Tagung der Militärattachees
© Bundeswehr/Tom Twardy
KategorieAktuelles

Deutsche Militärattachés sind sicherheitspolitische Seismographen in aller Welt

Verteidigungsminister Boris Pistorius hat das Engagement der Deutschen Militärattachés in aller Welt gewürdigt. Bei der 65. Zentralkonferenz sagte er am 15. Juni in Berlin, die Attachés trügen maßgeblich dazu bei, dass Deutschland im Ausland Vertrauen entgegengebracht werde. Das sei eine Grundlage für Deutschlands Verteidigungsfähigkeit.

Das hochrangige Treffen, das jährlich in Berlin stattfindet, dient dem Austausch der deutschen Militärattachés und Wehrtechnischen Attachés mit der Leitungsebene des Ministeriums, Vertretern weiterer Ressorts der Bundesregierung, höherer Bundesbehörden sowie dem Operativen Führungskommando der Bundeswehr und den Kommandos der Teilstreitkräfte. An der 65. Zentralkonferenz nehmen aktive deutsche Militärattachés sowie künftige Attachés teil – insgesamt rund 70 an der Zahl. Sie tagen vom 15. bis zum 26. Juni 2026 in der Hauptstadt.

Ressortübergreifende Abstimmung

Das Ziel der Konferenz ist, den Dialog zu aktuellen Fragen der deutschen Sicherheits-, Verteidigungs- und Militärpolitik zu führen. Weiter geht es um die Bereiche militärische Cyber- und Rüstungspolitik. Die Konferenz dient dem deutschen Militärattachédienst zum Informationsaustausch und der ressortübergreifenden Abstimmung mit der Leitungsebene. Dieser Austausch ist vor dem Hintergrund der dynamischen Entwicklungen in der Sicherheits-, Verteidigungs-, Militär- und Rüstungspolitik außerordentlich wichtig.

Gefragte Gesprächspartner in aller Welt

Verteidigungsminister Boris Pistorius dankte den Attachés für ihre Arbeit und unterstrich ihren besonderen sicherheitspolitischen Wert. Sie seien Frühwarnsysteme, Brückenbauer und Vertrauensanker zugleich. Die Attachés trügen maßgeblich dazu bei, deutsche Sicherheits-, Verteidigungs- und Rüstungspolitik zu erklären und mitzugestalten. Sie verträten Deutschlands Interessen gegenüber den Gastländern. Dort seien die Attachés gefragte Gesprächspartner. „Sehen Sie dies als Chance, unsere Anliegen konstruktiv einzubringen und unsere Interessen zu vertreten“, so der Appell des Ministers an sein Publikum. 

Bundesminister der Verteidigung Boris Pistorius schaut lächelnd für eine Portraitaufnahme in die Kamera.
Ob wir verteidigungsfähig sind oder nicht, entscheidet sich nicht nur am Material und Personal, sondern vor allem am Vertrauen unserer Partner und Verbündeten.
Verteidigungsminister Boris Pistorius Bundeswehr/Norman Jankowski

Der Minister skizzierte die aktuelle Lage unmissverständlich: Diese Welt sei geprägt von wachsenden Spannungen, von zunehmender geopolitischer Konkurrenz und von einem Höchststand an Konflikten und Kriegen.

Aktuelle Nachrichten zum Iran-Konflikt

Pistorius griff vor den deutschen Militärattachés die aktuellen Nachrichten auf: Im Konflikt mit dem Iran sei zwischen den USA und Teheran ein Abkommen erzielt worden. Pistorius sagte dazu: Es gelte, die nächsten Tage abzuwarten, wie genau es nun weitergehe und aus welchen konkreten Punkten das Abkommen, was noch verhandelt werden solle, bestehen werde.

Es gelte weiterhin: „Wir stehen bereit, unseren Beitrag zur Sicherung der Straße von Hormus zu leisten“, erklärte Pistorius. Drei Voraussetzungen müssten für ein Engagement der Bundeswehr mindestens erfüllt sein: Erstens: Die Kampfhandlungen müssten tatsächlich beendet sein. Zweitens: Deutschland brauche ein internationales Mandat, auf dessen Grundlage ein Bundestagsmandat beschlossen werden könne. Drittens: Deutschland engagiere sich nur gemeinsam mit seinen Partnern, allen voran den Briten und Franzosen. Aber auch die Amerikaner müssten mit Fähigkeiten beteiligt sein.

Unterstützung in der Ukraine wirkt

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine wirke sich auch in seinem fünften Jahr auf die Arbeit des Verteidigungsministeriums aus. Aus diesem Anlass berichtete Pistorius von seinem jüngsten Besuch in der Ukraine. Was er in Kiew aber auch in Dnipro und Saporischschja circa 30 Kilometer von der Front entfernt gesehen habe, bewegte ihn zutiefst. Und es habe ihn optimistisch gestimmt: „Unsere Unterstützung wirkt tatsächlich.“ Sie dürfe auf keinen Fall nachlassen, betonte Pistorius. Derzeit könne in der Tat von einem Momentum gesprochen werden. Der russische Staatspräsident Wladimir Putin gerate angesichts wirksamer ukrainischer Drohnenangriffe zunehmend unter Druck.

Von dem Mut, der Durchhaltefähigkeit und auch der Innovationskraft des im Krieg befindlichen Landes zeigte sich der Minister zutiefst beeindruckt. Von diesem Wissen und den Erfahrungen der Ukraine auf dem Gefechtsfeld könnten und müssten alle in Europa lernen. „Wir wollen deshalb unsere deutsch-ukrainische Partnerschaft weiter mit Leben füllen und vor allem das Know-how aus der Ukraine stärker in unsere eigene Arbeit einfließen lassen“, sagte Pistorius. Deshalb bekräftigte der Minister seinen Beschluss, den Militärattachéstab in Kyjiw und den Sonderstab Ukraine im BMVg personell noch stärker aufzustellen.

Die Welt im Wandel

Pistorius richtete darüber hinaus den Blick auf tiefgreifende weltpolitische Entwicklungen. China strebe nach Größe und Dominanz. Und das transatlantische Verhältnis sei von einem Epochenbruch gekennzeichnet. Europas Aufgabe sei es nun, seine Beziehungen zu den USA so zu gestalten, dass Washington aus eigenem Interesse heraus ein verlässlicher Partner in der NATO bleibe.

Pistorius berichtete auch von seinen Auslandsreisen der vergangenen Wochen und Monate. Sie führten ihn unter anderem nach Japan, Singapur, Australien und Kanada, wo er den Austausch mit seinen Amtskollegen vertiefte und Rüstungsprojekte auf den Weg brachte. Mit diesen Mittelmächten teile Deutschland viele Ziele und Vorstellungen: Multilateralismus, Völkerrecht sowie den Erhalt der regelbasierten internationalen Ordnung, Frieden, Stabilität und Zusammenarbeit. 

Blick nach Europa

Deutlich beschrieb Pistorius einmal mehr die künftige Rolle Europas. Der Minister vergaß in diesem Kontext nicht, den besonderen Wert der Kooperationen im Konzert mit den europäischen Partnern zu betonen. Frankreich, Polen und Italien spielten sicherheitspolitisch eine immer größere Rolle. Und außerhalb der EU sei Großbritannien ein zentraler Partner. Aus diesem Grund habe er vor zweieinhalb Jahren die Group of Five, die die größten europäischen NATO-Länder zusammenbringe, ins Leben gerufen.

Pistorius machte deutlich: Wenn es ernst gemeint sei mit der deutschen Verantwortung für Frieden und Freiheit, dann müsse Deutschland den Mut aufbringen, die Rolle einer Führungsnation einzunehmen. „Wir müssen bei der Stärkung der europäischen Verteidigungsbereitschaft vorangehen“, so der Minister. Deutschland gehe entschlossen voran bei der Stärkung der kollektiven Verteidigungsfähigkeit und Resilienz in EU und NATO.

In diesem Kontext stelle die Gesamtkonzeption militärische Verteidigung, die aus der ersten Militärstrategie und dem neuen Fähigkeitsprofil der Bundeswehr besteht, einen ersten Meilenstein dar. Beide Dokumente hatte Pistorius gemeinsam mit dem Generalinspekteur der Bundeswehr, General Carsten Breuer, Ende April vorgestellt.

Militärattachés sind Botschafter von Deutschlands Entschlossenheit

Gemeinsam mit der Nationalen Sicherheitsstrategie und den Verteidigungspolitischen Richtlinien hätten die Militärattachés nunmehr eine gute Grundlage, um den Verbündeten die Verlässlichkeit Deutschlands zu vermitteln – und Deutschlands Gegnern seine Entschlossenheit.

In einem anschließenden differenzierten Austausch erörterten die Militärattachés mit dem Minister die Lage.  

von Jörg Fleischer

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