Durch die Fenster eines Schiffes sieht man das Meer und Berge am Horizont.
© Bundeswehr/Kim Couling
KategorieAktuelles

Northern Group: Nordeuropäer beraten Sicherheitslage

Die Mitgliedstaaten der Northern Group treffen sich in Reykjavík. Die Verteidigungsministerinnen und Verteidigungsminister aus den nordeuropäischen Staaten sprechen über die sicherheits- und verteidigungspolitische Situation im Nord- und Ostseeraum sowie in der Arktis.

Unter dem aktuellen Vorsitz der isländischen Verteidigungsministerin Þórdís Kolbrún Reykfjörð Gylfadóttir, die gleichzeitig auch Außenministerin Islands ist, wird bei dem zweitägigen Treffen mit Blick auf den Krieg in der Ukraine die sicherheitspolitische Lage in Nord- und Nordosteuropa erörtert. Die Staaten der Northern Group verurteilen Russlands Invasion der Ukraine aufs Schärfste und unterstützen Kiew politisch wie auch militärisch. Sie sind besorgt über die sicherheitspolitischen Folgen im Norden Europas und begrüßen deshalb die Maßnahmen der NATONorth Atlantic Treaty Organization zur Stärkung der Verteidigung und zur Abschreckung an der Ostflanke des Bündnisses.

In ihrem gemeinsamen Statement bekräftigen die Staaten der Northern Group, die gemeinsamen Werte Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Freiheit und Menschenrechte zu schützen und betonen die Unantastbarkeit international anerkannter Grenzen.

Eine Karte, die Europa zeigt und Mitglieder der Northern Group

Nach dem Beitritt Schwedens zum nordatlantischen Bündnis sind alle Staaten der Northern Group auch NATONorth Atlantic Treaty Organization-Mitglied

© Bundeswehr | Grafik: Maria Scholz

Bei den Treffen der Northern Group kommen halbjährlich die Verteidigungsministerinnen und -minister aller skandinavischen und baltischen Staaten sowie Großbritanniens, Polens, der Niederlande und Deutschlands zusammen. Sie tauschen sich dabei informell über aktuelle sicherheits- und verteidigungspolitischen Themen aus, die vor allem Nordeuropa betreffen. Zur Northern Group gehören damit sowohl EUEuropäische Union- als auch NATONorth Atlantic Treaty Organization-Staaten. Darüber hinaus organisieren sich noch fünf Mitglieder der Northern Group auch in der Nordic Defence Cooperation (NORDEFCO).

NATONorth Atlantic Treaty Organization-Erweiterung auf der Agenda

Die russische Invasion der Ukraine hatte dazu geführt, dass auch Finnland und Schweden kürzlich bekundet haben, der NATONorth Atlantic Treaty Organization beitreten zu wollen. Russland hat weder die Neutralität der Ukraine noch völkerrechtliche Abkommen respektiert. Die souveräne Entscheidung der beiden skandinavischen Länder, in das Nordatlantische Bündnis aufgenommen werden zu wollen, ist ein weiterer Schwerpunkt der Beratungen in Reykjavík – neben den Vorbereitungen zum anstehenden NATONorth Atlantic Treaty Organization-Gipfel Ende Juni in Madrid, wo die Allianz auch ein neues Strategisches Konzept beschließen will.

Die Northern Group umfasst geografisch sowohl Ost- und Nordsee als auch den Nordatlantik. Wenn Schweden und Finnland der NATONorth Atlantic Treaty Organization beitreten sollten, würde dies die sicherheits- und verteidigungspolitische Lage in Nordeuropa verändern. Mit dieser Erweiterung wären alle Staaten der Northern Group gleichzeitig auch NATONorth Atlantic Treaty Organization-Mitglieder.

Multinationale Zusammenarbeit am Polarkreis

Die Streitkräfte der nordeuropäischen Staaten pflegen eine intensive Kooperation, die sich nicht nur bei gemeinsamen Ausbildungen zeigt, sondern auch bei Übungen im Nord- und Ostseeraum und am Polarkreis. In Manövern wie Eiskristall, Arctic Challenge oder Cold Response üben die Soldatinnen und Soldaten unter arktischen Extrembedingungen. Auch wenn sie noch nicht zur NATONorth Atlantic Treaty Organization gehören, sind die Soldatinnen und Soldaten aus Schweden und Finnland regelmäßig beteiligt.

Strategische Bedeutung der Arktis

Neben Nord- und Ostseeraum umfasst das von der Northern Group betrachtete Gebiet auch die sogenannte GIUKGreenland Iceland United Kingdom Gap-Lücke (aus dem Englischen für Greenland-Iceland-United Kingdom) im Nordatlantik. Als Versorgungsweg für Europa im Konflikt- oder Krisenfall und wegen der im Nordatlantik verlegten Unterseekabel hat sie eine besondere strategische Bedeutung. Die Gewässer zwischen dem Nordatlantik, dem Europäischen Nordmeer sowie dem daran anschließenden Arktischen Ozean sind außerdem ein wichtiges Transitgebiet für den Seeverkehr. 

Neue Seewege, ungelöste Gebietsstreitigkeiten sowie mögliche Ressourcenkonflikte erhöhen das Eskalationspotenzial in der Arktis, da Staaten ihre Interessen zunehmend militärisch absichern. In den Arktisleitlinien der Bundesregierung heißt es: „Ziel des sicherheits- und verteidigungspolitischen Engagements Deutschlands in der Region ist es, die Arktis als konfliktarme Region zu erhalten, Kooperationen zu fördern und somit auf Grundlage anerkannter Normen und Kodizes die friedliche Nutzung der Arktis zu gewährleisten.“ 

Deutschland will keinen Wettbewerb um die Arktis, sondern die Möglichkeiten internationaler Zusammenarbeit nutzen, um diesen einzigartigen Raum – vor allem mit Blick auf seine Rolle beim Klimawandel – zu schützen. Die Northern Group ist für Deutschland insofern ein wichtiges Forum, um die Arktis weiter in ein System multilateraler Stabilität einzubinden.

von Florian Manthey

Mehr zum Thema

Inhalte teilen via

Anfang Footer Es ist uns ein Anliegen, Ihre Daten zu schützen

Auf dieser Website nutzen wir Cookies und vergleichbare Funktionen zur Verarbeitung von Endgeräteinformationen und (anonymisierten) personenbezogenen Daten. Die Verarbeitung dient der Einbindung von Inhalten, externen Diensten und Elementen Dritter, der eigenverantwortlichen statistischen Analyse/Messung, der Einbindung sozialer Medien sowie der IT-Sicherheit. Je nach Funktion werden dabei Daten an Dritte weitergegeben und von diesen verarbeitet (Details siehe Datenschutzerklärung Punkt 4.c). Bei der Einbindung von sozialen Medien und interaktiver Elemente werden Daten auch durch die Anbieter (z.B. google) außerhalb des Rechtsraums der Europäischen Union gespeichert, dadurch kann trotz sorgfältiger Auswahl kein dem europäischen Datenschutzniveau gleichwertiges Schutzniveau sichergestellt werden. Sämtliche Einwilligungen sind freiwillig, für die Nutzung unserer Website nicht erforderlich und können jederzeit über den Link „Datenschutzeinstellungen anpassen“ in der Fußzeile unten widerrufen oder individuell eingestellt werden.

  • Logo Bundesministerium der Verteidigung

    Es ist uns ein Anliegen, Ihre Daten zu schützen

    Detaillierte Informationen zum Datenschutz finden Sie unter Datenschutzerklärung