Litauische, deutsche, französische Soldaten sind vor gepanzerten Radfahrzeugen angetreten.
© Bundeswehr/Marco Dorow

Deutschlands Rolle als Anlehnungspartner

Eine vertiefte Kooperation der NATO-Partner untereinander ist wichtiger denn je. Das spiegelt sich auch in der „Gesamtkonzeption militärische Verteidigung – Militärstrategie und Plan für die Streitkräfte“ wider. Darin beschreibt das Verteidigungsministerium, wie Deutschland seine erweiterte Verantwortung innerhalb der Allianz wahrnehmen soll.

Deutschland übernimmt innerhalb der NATO zunehmend Verantwortung beim Aufbau gemeinsamer militärischer Fähigkeiten. Die „Gesamtkonzeption militärische Verteidigung – Militärstrategie und Plan für die Streitkräfte“ beschreibt diese Entwicklung mit einem strategischen Begriff: Deutschland wird noch stärker zum militärischen Anlehnungspartner seiner europäischen Verbündeten. Dahinter steht das Ziel, Fähigkeiten gemeinsam weiterzuentwickeln, die Einsatzbereitschaft zu erhöhen und die Interoperabilität der Streitkräfte weiter zu verbessern.

Bündnispartner erwarten Führungsrolle

Jahrzehntelang haben sich NATO-Mitgliedstaaten auf die USA gestützt. Jetzt wünschen sich Bündnispartner, dass Deutschland in diese Rolle hineinwächst. Sie erwarten den Ausbau multinationaler Fähigkeiten. „Ihre Führung und ihr entschlossenes Handeln sind das, was wir brauchen, um eine stärkere, gerechtere und schlagkräftigere NATO aufzubauen. Und genau das benötigen wir, um Freiheit und Sicherheit zu bewahren – heute und in Zukunft“, betonte NATO-Generalsekretär Mark Rutte anlässlich des 70. Jahrestags der Aufnahme Deutschland ins nordatlantische Verteidigungsbündnis.

Ein wesentliches Instrument dieser Zusammenarbeit ist das Framework Nations Concept (FNC) der NATO. Deutschland brachte das Konzept 2013 ins Bündnis ein. Im deutschen FNC-Modell stellt die Rahmennation wesentliche Führungs-, Unterstützungs- und Aufklärungsfähigkeiten bereit. Teilnehmende Bündnispartner ergänzen diese mit eigenen spezialisierten Beiträgen. So entstehen größere multinationale Formationen und gemeinsam entwickelte militärische Fähigkeiten, die den Anforderungen der Landes- und Bündnisverteidigung gerecht werden.

Als Paradebeispiel gilt die deutsch-niederländische Heeresintegration. Heute sind alle drei niederländischen Kampfbrigaden in deutsche Divisionen eingebunden. Auch das deutsch-niederländische Panzerbataillon 414 zeugt von dieser Kooperation. Beide Streitkräfte ergänzen sich mit ihren jeweiligen Fähigkeiten und vertiefen ihre Zusammenarbeit kontinuierlich.

Ein anderes Beispiel multinationaler Fähigkeitsentwicklung ist die European Sky Shield Initiative (ESSI). Deutschland hat sie angestoßen, um die koordinierte Beschaffung interoperabler Systeme für eine mehrschichtige Flug- und Raketenabwehr in Europa zu unterstützen. Dazu zählen – abhängig von den Entscheidungen der einzelnen Teilnehmerstaaten – unter anderem IRIS-T SLM, Patriot sowie in Deutschland Arrow. Diese Initiative verbessert die Interoperabilität der beteiligten Staaten und leistet einen Beitrag zur NATO Integrated Air and Missile Defence (NATO IAMD).

Kooperation in Litauen

Die Multinational Battlegroup Lithuania, die seit Februar 2026 der Panzerbrigade 45 „Litauen“ unterstellt ist, verdeutlicht diesen Ansatz ebenfalls. Dabei stellt Deutschland als Rahmennation Führung und wesentliche militärische Fähigkeiten bereit. Die Niederlande bringen unter anderem Aufklärungsfähigkeiten ein, Tschechien beteiligt sich mit ABC-Abwehrkräften. Weitere Fähigkeiten werden multinational beispielsweise in den Bereichen Logistik und Sanitätsdienst aufgeboten. Gemeinsam stärken die beteiligten Nationen die Abschreckungs- und Verteidigungsfähigkeit an der NATO-Ostflanke.

von Egbert Sass

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