Zorn am Rednerpult, daneben aufgestellte Fotos verunglückter Soldaten
© Bundeswehr / Jonas Weber
KategorieFriedenssicherung

„Sie waren Soldaten mit Leib und Seele“

Der Schmerz wird wohl nie ganz gehen. Fast 14 Monate nach dem Unglück stehen die Angehörigen von Major Jan Färber und Stabshauptmann Thomas Müller im Scharnhorstsaal des Bendlerblocks. Die Frau des Stabshauptmanns ist mit dem erwachsenen Sohn nach Berlin gekommen, die Eltern und die Schwester des Majors sind ebenfalls angereist.  Die Familien der beiden Toten erhalten heute eine postume Anerkennung der Vereinten Nationen. Aus den Händen von Generalinspekteur Eberhard Zorn nehmen sie die Dag-Hammarskjöld-Medaille entgegen.

Für Peacekeeper

Die Medaille – sie ist nach dem zweiten Generalsekretär der Vereinten Nationen benannt – wird seit dem Jahr 2000 verliehen. Sie geht an alle Peacekeeper, die im vergangenen Jahr auf Blauhelmmissionen ums Leben gekommen sind. Die Vereinten Nationen hatten darum gebeten, die Medaillen an die Familien der Soldaten auszuhändigen.


Zorn im Gespräch mit Angehörigen

Der Generalinspekteur im Gespräch mit den Hinterbliebenen.

© Bundeswehr / Jonas Weber

Generalinspekteur: Wir stehen an ihrer Seite

Generalinspekteur Zorn würdigt die Verstorbenen als „Soldaten mit Leib und Seele“, als ausgezeichnete Piloten mit vorbildlicher Einstellung. „Major Färber und Stabshauptmann Müller haben dem deutschen Volk treu gedient. Sie haben sich für den Frieden in Mali eingesetzt“, sagt Zorn. Es sei ihm eine Ehre, die Medaillen zu überreichen. „Sie stehen für unsere tiefe Anteilnahme, unseren Respekt und unsere Dankbarkeit.“ Die Verstorbenen seien für immer Teil der großen Bundeswehrfamilie, gleiches gelte für ihre Angehörigen. „Wir stehen an ihrer Seite und unterstützen sie, wo wir können.“

Im Gedenken

Färber und Müller waren am 26. Juli 2017 im MINUSMAMission Multidimensionnelle Intégrée des Nations Unies pour la Stabilisation au Mali-Einsatz in Mali bei einem Aufklärungsflug tödlich verunglückt. Ihr Tiger-Kampfhubschrauber war unweit des Ortes Tabarkont in der Region Gao abgestürzt. Die Soldaten des Kampfhubschrauberregiments 36 sind bis heute die einzigen deutschen Toten des Einsatzes in dem westafrikanischen Krisenstaat. Auch der Kommandeur und drei ihrer Kameraden aus Fritzlar sind heute in Berlin mit dabei. Sie hatten sich direkt nach dem Unglück um die Hinterbliebenen gekümmert – und tun es bis heute.

Fotos, Blumensträuße und Medaillen auf Tisch

Die Dag-Hammarskjöld-Medaillen für Major Jan Färber und Stabshauptmann Thomas Müller.

© Bundeswehr / Jonas Weber

„Für ihn bin ich hier“

Während der General spricht, gehen die Blicke der Angehörigen immer wieder hinüber zu den Fotos der beiden Männer. „Meinem Bruder hätte das gefallen“, sagt Ulrike Färber hinterher. Die Schwester von Major Färber lebt in Mexiko, ist nur für ein paar Wochen in Deutschland, um sich mit Verwandten, Freunden und Kameraden ihres Bruders zu treffen. Daniela Müller, die Frau des verstorbenen Stabshauptmanns, sagt: „Mein Mann war 30 Jahre Soldat, ist immer für seine Überzeugungen eingestanden.“ Es sei ihr wichtig, ihn hier und heute zu vertreten. „Für ihn bin ich hier“, sagt sie. 

Hinterbliebenenbeauftragte: Niemand wird allein gelassen

Die Beauftragte Angelegenheiten für Hinterbliebene Susanne Bruns und ihr Team sind immer in der Nähe, um den Angehörigen beizustehen. „Die Vereinten Nationen würdigen die überdurchschnittliche Leistung der Verstorbenen, die unter gefährlichen Bedingungen ihre Pflicht erfüllt haben“, sagt die Beauftragte. Die feierliche Übergabe der Medaillen sei ein besonderes Zeichen der Anerkennung und des Trostes für die Angehörigen. „Es zeigt ihnen, dass sie nicht alleine gelassen werden, dass Anteil genommen wird, dass ihr Leid und ihr Verlust gesehen werden.“ Nach der Übergabe der Medaillen wird gemeinsam die Nationalhymne gesungen.

Dag Hammarskjöld

Dag Hammarskjöld wurde am 1905 in Jonköping in Schweden geboren. Er stammte aus einer Politikerfamilie, sein Vater war von 1914 bis 1917 Premierminister. Dag Hammarskjöld diente als Staatssekretär in mehreren schwedischen Regierungen, bevor er 1951 Finanzminister wurde. 1953 wurde er zum zweiten Generalsekretär der Vereinten Nationen gewählt. Aufgrund seines Verhandlungsgeschicks wurde der „Vater der Blauhelme“ 1957 von der VNVereinte Nationen-Generalversammlung für eine zweite Amtszeit bestätigt.

Hammarskjöld kam am 18. September 1961 auf einer Vermittlungsmission in Zentralafrika ums Leben. Sein Flugzeug stürzte im Grenzgebiet zwischen Kongo und Nordrhodesien (heute Sambia) ab, mit ihm starben 15 Menschen. Die genauen Umstände des Absturzes beschäftigen Sicherheitsexperten bis heute. Als wahrscheinlichste Theorie gilt, dass das Flugzeug beim Anflug auf den Flughafen von Ndola von Rebellen abgeschossen wurde. Hammarskjöld wurde nach seinem Tod mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.


von Timo Kather

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