Die Reserve – Auftrag und Struktur
Wenn es ernst wird, schlägt die Stunde der Reserve. Wer gehört dazu? Wie ist sie aufgebaut? Und welche Aufgaben hat sie?
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Reaktion auf sicherheitspolitische Herausforderungen: Mit der neuen Strategie der Reserve schafft das Verteidigungsministerium die Voraussetzungen zur Neuausrichtung der Reserve und für einen strukturierten Personalaufwuchs. Neben der schnellen Verstärkung und Unterstützung der aktiven Truppe wird die Reserve als integraler Bestandteil der Streitkräfte eigenständige Aufgaben wahrnehmen – auf Augenhöhe mit der aktiven Truppe.
Die aktuellen sicherheitspolitischen Herausforderungen und die Bedrohungslage erfordern die konsequente Ausrichtung der Bundeswehr auf die Landes- und Bündnisverteidigung – so steht es unter anderem in den Verteidigungspolitischen Richtlinien. Ohne eine leistungsfähige und schnell einsatzbereite Reserve wird die Bundeswehr diesen Kernauftrag jedoch nicht erfüllen können. In den deutschen Streitkräften sollen perspektivisch 460.000 Soldatinnen und Soldaten dienen – zur Entlastung der aktiven Truppe wird ein erheblicher Teil auf die Reserve entfallen. Bis 2033 soll sie auf mindestens 200.000 Reservistinnen und Reservisten anwachsen. Die „Neue Reserve“ schlägt dabei auch die Brücke zwischen Militär und Zivilgesellschaft. Sie lebt vom gesamtgesellschaftlichen Zusammenwirken, steht für beiderseitigen Kompetenztransfer und erhöht die Resilienz.
Von grundlegenden Schutz- und Sicherungsaufgaben bis hin zum Einsatz im hochintensiven Gefecht im Schulterschluss mit den Verbündeten und Partnernationen: Zukünftig soll die Reserve die aktive Truppe im gesamten Aufgabenspektrum verstärken sowie eigenständig Aufgaben wahrnehmen. Besonders als Trägerin des Heimatschutzes und im Rahmen des Operationsplan Deutschland garantiert sie die Durchhaltefähigkeit und das Funktionieren der logistischen Drehscheibe im Verteidigungs- und Bündnisfall. Reservistinnen und Reservisten schützen kritische Infrastruktur und logistische Hubs, sie sichern Verkehrswege und militärische Liegenschaften. Somit ist die Reserve nicht nur eine tragende Säule der nationalen Sicherheit, sie ist darüber hinaus von strategischer Relevanz für die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands und des Bündnisses.
Um die Einsatzbereitschaft der Bundeswehr zu stärken, müssen Reservistinnen und Reservisten verlässlich für den Reservedienst verfügbar sein. Die Reservedienstleistung soll aber auch für die Arbeitgeber planbar und verlässlich sein. Abwesenheiten bedürfen darum der gegenseitigen Abstimmung. Wirtschaft und Arbeitgeber tragen daher als strategische Partner gemeinsam mit den Streitkräften Verantwortung. Dafür wird die Bundeswehr kooperativ an der verlässlichen Verfügbarkeit arbeiten. Zusätzlich müssen die Rahmenbedingungen für Reservistinnen und Reservisten verbessert werden: Bürokratische Hürden werden abgebaut, die Erreichbarkeit und Digitalisierung optimiert und die Ausbildungsangebote ausgebaut. Denn nur eine gut ausgebildete, regelmäßig in Übung gehaltene sowie voll ausgestattete Reserve trägt maßgeblich zur glaubwürdigen Abschreckung bei.
| Die Strategie der Reserve (SdR) ergänzt als Strategische Leitlinie die Verteidigungspolitischen Richtlinien (VPR). Deren Ziele und Vorgaben werden in der Militärstrategie der Bundeswehr (MilStratBw) und dem Fähigkeitsprofil der Bundeswehr (FPBw) berücksichtigt. Das Kabinett befasst sich im Sommer dieses Jahres mit dem Gesetzentwurf zur Stärkung der Reserve, Bundesrats- und Bundestagsbefassung folgen in der zweiten Jahreshälfte 2026. Ziel ist es, dass das „Gesetz zu Stärkung der Reserve“ Anfang 2027 in Kraft tritt. |
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von Lara Finke