Grundlagendokumente zur neuen strategischen Kultur
Deutschland übernimmt eine militärische Führungsrolle in der NATO. Die Bundeswehr stellt sich auf diese neue strategische Ausrichtung ein.
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Die Verteidigungsaufstellung der Bundeswehr wurde am 24. Juni 2026 im Verteidigungsausschuss des Deutschen Bundestags vorgestellt. Wie die Gesamtkonzeption militärische Verteidigung ist auch die Verteidigungsaufstellung zur Wahrung der militärischen Sicherheit eingestuft. Lesen Sie hier, was für die Öffentlichkeit zugänglich ist.
Spannungen und Instabilität, Kriege und Konflikte – die sicherheitspolitische Lage hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Deutschland und Europa sehen sich mit einem revisionistisch auftretenden Russland konfrontiert, das an den Grundfesten der europäischen Sicherheitsarchitektur rüttelt und damit eine konkrete Bedrohung darstellt. Auf den Ernstfall vorbereitet sein, so lautet das Gebot der Stunde. Die Verteidigungsaufstellung stellt einen zentralen Baustein für die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands dar.
Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hat sich die Bundeswehr wieder auf ihren ursprünglichen Kernauftrag fokussiert: die Landes- und Bündnisverteidigung. Im Rahmen von NATO und EU unterstützen die Partnernationen die angegriffene Ukraine, stärken die Ostflanke des Bündnisses und passen unter anderem ihre Wehrdienstmodelle der veränderten Sicherheitslage an. Im April 2026 hat das Verteidigungsministerium die erste deutsche Militärstrategie und das Fähigkeitsprofil der Bundeswehr erlassen – und damit eine Gesamtkonzeption der militärischen Verteidigung (PDF, 8,0 MB) aus einem Guss vorgelegt.
Während die Militärstrategie beschreibt, wie gehandelt wird, und das Fähigkeitsprofil ausführt, mit welchen Fähigkeiten, beschreibt die daraus abgeleitete Verteidigungsaufstellung, mit welchen Kräften und in welcher Gliederung die Bundeswehr Deutschland verteidigen wird. Die Verteidigungsaufstellung der Bundeswehr 2029 ist ein wichtiger Schritt in der Verknüpfung der Vorgaben der Gesamtkonzeption mit den Verteidigungsplänen der NATO und Deutschlands (Operationsplan Deutschland, OPLAN DEU). Sie gewährleistet, dass die Bundeswehr ihren Beitrag zu Abschreckung und Verteidigung im Bündnis leisten kann.
Die Verteidigungsaufstellung gibt den grundlegenden strategischen Rahmen vor, wie die deutschen Streitkräfte nach vollständiger Mobilmachung gegliedert sind, um Deutschland im Fall der Fälle verteidigen zu können. Der klare Fokus liegt dabei zunächst auf dem Jahr 2029 – dem Zeitpunkt, zu dem Russland absehbar in der Lage sein könnte, NATO-Territorium anzugreifen. Die aktuelle Verteidigungsaufstellung konzentriert sich deshalb auf die Verteidigungsfähigkeit der Bundeswehr mit den 2029 absehbar verfügbaren Kräften, Mitteln und Strukturen.
Im Krisen- oder Kriegszustand muss sich die Bundeswehr schnell und effizient umgliedern. Tritt ein solcher Fall ein, wird die Gliederung in Friedenszeiten aufgegeben und die Bundeswehr nimmt die Verteidigungsaufstellung ein. Strukturen, die Verteilung von Material und die Zuweisung von Personal werden dann zügig angepasst. Einige Aufgaben, die im Frieden wichtig sind, werden geringer priorisiert oder wegfallen. Zudem wird Personal teilweise mit neuen Aufgaben und an anderer Stelle eingesetzt werden. Teil- beziehungsweise nichtaktive Strukturen werden für die Verteidigungsaufstellung aufwachsen. Dafür werden in der Folge zur Verteidigungsaufstellung auch das Alarmierungssystem und der Mobilmachungsplan der Bundeswehr angepasst beziehungsweise neu erarbeitet werden.
Zusammengefasst berücksichtigt die Verteidigungsaufstellung also die Vorgaben der Militärstrategie, die Anforderungen, die sich aus den NATO-Verteidigungsplänen und den abgeleiteten nationalen Vorgaben (Operationsplan Deutschland) ergeben, die bestehenden Friedensstrukturen und das aktuell vorhandene Personal, die perspektivischen personellen und materiellen Aufwüchse bis zum Jahr 2029 sowie neue Fähigkeiten, die bis 2029 in die Streitkräfte eingeführt werden.
Ein wichtiger Punkt in dem Dokument ist die herausgehobene Bedeutung der Reserve für die Verteidigungsbereitschaft: Reservistinnen und Reservisten sollen künftig so ausgebildet, ausgestattet, beübt und in die Strukturen der aktiven Truppe integriert werden, dass sie im Krisenfall sofort zusammen mit dieser eingesetzt werden können.
Generalinspekteur Carsten Breuer hatte die Verteidigungsaufstellung der Bundeswehr 2029 am 9. Juni 2026 gebilligt. Die Verteidigungsaufstellung ist als Dokument zur Wahrung der militärischen Sicherheit eingestuft und somit nicht öffentlich. Sie wird mindestens jährlich überprüft und kontinuierlich fortgeschrieben.
von Lara Finke