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Bundeswehr/Maximilian SchulzZeitenwende
Die sicherheitspolitische Lage in Europa erfordert Verteidigungsfähigkeit und wirksame Abschreckung.
Es ist eine Zäsur in der europäischen Friedensordnung und eine Zeitenwende für die deutsche Verteidigungspolitik: Seit der völkerrechtswidrigen militärischen Invasion Russlands in der Ukraine steht die Frage der Wehrhaftigkeit ganz oben auf der sicherheitspolitischen Agenda. Deutschland reagierte gemeinsam mit seinen Verbündeten und Partnerstaaten auf diese Aggression. NATONorth Atlantic Treaty Organization und EUEuropäische Union stehen zusammen.
Zeitenwende: Die Lage
Mit seinem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine hat Russland die europäische Friedensordnung erschüttert. Die Landes- und Bündnisverteidigung ist als Kernaufgabe der Streitkräfte wieder in den Fokus gerückt. Russland ist nach dem Kalten Krieg erneut zur Bedrohung geworden. Die Bundesregierung und die internationale Gemeinschaft haben den russischen Einmarsch in die Ukraine aufs Schärfste verurteilt. Deutschland weiß sich in dieser Frage auf einer Seite mit seinen Partnern in der NATONorth Atlantic Treaty Organization und der Europäischen Union.
Unser Land muss wehrhaft sein, um sich und seine Verbündeten schützen und verteidigen zu können. Unsere Gesellschaft und Volkswirtschaft müssen resilient sein, um sich entfalten und behaupten zu können: widerstandsfähig, anpassungsfähig und im Inneren gefestigt.
Sicherheitsstrategien
Im Jahr 2023 beschloss die Bundesregierung die Nationale Sicherheitsstrategie. Es ist die erste Sicherheitsstrategie überhaupt für Deutschland. „Der Kernauftrag der Bundeswehr ist die Landes- und Bündnisverteidigung, alle Aufgaben ordnen sich diesem Auftrag unter“, heißt es in dem Dokument. Doch nicht nur die Bundeswehr ist in dieser schwierigen sicherheitspolitischen Lage gefordert. Mit dem Konzept der Integrierten Sicherheit wird auf die umfassenden aktuellen Herausforderungen reagiert: Gestärkte Wehrhaftigkeit, Resilienz und Nachhaltigkeit sind die drei Dimensionen deutscher Sicherheitspolitik. Es geht um das Zusammenwirken aller relevanten Akteure, Mittel und Instrumente, denn Sicherheit und Verteidigung sind gesamtstaatliche und keine rein militärischen Aufgaben.
Mit neuen Verteidigungspolitischen Richtlinien wird die Bundeswehr auf die Anforderungen der Zeitenwende ausgerichtet. Personal und Ausstattung der Streitkräfte orientieren sich am Kernauftrag: „Die Bundeswehr ist der Garant für die Abschreckungs- und Verteidigungsfähigkeit Deutschlands.“ Das Ziel ist eine kriegstüchtige Truppe.
Verteidigungsminister: „Auf den Ernstfall vorbereiten“
Boris Pistorius skizziert auf der Bundeswehrtagung die sicherheits- und verteidigungspolitischen Herausforderungen der Zeitenwende.
Auf der Bundeswehrtagung 2023 erklärt Boris Pistorius: „Die Zeitenwende war und ist ein Wendepunkt für unsere gesamte Gesellschaft.“ Deutschland müsse in der Lage sein, sich zu verteidigen.
- Quelle
- Bundeswehr
Kriegstüchtige Bundeswehr
Eine auf die Landes- und Bündnisverteidigung fokussierte Bundeswehr braucht eine andere Ausrichtung als die zuletzt auf das internationale Krisenmanagement optimierte Organisationsstruktur. Entscheidungs- und Abstimmungsprozesse werden sich künftig an den Faktoren Schnelligkeit, Informationsüberlegenheit und Belastbarkeit orientieren. So wird zum Beispiel die operative Führung in einem Operativen Führungskommando zusammengefasst und es wird ein zentraler für die Teilstreitkräfte gesamtverfügbarer Unterstützungsbereich geschaffen. Der Bereich CIRCyber- und Informationsraum wird mit der Umstrukturierung zur eigenständigen Teilstreitkraft und übernimmt die räumliche Verantwortung im Cyber- und Informationsraum. Darüber hinaus werden die unteren taktischen Ebenen als entscheidende Träger von Wirkung gestärkt und die Truppe wird von bundeswehrgemeinsamen Aufgaben entlastet, um sich auf den Kernauftrag konzentrieren zu können.
In Anbetracht der Bedrohungslage und mit dem Ziel, die Bundeswehr im Sinn der Abschreckung und Verteidigungsfähigkeit kriegstüchtig aufzustellen, schlug Bundesminister Pistorius die Einführung eines Auswahlwehrdienstes vor.
Dieses neue Wehrdienstmodell soll die Aufwuchs- und Durchhaltefähigkeit der Bundeswehr insbesondere im Verteidigungsfall verbessern. Es beinhaltet die Wiederaufnahme der Wehrerfassung und Wehrüberwachung und setzt auf eine Auswahl nach Eignung sowie Motivation und dabei vorwiegend auf Freiwilligkeit.
Mehr Investitionen in einsatzbereite Streitkräfte
Deutschland braucht in dieser Zeitenwende eine leistungsfähige und gut ausgestattete Bundeswehr für den Schutz des Landes und seiner Verbündeten. Mit dem Sondervermögen für die Bundeswehr wurden einmalig 100 Milliarden Euro bereitgestellt, um wichtige und komplexe Ausrüstungsvorhaben der Bundeswehr in der Zeitenwende langfristig zu finanzieren, Fähigkeiten zu erhalten oder neue einzuführen. Das Sondervermögen ergänzt den Verteidigungshaushalt und ist mit der Änderung des Grundgesetzes verfassungsrechtlich abgesichert.
Über das Sondervermögen und den ansteigenden regulären Verteidigungshaushalt kann in Material und Ausstattung für einsatzbereite Streitkräfte investiert werden. So erreichte die Anzahl der sogenannten 25-Millionen-Euro-Vorlagen, die bei großen Beschaffungsprojekten dem Parlament vorgelegt werden, im Jahr 2023 einen Höchststand, der 2024 voraussichtlich noch übertroffen wird.
Zeitenwende in den Bündnissen
NATONorth Atlantic Treaty Organization und EUEuropäische Union reagierten sofort auf die russische Aggression. Die EUEuropäische Union verabschiedete mehrere Sanktionspakete gegen Russland und finanziert militärische Unterstützungsleistungen für die Ukraine über die Europäische Friedensfazilität. Darüber hinaus wurde die EUEuropäische Union-Trainingsmission EUMAMEuropean Union Military Assistance Mission für ukrainische Truppen gestartet, an der sich die Bundeswehr intensiv beteiligt und in Deutschland ein koordinierendes Kommando stellt.
Die NATONorth Atlantic Treaty Organization verstärkte ihre Abschreckungsmaßnahmen in Ost-, Zentral- und Südosteuropa weiter. Deutschland ist wesentlicher Truppensteller der Allianz und engagiert sich insbesondere an der NATONorth Atlantic Treaty Organization-Ostflanke in Litauen, wo künftig eine deutsche Kampfbrigade stationiert sein wird. Die Brigade Litauen ist ein Leuchtturmprojekt der Zeitenwende, das Deutschlands Bereitschaft unterstreicht, den Verbündeten zur Seite zu stehen. Insgesamt stellt Deutschland innerhalb der neuen Streitkräftestruktur der NATONorth Atlantic Treaty Organization – dem neuen NATONorth Atlantic Treaty Organization Force Model – mehr als 35.000 Soldatinnen und Soldaten in hoher und höchster Verfügbarkeit. Darüber hinaus übernahm Deutschland in den letzten Jahren besondere Verantwortung bei der Organisation und Leitung der größten Übungen des Bündnisses.
Nicht nur in den Bündnissen, auch bilateral unterstützt Deutschland die Ukraine umfangreich bei der Abwehr der russischen Aggression. Unter den Verbündeten ist Deutschland nach den USA zweitgrößtes Unterstützerland und liefert Munition, Waffen und Großgerät an die Ukraine – vor allem im Bereich der Luftverteidigungssysteme, damit Bevölkerung und Infrastruktur in der Ukraine besser geschützt werden können.
Zeitenwende für die Bundeswehr
Der russische Angriff auf die Ukraine rückte die Landes- und Bündnisverteidigung – und damit die Bundeswehr – wieder in den Fokus.
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Schnelle Reaktion: Deutschland entsendet zur eFPenhanced Forward Presence-Verstärkung weitere Truppen nach Litauen wegen der russischen Truppenbewegungen im Vorfeld der Invasion der Ukraine.
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Bundeswehr/Lisa Engler -
Verlässlicher Verbündeter: Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine verstärkt die NATONorth Atlantic Treaty Organization ihre Ostflanke. Die Bundeswehr beteiligt sich zum Beispiel mit Luftverteidigungs- sowie Infanteriekräften in der Slowakei.
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Bundeswehr/Marc Tessensohn -
Mehr für Verteidigung: In einer Sondersitzung des Bundestages verkündet Bundeskanzler Olaf Scholz höhere Investitionen in die Bundeswehr. Vor dem Hintergrund der Zeitenwende bekommt sie ein Sondervermögen in Höhe von 100 Milliarden Euro.
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Deutscher Bundestag/Xander Heinl/photothek -
Investition: Das Sondervermögen ebnet den Weg für wichtige Beschaffungsprojekte. Das Mehrzweckkampfflugzeug F-35 wird den Tornado als Trägerflugzeug der nuklearen Teilhabe ersetzen.
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Bundeswehr/Jane Schmidt -
Schwere Waffen: Deutschland unterstützt nach dem brutalen russischen Angriff intensiv die Ukraine in ihrem Verteidigungskampf. Geliefert werden zum Beispiel Panzerhaubitzen 2000.
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Bundeswehr/Marco Dorow -
Neue Strategien: Die EUEuropäische Union beschließt den Strategischen Kompass, um außen- und sicherheitspolitisch handlungsfähiger zu werden. In den kommenden Jahren weist er den Weg zur Weiterentwicklung der GSVPGemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik.
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Bundeswehr/Kim Couling -
Die NATONorth Atlantic Treaty Organization will noch schneller werden: Auf dem Gipfel in Madrid wird das neue Strategische Konzept beschlossen und ein neues Force Model zur Steigerung der Reaktionsfähigkeit vereinbart. Generalsekretär Jens Stoltenberg präsentiert das Dokument.
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NATONorth Atlantic Treaty Organization -
Angesichts der sicherheitspolitischen Herausforderungen startete Deutschland einen Strategieprozess, um sich erstmals eine Nationale Sicherheitsstrategie zu geben
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picture alliance/dpa/Kay Nietfeld -
Die Verteidigungspolitischen Richtlinien 2023 sind das neue Grundlagendokument für das Verteidigungsressort. Sie machen Vorgaben für Auftrag und Struktur der Bundeswehr.
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Bundeswehr/Tom Twardy -
Die Bundeswehr wird einen Kampfverband in Litauen stationieren. Die Brigade Litauen ist ein Leuchtturmprojekt der Zeitenwende.
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2021 Bundeswehr/PAO EFPEnhanced Forward Presence -
In der neuen Organisationsstruktur wird sich die Truppe noch besser auf den Kernauftrag konzentrieren können
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Bundeswehr/Benjamin Bendig -
Mit dem neuen Wehrdienstmodell wird die Aufwuchsfähigkeit und Kriegstüchtigkeit der Bundeswehr gestärkt
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Bundeswehr/Torsten Kraatz