr auf bis zu 460.000 Soldatinnen und Soldaten aufwachsen – davon 260.000 in der aktiven Truppe sowie 200.000 in der Reserve.
Einen Baustein bildet dabei der Neue Wehrdienst, dessen Einführung der Bundestag Anfang Dezember 2025 beschlossen hat. Das Modell orientiert sich an einigen skandinavischen Ländern und beruht zunächst auf Freiwilligkeit und einer deutlichen Attraktivitätssteigerung des Dienstes in der Bundeswehr. Bereits 2026 werden die ersten Fragebögen an alle 18-Jährigen eines Jahrgangs verschickt. Darin geben die jungen Männer und Frauen unter anderem an, ob sie prinzipiell Interesse an einem Dienst in den Streitkräften haben. Männer müssen den Fragebogen ausfüllen, Frauen können dies freiwillig tun. Sollte der Personalbedarf langfristig nicht allein über Freiwilligkeit gedeckt werden können, kann es auch zu verpflichtenden Einberufungen kommen. Das Stichwort lautet hier Bedarfswehrpflicht.
Drohnen über Flughäfen, beschädigte Unterseekabel, gestörte Satelliten – Angriffe auf kritische westliche Infrastruktur sind längst keine Einzelfälle mehr. Ob im Weltraum, unter Wasser oder an Land – Europa muss sich verteidigen können. Die US-Außenpolitik der vergangenen Jahre hat gezeigt: Dabei müssen sich die Europäerinnen und Europäer vor allem auf sich selbst verlassen können. Auch hier geht Deutschland voran.
Nach dem Rückzug der USA aus der Ukraine-Kontaktgruppe UDCGUkraine Defence Contact Group hat Deutschland gemeinsam mit Großbritannien die Führung des Formats zur Koordinierung der Ukraine-Unterstützung übernommen. Darüber hinaus hat Deutschland 2025 militärische Unterstützungsleistungen für die Ukraine im Wert von neun Milliarden Euro zur Verfügung gestellt – und ist damit führender europäischer Partner des angegriffenen Landes.
Auch das von Deutschland und Frankreich ins Leben gerufene Format der Group of Five hat sich bewährt. Ein Jahr nachdem Verteidigungsminister Boris Pistorius und dessen ehemaliger französischer Amtskollege Sebastien Lecornu es aus der Taufe hoben, konnten die fünf Nationen (Großbritannien, Italien, Polen, Frankreich und Deutschland) einiges erreichen. Besonders hervorzuheben sind hier die Vereinfachung und Beschleunigung von Verfahren und Regeln für die Rüstungsindustrie bei Beschaffungen. Indem sie Rüstungsindustriekooperationen mit der Ukraine beförderten, haben die fünf Nationen auch bei ihrem Schwerpunktthema, der Ukraine-Unterstützung, neue Wege eingeschlagen. Die Finanzierung der Produktion von weitreichenden Drohnen ist ein Erfolgsprojekt der Group of Five.
Als Nation im Herzen Europas übernimmt Deutschland besondere Verantwortung an der Ostflanke der NATONorth Atlantic Treaty Organization: Die Brigade Litauen der Bundeswehr mit der Panzerbrigade 45 als Kern wurde am 22. Mai 2025, weniger als zwei Jahre nach der Entscheidung zur Stationierung der Brigade, offiziell in Dienst gestellt. Der Brigadestab ist bereits vollständig aufgestellt – die Hauptkräfte sollen im zweiten Halbjahr 2027 nach Litauen verlegen. Das Panzerbataillon 203 und das Panzergrenadierbataillon 122 sowie die Multinationale Battlegroup werden der Panzerbrigade 45 bereits im Februar 2026 unterstellt.
Parallel wird die benötigte Infrastruktur in Litauen geschaffen und Material geliefert. Ende September wurde beispielsweise die Deutsche Schule in Vilnius feierlich eröffnet. Alle Angehörigen der Brigade Litauen sollen die bestmöglichen Rahmenbedingungen vorfinden. Dazu zählt auch das auf Initiative des Verteidigungsministers eingebrachte und Anfang 2025 durch den Bundestag verabschiedete Artikelgesetz Zeitenwende, das den Einsatz im Ausland deutlich attraktiver macht. Das Gesetz verbessert die Einsatzbereitschaft der deutschen Streitkräfte – unter anderem durch Anpassungen bei Arbeitszeitrecht, Besoldung und Versorgung – und honoriert damit den Einsatz der Soldatinnen und Soldaten in Litauen. Die vollständige Einsatzbereitschaft mit etwa 5.000 Soldatinnen und Soldaten sowie zivilen Beschäftigten soll bis Ende 2027 hergestellt sein.
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