Viele Personen sitzen um einen großen, runden Tisch. Im Hintergrund sieht man die NATO Rose auf Bildschirmen.
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NATO-Treffen: Schutz des Baltikums im Fokus – Abschreckung soll gestärkt werden

Verteidigungsminister Boris Pistorius hat beim Verteidigungsministertreffen des nordatlantischen Bündnisses in Brüssel eine intensivere Abstimmung der im Baltikum engagierten NATO-Partner für eine bessere Abschreckung angekündigt.

Minister Pistorius hat am 14. und 15. Februar an seinem ersten NATO-Verteidigungsministertreffen nach seinem Amtsantritt teilgenommen. Gemeinsam mit seinem Amtskolleginnen und -kollegen hat er die aktuelle sicherheitspolitische Situation erörtert. Schwerpunkt der Beratungen waren die Umsetzung der Beschlüsse des Gipfeltreffens in Madrid im vergangenen Jahr und die Vorbereitungen auf den diesjährigen NATO-Gipfel in Vilnius im Juli. In Madrid hatten die Staats- und Regierungschefs der Allianz ein neues Strategisches Konzept verabschiedet und die Entwicklung einer angepassten Streitkräftestruktur mit deutlich mehr Eingreifkräften beschlossen.

Dazu haben die Verteidigungsministerinnen und -minister über die langfristigen politischen Leitlinien zur Verteidigungsplanung – die Political Guidance – gesprochen, um Abschreckung und Verteidigung der Allianz weiter zu stärken. Auf dieser Grundlage werden dann Fähigkeitsziele für die Streitkräfte festgelegt: „Welche Waffen brauchen wir, welche Systeme und wie wollen wir sie einsetzen“, so Verteidigungsminister Pistorius in Brüssel.

3+3-Treffen auf deutsche Initiative

Der Minister hat in Brüssel auch an Gesprächen im neuen 3+3-Format teilgenommen. Die Führungsnationen der NATO-Battlegroups im Baltikum – Deutschland in Litauen, Kanada in Lettland und Großbritannien in Estland – haben eine noch bessere Zusammenarbeit vereinbart (PDF, 18,9 KB), zum Beispiel bei Manövern. Das neue Gesprächsformat wurde von Deutschland initiiert. „Bessere Koordinierung hat einen größeren Abschreckungseffekt“, so Pistorius. Die intensivere Zusammenarbeit sei notwendig, weil das Baltikum ein besonders exponierter Teil der Allianz sei.

Wir, die Verteidigungsminister der Gastnationen der Enhanced Forward Presence (eFP) Estland, Lettland und Litauen und der jeweiligen Rahmennationen, des Vereinigten Königreichs, Kanadas und Deutschlands, bekräftigen unsere Verpflichtung zum Schutz unserer Bevölkerung und der unserer Verbündeten. Wir werden die Abschreckung und Verteidigung des Baltikums als Teil der kollektiven Verteidigungsverpflichtungen der NATO weiterhin erheblich stärken.
Gemeinsame Erklärung der Verteidigungsminister

Seit Anfang 2017 führt Deutschland als Rahmennation die multinational zusammengesetzte Battlegroup in Litauen. Sie ist Teil der verstärkten Vornepräsenz eFP der NATO zur Rückversicherung der osteuropäischen Staaten seit der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim durch Russland. Darüber hinaus hat Deutschland 2022 einen vorgeschobenen Gefechtsstand im litauischen Rukla eingerichtet. „Deutschland ist mit seinem Forward Command Element in Litauen führend“, sagte der Minister. Der Gefechtsstand bereitet den möglichen Einsatz einer in Deutschland stationierten und schnell verlegbaren Kampfbrigade für Übungen, aber auch bei Bedrohungssituation an der NATO-Ostflanke vor. Der von Deutschland eingerichtete vorgeschobene Brigadegefechtsstand könnte beispielgebend für die neue Verteidigungsstruktur der NATO sein.

Mehrere Personen stehen mit Boris Pistorius in einer Reihe und posieren für ein Gruppenbild.

Die im Baltikum engagierten NATO-Partner werden noch enger zusammenarbeiten

© Bundeswehr/Robert Eatough

ESSI: Weitere Länder beteiligen sich an Luftverteidigung

Bei dem Treffen konnte auch der Teilnehmerkreis für die von Deutschland ausgehende Initiative zur Luftverteidigung auf nun 17 Mitglieder erweitert werden. Auch Dänemark und Schweden haben die Absicht, sich zu beteiligen. „Mehr Mitglieder bedeuten mehr Sicherheit und weniger Kosten“, sagte Minister Pistorius. Mit der European Sky Shield Initiative ESSI wollen sich die europäischen NATO-Staaten vor Angriffen durch Geschosse, Flugkörper oder Luftfahrzeuge schützen.

Der Verteidigungsminister begrüßte auch die Teilnahme Finnlands und Schwedens am Treffen in Brüssel. „Beide Staaten gehören in die NATO“, betonte Pistorius. Die beiden skandinavischen Länder haben aufgrund der russischen Invasion der Ukraine im vergangenen Jahr den NATO-Beitritt beantragt und ihre Bündnisneutralität aufgegeben. Die Streitkräfte beider Länder arbeiten schon lange eng mit den NATO-Truppen zum Beispiel in Einsätzen und bei Manövern zusammen. 

Vor dem NATO-Verteidigungsministertreffen hat Pistorius an einer Sitzung der Ukraine Defence Contact Group in Brüssel teilgenommen. Bei dem Treffen im sogenannten Ramstein-Format ging es diesmal vor allem um die Unterstützung der Ukraine mit Munition und Ausbildung. Deutschland gehört zu den größten Unterstützern der Ukraine in ihrem Verteidigungskampf gegen die russische Aggression.

von Florian Manthey

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