NATO-Gipfel 2026: Modernisierung einer Allianz
Ein stärkeres Europa – für eine stärkere NATO: Das sind die Ergebnisse des Gipfeltreffens in der türkischen Hauptstadt Ankara.
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Verteidigungsminister Boris Pistorius hat am 3. November 2026 seinen slowenischen Amtskollegen Valentin Hajdinjak zu dessen Antrittsbesuch in Berlin empfangen. Im Mittelpunkt des Besuchs standen Gespräche zur sicherheitspolitischen Lage, das Engagement in der NATO, die Unterstützung der Ukraine sowie die bilaterale Zusammenarbeit und Rüstungskooperation.
„Ich freue mich, dass Du zu Deinem offiziellen Antrittsbesuch in Berlin bist“, begrüßte Boris Pistorius seinen slowenischen Amtskollegen herzlich. Die deutsch-slowenische Partnerschaft bestehe seit fast 35 Jahren und gelte auf beiden Seiten als wertvoll und wichtig. Und auch die Zusammenarbeit der Streitkräfte beider Staaten wachse, so der deutsche Verteidigungsminister.
In diesem Kontext ist der deutsch-slowenische Aktionsplan bis 2028 ein starkes Fundament für die Kooperation zwischen beiden Ländern. Ein Leuchtturmprojekt ist die enge Zusammenarbeit in der European Sky Shield Initiative (ESSI), die maßgeblich auf Deutschlands Engagement zurückgeht. Diese Kooperation beider Länder in der bodengebundenen Luftverteidigung ist ein wichtiger Beitrag zur Stärkung der NATO insgesamt.
Slowenien habe als erste Nation im Rahmen von ESSI eine Feuereinheit IRIS-T SLM unter Vertrag genommen und bereite die Beschaffung von Flugkörpern vor, betonte Pistorius. Dieses erste System wird voraussichtlich im Laufe des ersten Halbjahrs 2027 eintreffen. Zwei weitere Feuereinheiten IRIS-T SLM habe das Land mittlerweile beauftragt. Damit unterstützt Slowenien auch den Beschaffungsweg, den die NATO wolle und brauche.
Wir beschaffen die gleichen Systeme, an denen wir gemeinsam üben oder die wir gemeinsam warten können.
Boris Pistorius sprach im Zuge dieses Treffens die Einladung an Slowenien zum ersten deutschen Flugabwehr-Offizierslehrgang für IRIS-T SLM formell aus. Beide Staaten profitieren von der Rüstungskooperation. Darüber hinaus gebe es noch jede Menge Potential für weitere Kooperationen auf diesem Feld, so Pistorius. Etwa in den Bereichen Richtminen zur Panzerabwehr, Artilleriesystemen und Drohnen.
Ausdrücklich machte Pistorius seinem slowenischen Amtskollegen das Angebot, Teil des European Space Component Commands und der Space Safety and Security Academy zu werden.
Bei ihrem Treffen im Bendlerblock betonten Pistorius und Hajdinjak gleichermaßen, dass beide Staaten auch bei der Sicherheit der Ukraine zusammenhielten. Der Minister zeigte sich dankbar darüber, auf Slowenien zählen zu können. Deutschland und Slowenien wollen daher ihre Unterstützung der Ukraine in ihrem Abwehrkampf gegen den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russlands verstärken.
Das russische Militär weitet seine Angriffe auf zivile Ziele in der Ukraine aus. Im Fadenkreuz stehen die ukrainische Zivilbevölkerung, also auch Frauen, Kinder, Ältere, ihre Energieinfrastruktur und die Wärmeversorgung. Das ist insbesondere im Hinblick auf den herannahenden Winter prekär.
Daher komme es nun auf entschlossene Hilfe für die Ukraine an, um eine humanitäre Notlage im kommenden Winter zu verhindern, betonte Pistorius. Die Bundesregierung ist der größte militärische Unterstützer der Ukraine. Pistorius machte klar, dass Deutschland das angegriffene Land auch weiterhin in diesem Umfang unterstützen werde.
Pistorius stellte heraus, dass Slowenien sowohl bilateral als auch über den PURL-Mechanismus (Prioritized Ukraine Requirements List) einen wichtigen Beitrag zur Unterstützung der Ukraine leiste. Dabei geht es um Pakete mit Waffensystemen aus den USA, die Europa nicht hat, die die Ukrainer aber dringend brauchen, so auch Luftverteidigungssysteme. Slowenien habe beachtliche Materialabgaben geleistet – Kampf- und Schützenpanzer zum Beispiel.
Im Kontext der deutsch-slowenischen Unterstützungsleistungen ist die Ausbildungsmission EUMAM UA (EU Military Assistance Mission Ukraine) seit Beginn ihres Mandats im Jahre 2022 eine Erfolgsgeschichte. Pistorius brachte gegenüber seinem Amtskollegen seine große Wertschätzung für den slowenischen Beitrag zum Ausdruck. Die deutsch-slowenische Freundschaft sei ihm sehr, sehr wichtig.
Pistorius und sein slowenischer Amtskollege demonstrierten im Bendlerblock den Schulterschluss zweier enger Verbündeter und Partner in NATO und EU.
Innerhalb der Allianz übernehmen die europäischen Alliierten zusammen mit Kanada mehr Verantwortung für die Sicherheit Europas. Pistorius machte deutlich, dass es gerade jetzt auf die enge Kooperation dieser Alliierten ankomme – etwa bei den Investitionen in die Verteidigungsfähigkeit der NATO. Diese sei essentiell. Der Zusammenhalt des Bündnisses sei elementar und Aufgabe aller Alliierten. In diesem Kontext sah Pistorius Deutschland in einer besonderen Verantwortung.
Ein stärkeres Europa – für eine stärkere NATO: Das sind die Ergebnisse des Gipfeltreffens in der türkischen Hauptstadt Ankara.
Oberstes Ziel ist, die Abschreckungsfähigkeiten gegenüber Russland weiter zu stärken. Unter anderem durch die Aufstellung der Brigade Litauen, die nach Plan läuft. Pistorius machte in diesem Kontext deutlich, der NATO-Gipfel in Ankara habe ein starkes Zeichen des ungebrochenen Zusammenhalts der transatlantischen Allianz gesetzt. Dieses Signal sei auch gegenüber Moskau wichtig.
Deutschland und Slowenien seien einige und zuverlässige Partner in der NATO, so Boris Pistorius. Beide arbeiteten gemeinsam für eine starke NATO – eine NATO 3.0.
Der slowenische Verteidigungsminister Valentin Hajdinjak unterstrich in seinem Statement, Deutschland sei selbstverständlich einer der wichtigsten Partner Sloweniens. Deutschland baue seine eigene Verteidigungsfähigkeit aus und übernehme Verantwortung für Europas Sicherheit. Die Zukunft der Ukraine sei grundlegend wichtig für Europa. Hajdinjak stellte in Aussicht, dass Slowenien auch weiterhin ukrainische Streitkräfte ausbilden werde. Slowenien und Deutschland gestalteten gemeinsam eine exzellente politische und militärische Zusammenarbeit. „Wir sollten sie weiter vertiefen“, so Hajdinjak im Verteidigungsministerium.
| Angesichts der gestiegenen Bedrohung durch Russland haben sich die NATO-Alliierten neue Fähigkeitsziele gesetzt. Sie einigten sich beim NATO-Gipfel in Ankara auf eine Zielquote von 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für ihre Verteidigungsausgaben bis 2035. Deutschland will dieses Ziel bereits 2029 erreichen. Weitere 1,5 Prozent des BIP sollen von den Partnern jährlich für sogenannte verteidigungs- und sicherheitsrelevante Ausgaben bereitgestellt werden, bisher ohne zeitliche Zielmarke. Aus diesem Budget können beispielsweise bestimmte Schutzmaßnahmen im Bereich des Zivilschutzes oder zur Industrieförderung finanziert werden. |
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von Jörg Fleischer