Boris Pistorius steht hinter einem Rednerpult und spricht. Hinter ihm drei Flaggen.
© Bundeswehr/ Cora Mohrdieck
KategorieAktuelles

Pistorius: Sicherheit verteidigen – am Boden wie im Weltraum

Bei der Luftwaffe Air and Space Chiefs’ Conference 2026 in Berlin hielt Verteidigungsminister Boris Pistorius die Keynote – vor den Führungen befreundeter Luftstreitkräfte aus fast 30 Nationen. Seine Botschaft: Deutschland verteidigt seine Sicherheit gemeinsam mit Verbündeten und Partnern – am Boden, in der Luft und zunehmend auch im Weltraum.

Drei Themen, ein roter Faden

Pistorius konzentrierte sich auf drei Felder, die Deutschland und seine Partner derzeit besonders fordern: den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, die Entwicklungen im Indo-Pazifik und den Weltraum. Russlands Krieg sei in sein fünftes Jahr gegangen, so der Minister; siebenmal sei er seit Kriegsbeginn in der Ukraine gewesen, zuletzt im Vormonat auch in frontnahen Städten. Die Innovationskraft und der Erfindergeist der ukrainischen Verteidiger hätten ihn tief beeindruckt – und seien zugleich eine Lehre: Man müsse für sich selbst einstehen und zu seinen Prinzipien stehen.

Von dort schlug der Minister den Bogen in den Indo-Pazifik. Die geografische Distanz trenne, doch Verbindungen auf vielen Ebenen knüpften die Regionen aneinander; was Europa tue, werde anderswo aufmerksam beobachtet. Gerade deshalb sei die Präsenz der Luftwaffe bei Übungen wie Pitch Black 2026 ein wichtiges Signal an die Partner in der Region. Erst kürzlich habe er bei Reisen nach Japan, Australien und Singapur erlebt, wie das Netzwerk derjenigen wachse, die Freiheit, nationale Souveränität und die regelbasierte internationale Ordnung verteidigen.

Sicherheit verteidigen – auch im Weltraum

Sein drittes Thema führte den Minister in den Weltraum. Er erinnerte an einen mutmaßlichen elektronischen Angriff Russlands auf das GPS-System einer Maschine der Royal Air Force, mit der sein britischer Amtskollege unterwegs war – ein kleiner, aber unmissverständlicher Fingerzeig, wozu Russland in dieser Domäne fähig sei. Für Pistorius ist die Konsequenz eindeutig: „Ebenso wie auf der Erde müssen wir auch im Weltraum in der Lage sein, unsere Sicherheit zu gewährleisten und uns zu verteidigen. Die Luftwaffe setzt die strategische Ambition für den Weltraum als Einsatzraum um, wie sie in der im vergangenen Jahr veröffentlichten Weltraumsicherheitsstrategie der Bundesregierung dargelegt ist.”

Erst in der Woche zuvor habe er die überarbeitete Strategische Leitlinie Weltraum seines Hauses gebilligt, die der Luftwaffe maßgebliche Verantwortung für die neue Domäne zuweise. Ein kleiner Schritt – und doch ein gewaltiger Sprung, wie der Minister betonte. Konkret gehe es darum, die eigenen Systeme widerstandsfähiger zu machen und das Lagebild im Orbit zu schärfen.

Der Blick reiche dabei bereits weiter – bis in den cislunaren Raum zwischen Erde und Mond, in dem künftig auch zivile Raumfahrt zu schützen sei. „Wir müssen uns zudem ein Stück weiter in die Unendlichkeit vorwagen und auch den cislunaren Raum beachten”, so Pistorius.

Mehr als Technologie – der Mensch entscheidet

So sehr neue Systeme, Plattformen der nächsten Generation und KI-gestützte Gefechtsführung das Bild künftiger Luftmacht prägen – die Konferenz stellte bewusst den Menschen in den Mittelpunkt. Der Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Holger Neumann, Gastgeber der diesjährigen Veranstaltung, brachte das Leitmotiv in seinem Beitrag auf den Punkt: „Bei den künftigen Luftstreitkräften geht es nicht nur um Technologie. Es geht um Bildung, Ausbildung, geistige Flexibilität und Agilität, Führung sowie die Entwicklung einer wahren Luftkrieger-Mentalität.”

Ein Gedanke, der unmittelbar an die Botschaft des Ministers anknüpfte. Pistorius führte die Stärke der Luftwaffe auf drei Eigenschaften zurück, die sie seit ihren Anfängen 1956 prägen: Anpassungsfähigkeit, Flexibilität und Teamgeist. Die Welt von heute fordere genau diese Qualitäten – von den Streitkräften ebenso wie von der Gesellschaft.

Deutschland wird handlungsfähiger

Deutschland mache seine Hausaufgaben, unterstrich der Minister. Das Grundgesetz sei angepasst worden, um mehr in Verteidigung investieren zu können. Neue Systeme würden beschafft, die Beschaffungsorganisation gestrafft, der Wehrdienst modernisiert und die Reserve gestärkt. Zugleich übernehme Deutschland mehr Verantwortung in der Welt – etwa mit der Verlegung einer Patriot-Einheit in die Türkei in diesem Monat. Seine Leitlinie formulierte Pistorius in vier Gegensatzpaaren: Kooperation statt Zwang, Gleichheit statt Unterdrückung, Freiheit statt Unterwerfung, Partnerschaft statt Vorherrschaft.

Stärke entsteht gemeinsam

Zum Abschluss kehrte der Minister zu jener Eigenschaft zurück, die ihm am wichtigsten schien: dem Teamgeist. Keine Nation könne die komplexen Herausforderungen dieser Zeit alleine bewältigen.

Bundesminister der Verteidigung Boris Pistorius schaut lächelnd für eine Portraitaufnahme in die Kamera.
Wir sind bereit, gemeinsam mit unseren Verbündeten und Partnern, die unsere gemeinsamen Werte – Demokratie, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit – schützen wollen, für die gute Sache zu kämpfen.
Verteidigungsminister Boris Pistorius Bundeswehr/Norman Jankowski

Wie ernst es Deutschland mit dieser Partnerschaft meint, zeigte auch das Teilnehmerfeld der LASCC 26: Luftwaffenchefs und hochrangige Vertreterinnen und Vertreter aus fast 30 Nationen – von Australien über Indien und Japan bis zu den Vereinigten Staaten und den europäischen Verbündeten – waren nach Berlin gekommen und tauschten sich über zwei Tage hinweg intensiv aus. Der Chef der britischen Royal Air Force saß dabei ebenso am Tisch wie der Deputy Chief der neuseeländischen Luftwaffe und die Vertreter aus dem indopazifischen Raum. Ein offener Austausch unter Partnern auf Augenhöhe als gelebte Bündnisfähigkeit – ganz im Sinne des Ministers.

von Franz Fahrein

Mehr zum Thema

Inhalte teilen via

Anfang Footer Es ist uns ein Anliegen, Ihre Daten zu schützen

Auf dieser Website nutzen wir Cookies und vergleichbare Funktionen zur Verarbeitung von Endgeräteinformationen und (anonymisierten) personenbezogenen Daten. Die Verarbeitung dient der Einbindung von Inhalten, externen Diensten und Elementen Dritter, der eigenverantwortlichen statistischen Analyse/Messung, der Einbindung sozialer Medien sowie der IT-Sicherheit. Je nach Funktion werden dabei Daten an Dritte weitergegeben und von diesen verarbeitet (Details siehe Datenschutzerklärung Punkt 4.c). Bei der Einbindung von sozialen Medien und interaktiver Elemente werden Daten auch durch die Anbieter (z.B. google) außerhalb des Rechtsraums der Europäischen Union gespeichert, dadurch kann trotz sorgfältiger Auswahl kein dem europäischen Datenschutzniveau gleichwertiges Schutzniveau sichergestellt werden. Sämtliche Einwilligungen sind freiwillig, für die Nutzung unserer Website nicht erforderlich und können jederzeit über den Link „Datenschutzeinstellungen anpassen“ in der Fußzeile unten widerrufen oder individuell eingestellt werden.

  • Logo Bundesministerium der Verteidigung

    Es ist uns ein Anliegen, Ihre Daten zu schützen

    Detaillierte Informationen zum Datenschutz finden Sie unter Datenschutzerklärung