Zwei Männer auf Barhockern auf einer Bühne
© Bundeswehr/Jana Neumann
KategorieBilaterale Beziehungen

Transatlantischer Schulterschluss: Pistorius in Kanada

Ein Schwerpunkt der Kanada-Reise von Verteidigungsminister Boris Pistorius war der Besuch der kanadischen Rüstungsmesse CANSEC in Ottawa am 27. Mai 2026. Dort sprach der Minister über die enge Partnerschaft, die Deutschland und Kanada seit nunmehr 75 Jahren verbindet. Diese 75-jährige Freundschaft war auch Gegenstand seines Grußwortes auf dem anschließenden Empfang der Deutschen Botschafterin in Kanada.

„Seit fünfundsiebzig Jahren stehen unsere Länder Seite an Seite – vereint durch gemeinsame demokratische Werte, gemeinsame Interessen und eine gemeinsame Verantwortung für Frieden und Sicherheit“, betonte Pistorius in seiner Rede auf der Rüstungsmesse. Zudem bekundete der Minister sein Interesse daran, die bilateralen Beziehungen mit Kanada zu vertiefen – über alle Dimensionen innerhalb der Streitkräfte und über alle Wirtschaftszweige hinweg. 

Sicherheit braucht starke Partnerschaften

Widerstandsfähigkeit, Innovation, industrielle Kapazitäten und die Fähigkeit, unter Druck Leistung zu erbringen – in dieser neuen sicherheitspolitischen Ära, geprägt von Krisen und Konflikten, erforderten Abschreckung und Verteidigung neben militärischer Stärke vor allem eines: vertrauensvolle Partnerschaften, so Pistorius.

Bundesminister der Verteidigung Boris Pistorius schaut lächelnd für eine Portraitaufnahme in die Kamera.
Kanada und Deutschland mögen durch einen Ozean getrennt sein. Doch wir sind verbunden durch unsere Überzeugung, dass Sicherheit dann am stärksten ist, wenn Nationen gemeinsam handeln. Dies ist es, was uns in unserer außergewöhnlichen Partnerschaft leitet.
Verteidigungsminister Boris Pistorius Bundeswehr/Norman Jankowski

Die deutsch-kanadische Partnerschaft baue auf beiderseitigem Nutzen und sich ergänzenden Stärken auf, betonte Pistorius. In Zeiten wachsender geopolitischer Unsicherheit seien Partnerschaften wie diese nicht bloß ein „Nice-to-have“ – sondern ein „Must-have“ für eine sichere Zukunft: „Eine Zukunft, in der Demokratien wehrhaft bleiben. Eine Zukunft, in der Innovation der Freiheit dient. Eine Zukunft, in der wir auf starken Bündnissen aufbauen und die Zusammenarbeit fördern können.“ Deutschland bekenne sich zu dieser Zukunft.

Zwei Nationen – eine Verantwortung

Als Europas größte Volkswirtschaft und zentraler Verbündeter innerhalb der NATO und der EU hat Deutschland eine Führungsrolle bei der Stärkung der kollektiven Verteidigung, der Steigerung der militärischen Einsatzbereitschaft und der Gestaltung der künftigen Sicherheitsarchitektur des Bündnisses übernommen. „Wir nehmen unsere Führungsverantwortung an – im Wissen, dass wahre Stärke in der Zusammenarbeit liegt und eine gemeinsame Zukunft nur gemeinsam mit Verbündeten und Partnern gestaltet werden kann“, bekräftigte Pistorius.

Minister Boris Pistorius zusammen mit dem kanadischen Verteidigungsminister

Auf Kanadas globaler Verteidigungs- und Sicherheitsmesse CANSEC sitzt Verteidigungsminister Boris Pistorius neben seinem kanadischen Amtskollegen David McGuinty.

© Bundeswehr / Jana Neumann

 

Auch Kanada trägt maßgeblich zur Sicherheit Europas bei und ist einer der wichtigsten Unterstützer der Ukraine. Deutschland und Kanada einen ihr Glaube an die regelbasierte internationale Ordnung und die Absicht, souverän, proaktiv und selbstbewusst für ihre Sicherheit, Interessen und Werte einzutreten. 

Gemeinsam arbeiten beide Nationen bereits im 3+3 Format im Baltikum eng zusammen. Dieses ist 2022 auf Initiative Deutschlands entstanden und dient der Abstimmung der sechs Nationen Kanada, Großbritannien, Deutschland, Lettland, Estland und Litauen bei dem übergeordneten Ziel, die NATO-Ostflanke zu stärken. Kanada ist Rahmennation für Lettland, wie Deutschland dies für Litauen und Großbritannien für Estland ist. 

U-Boot-Kooperation würde Partnerschaft weiter stärken

Gemeinsam mit Norwegen und Dänemark arbeiten Deutschland und Kanada zudem im Rahmen der Maritimen Sicherheitspartnerschaft eng daran, die Abschreckungs- und Verteidigungsfähigkeiten der NATO im Nordatlantik weiter auszubauen. In diesem Zusammenhang ging Minister Pistorius in Ottawa näher auf das deutsch-norwegische Angebot an Kanada zum Kauf von U-Booten der Klasse 212CD ein: Die langjährige Expertise im Einsatz von U-Booten sowie die besondere Qualität dieser U-Boote sei einzigartig. Sie seien „state of the art” und im Einsatz für potenzielle Gegner praktisch nicht detektierbar, erklärte Pistorius auf der Messe. Sie seien außenluftunabhängig und könnten sich über sehr lange Zeiträume in den Tiefen der See verstecken, was gerade in der Arktis und im Hohen Norden einen unschätzbaren Vorteil darstelle. Hinzu käme die Möglichkeit zur gemeinsamen Wartung und Instandhaltung, zählte der Minister die Vorteile der Kooperation auf. „Gemeinsam würden wir unsere Verteidigung und unsere Volkswirtschaften vernetzen und stärken, um den Herausforderungen von morgen zu begegnen“, so der Minister.

CANSEC: Die jährlich stattfindende zweitägige Rüstungsmesse CANSEC ist mit über 300 ausstellenden internationalen Unternehmen die größte und wichtigste kanadische Fachmesse für Verteidigung und Sicherheit. Die Messe ist die zentrale Plattform für die Präsentation modernster Technologien und neuester Produkte und fördert den Austausch zwischen Industrieunternehmen, Militär und Regierungen. Zu den jährlich über 12.000 internationalen Besucherinnen und Besuchern gehören hochrangige Regierungsvertreterinnen und -vertreter, Militärs und Entscheidungsträger der Industrie. CANSEC wird seit 1998 vom kanadischen Rüstungsindustrieverband „Canadian Association of Defence and Security Industries“ (CADSI) ausgerichtet.

von Lara Finke

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