Gruppe vom Soldaten im Schneetarnanzug steht mit Schneemobilen in einer verschneiten Landschaft.
© Bundeswehr/Jana Neumann
KategorieVerteidigung

Sicherheitskooperation im Hohen Norden

Deutschland stärkt seine Sicherheitspartnerschaften im Nordatlantik und in der Arktis durch Übungsbeteiligung, Informationsaustausch und gemeinsame Rüstungsprojekte. Insbesondere mit Norwegen, Dänemark, Kanada und Island werden wichtige Projekte zum Schutz der Nordflanke vorangetrieben.

Die Arktis und der angrenzende Nordatlantik haben sich in den vergangenen Jahren zu einem geopolitischen Brennpunkt entwickelt: Der Klimawandel macht neue Seewege und Ressourcen zugänglich, während die russische Remilitarisierung der Region und das verstärkte Engagement Chinas die strategische Lage verschärfen. Für Deutschland, das selbst kein Arktisanrainer ist, ergeben sich daraus neue Herausforderungen und Verantwortungen.

Die Bundesregierung hat auf diese Entwicklungen mit einer Neuausrichtung ihrer Arktispolitik reagiert. Die im September 2024 veröffentlichten Leitlinien deutscher Arktispolitik betonen die Prinzipien Wehrhaftigkeit, Resilienz und Nachhaltigkeit als Leitplanken für das deutsche Engagement im Hohen Norden. Ziel ist es, gemeinsam mit Partnern und Verbündeten Sicherheit und Stabilität in der Region zu gewährleisten, die regelbasierte internationale Ordnung zu verteidigen und die nachhaltige Entwicklung der sensiblen arktischen Umwelt zu fördern.

Die Sicherheit Deutschlands ist untrennbar mit der seiner europäischen und transatlantischen Partner verbunden. Die Arktis wird dabei nicht mehr isoliert betrachtet, sondern als Teil eines geopolitischen Raums, der Nord- und Ostsee, Nordatlantik und Arktis umfasst. Deutschland hat mit den Verbündeten Kanada, Norwegen und Dänemark eine maritime Partnerschaft für Kooperationsprojekte gegründet, um die Sicherheit im Nordatlantik und den angrenzenden arktischen Regionen zu erhöhen. Die Initiative wird auch von den Verbündeten in der Region als Beitrag zu regionaler Sicherheit und Abschreckung gesehen.

Deutsch-norwegisches Rüstungsprojekt: U-Boot-Klasse 212 CDCommon Design

Die deutsch-norwegische Partnerschaft gilt als Vorbild für bilaterale Rüstungskooperationen im maritimen Bereich. Das Leuchtturmprojekt ist das gemeinsame U-Boot-Programm der Klasse 212 CDCommon Design (Common Design). Die U-Boote werden mit modernster Sensortechnik, außenluftunabhängigem Antrieb und reduzierter Schallsignatur ausgestattet und sind für Operationen im Nordatlantik optimiert. Deutschland und Norwegen haben jeweils sechs dieser U-Boote bestellt. Die Kooperation geht jedoch weit über die Beschaffung hinaus: Im norwegischen Bergen entsteht ein gemeinsames Wartungs- und Instandsetzungszentrum. Ausbildung, Ersatzteilversorgung und Logistik werden ebenfalls gemeinsam organisiert, was die Interoperabilität erhöht und Kosten senkt.

Das U-Boot-Projekt ist ein strategischer Beitrag zur Stärkung der Verteidigungs- und Abschreckungsfähigkeiten der NATONorth Atlantic Treaty Organization. Die Boote sind für die Unterstützung von Spezialkräften, den Schutz kritischer Infrastruktur und die U-Boot-Abwehr ausgelegt. Sie können eine Schlüsselrolle beim Schutz der sogenannten GIUKGreenland Iceland United Kingdom Gap-Lücke zwischen Grönland, Island und Großbritannien (Greenland-Iceland-UK Gap) spielen – einer maritimen Engstelle, die für die Sicherung der transatlantischen Versorgungswege von zentraler Bedeutung ist.

Die Marinekooperation zwischen Deutschland und Norwegen ist breit angelegt. Neben dem U-Boot-Projekt arbeiten beide Länder bei der Beschaffung von Schiffsabwehrlenkflugkörpern (Naval Strike Missile, NSM) und dem Überschalllenkflugkörper 3SMSupersonic Strike Missile Tyrfing zusammen. Regelmäßige gemeinsame Manöver wie die maritime Schießübung in Andøya stärken die operative Zusammenarbeit. Der Austausch von Offizieren und die gegenseitige Teilnahme an Lehrgängen und Einsätzen fördern das gegenseitige Verständnis und die Entwicklung gemeinsamer Vorgehensweisen. Die enge Verzahnung von Ausbildung und Fähigkeitsentwicklung ist ein wichtiger Baustein der Partnerschaft.

Erweiterung der Sicherheitspartnerschaft mit Dänemark

Auch mit Dänemark verbindet Deutschland eine langjährige sicherheitspolitische Partnerschaft, die in den letzten Jahren weiter ausgebaut wurde und sich zunehmend auf den Hohen Norden erstreckt. Im Fokus stehen der Schutz kritischer Unterwasserinfrastruktur in Ostsee und Nordatlantik sowie die maritime Sicherheit. Beide Länder arbeiten bei der Instandhaltung und Wartung von Rüstungsgütern zusammen. Dänemark ist zudem als viertes Mitglied der maritimen Sicherheitspartnerschaft im Nordatlantik beigetreten, die Deutschland, Norwegen und Kanada initiiert haben.

Im August 2025 lief der deutsche Einsatzgruppenversorger „Berlin“ erstmals im Hafen von Nuuk, der Hauptstadt Grönlands, ein. Das Schiff versorgte zuvor deutsche und verbündete Einheiten im Nordatlantik und demonstrierte so die Fähigkeit der Bundeswehr, auch unter arktischen Bedingungen Präsenz zu zeigen und verbündete Streitkräfte zu unterstützen. Grönland, das zu Dänemark gehört, ist strategisch bedeutsam für die Überwachung der GIUKGreenland Iceland United Kingdom Gap-Lücke und den Schutz der transatlantischen Seewege. Dänemark verstärkt seine militärische Präsenz auf der Insel und arbeitet dabei eng mit NATONorth Atlantic Treaty Organization-Partnern wie Deutschland zusammen. So plant Dänemark gemäß einem Abkommen zur Sicherheit in der Arktis und im Nordatlantik eine Reihe von Beschaffungsprojekten und Stationierungen, um die operative Effektivität seiner Streitkräfte in der Region weiter zu stärken. 

Island: Infrastruktur im Hohen Norden

Island ist NATONorth Atlantic Treaty Organization-Mitglied, verfügt aber über keine eigenen Streitkräfte. Dennoch ist das Land aufgrund seiner geostrategischen Lage ein Schlüsselpartner für die Sicherheit im Nordatlantik. Im Oktober 2025 unterzeichneten Verteidigungsminister Boris Pistorius und die isländische Außenministerin Thorgerdur Katrín Gunnarsdóttir eine Absichtserklärung zur Stärkung der militärischen Zusammenarbeit.

Kernpunkte der Vereinbarung sind die Nutzung isländischer Häfen und Infrastruktur für deutsche Kriegsschiffe, U-Boote und Versorgungseinheiten sowie die Stationierung von Seefernaufklärern des Typs P-8A Poseidon auf Island. Diese Flugzeuge sind für die U-Boot-Jagd und die Überwachung großer Meeresgebiete konzipiert und sollen die Überwachung der GIUKGreenland Iceland United Kingdom Gap-Lücke erheblich verbessern. Island wird so zur logistischen Drehscheibe und zum operativen Stützpunkt für die Bundeswehr im Nordatlantik.

Transatlantische Kooperation mit Kanada

Kanada ist traditionell ein enger sicherheitspolitischer Partner Deutschlands. Beide Länder arbeiten nicht nur an der NATONorth Atlantic Treaty Organization-Ostflanke im Baltikum zusammen, sondern bauen auch ihre maritime Kooperation im Nordatlantik aus. 2024 vereinbarten Deutschland, Kanada und Norwegen den Aufbau der maritimen Sicherheitspartnerschaft für den Nordatlantik. 2025 trat Dänemark dieser Kooperation bei. Darüber hinaus fand über Jahrzehnte hinweg im kanadischen Goose Bay das Tiefflugtraining für die Besatzungen deutscher Kampfjets statt. Die Deutsche Marine beteiligt sich an der kanadischen Übungsserie Nanook – ein Manöver zur Sicherheit im Hohen Norden.

Ziel dieser Initiative ist die Erstellung eines gemeinsamen Lagebilds, die strategische U-Boot-Bekämpfung, der Schutz kritischer Unterwasserinfrastruktur und die Sicherung der Seewege. Der Austausch von Seeaufklärungsdaten sowie gemeinsame Ausbildungen und Manöver sollen die Reaktionsfähigkeit der NATONorth Atlantic Treaty Organization gegen Bedrohungen im Hohen Norden verbessern. Die Luftwaffen und Marinen der beteiligten Länder planen gemeinsame Operationen mit U-Booten, Fregatten und Aufklärungsflugzeugen.

Ein zentrales Thema der deutsch-kanadischen Kooperation ist die geplante Modernisierung der kanadischen U-Boot-Flotte. Kanada plant die Beschaffung von bis zu zwölf neuen U-Booten und wurde offiziell eingeladen, der bestehenden deutsch-norwegischen U-Boot-Kooperation beizutreten.

Ausblick

Die geopolitische Lage ist unbeständig, die Bedrohungen nehmen zu und der Klimawandel verändert die Rahmenbedingungen. Aber die Sicherheitspartnerschaften mit Norwegen, Dänemark, Island und Kanada setzt neue Maßstäbe für die Interoperabilität und Effizienz der NATONorth Atlantic Treaty Organization im strategisch wichtigen Nordatlantik. Die enge Verzahnung der Rüstungsindustrien und Streitkräfte ist ein wegweisendes Element der militärischen Zusammenarbeit. Die Bundeswehr bereitet sich mit Investitionen und Ausbildung auf ein verstärktes Engagement im Hohen Norden vor.

von Florian Manthey

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