Eine Rakete startet vom Boden aus, die Abschussvorrichtung ist durch die Rauchentwicklung nicht zu erkennen.
© Bundeswehr/Torsten Kraatz
KategorieSicherheitspolitik

Ukraine Future Forces Initiative: Fähigkeitsaufbau für die Ukraine

Deutschland engagiert sich in mehreren sogenannten Capability Coalitions zum strukturierten und langfristig angelegten Fähigkeitsaufbau der ukrainischen Streitkräfte. In zwei dieser Fähigkeitskoalitionen hat Deutschland eine Führungsrolle übernommen: Luftverteidigung und gepanzerte Fahrzeuge.

Mit einer Initiative für die künftigen Kräfte der Ukraine wird die militärische Unterstützung für die ukrainischen Sicherheits- und Verteidigungskräfte besser koordiniert. An dieser Ukraine Future Forces Initiative beteiligen sich insbesondere die in der Ukraine-Kontaktgruppe UDCGUkraine Defence Contact Group organisierten Staaten. Diese wird auch als „Ramsteinformat“ bezeichnet. Im Zuge der Initiative haben sich im Winter 2023/2024 Fähigkeitskoalitionen gebildet. An jeder dieser Capability Coalitions beteiligen sich mehrere Länder und es gibt mindestens eine Führungsnation. Bis März 2024 wurden acht Fähigkeitskoalitionen gebildet:

Zunächst wurden innerhalb der Fähigkeitskoalitionen Arbeitsgruppen eingerichtet, um Meilensteine und Roadmaps zu erarbeiten. Dabei gilt es festzulegen, in welchen Zeiträumen spezifische Fähigkeiten in welcher Qualität und Quantität aufgebaut werden. Das ukrainische Militär ist in diesen Prozess eng eingebunden. In der Regel wird von der Führungsnation ein Steuerungselement zur Verfügung gestellt, das die Sekretariatsfunktionen übernimmt. Bei den regelmäßigen Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe wird über die Arbeit der Fähigkeitskoalitionen berichtet.

Capability Coalition Integrated Air and Missile: Wirksame Luftverteidigung aufbauen

Gemeinsam mit Frankreich hat Deutschland die Führungsrolle in der Capability Coalition Integrated Air and Missile Defence (CapCo IAMDCapability Coalition Integrated Air and Missile Defence) übernommen. Ziel ist, die Ukraine in die Lage zu versetzen, sich wirksam und dauerhaft gegen russische Luftangriffe zu verteidigen. Bevölkerung, Streitkräfte und Infrastruktur sollen mit effektiven Luftverteidigungssystemen vor Flugkörpern geschützt werden, denn Russland greift die Ukraine intensiv mit Drohnen, ballistischen Raketen, Marschflugkörpern und Hyperschallflugkörpern an. 

Der Aufbau der ukrainischen Luftverteidigung soll nach NATONorth Atlantic Treaty Organization-Standards erfolgen. Die Fähigkeitskoalition hat drei Arbeitsgruppen: Deutschland hat die Führung der Gruppe „Training“, Frankreich die der Gruppe „Kommandostruktur“ und die USA die der Gruppe „Systeme“ übernommen. Mit Stand März 2024 engagieren sich 15 Länder in der Fähigkeitskoalition integrierte Luftverteidigung.

Deutschland entwickelt derzeit in Zusammenarbeit mit anderen internationalen Partnern den Steuerungsrahmen für die Fähigkeitskoalitionen. Alle Fähigkeitskoalitionen werden die Interoperabilität der ukrainischen und NATONorth Atlantic Treaty Organization-Kräfte verbessern.
Deutsch-ukrainische Sicherheitsvereinbarung

Deutschland kann in dieser Fähigkeitskoalition seine speziellen Erfahrungen im Bereich der Luftverteidigung einbringen. Bereits mit der European Sky Shield Initiative ESSIEuropean Sky Shield Initiative wurde von Deutschland ein entsprechendes Projekt zum Aufbau eines europäischen Luftverteidigungssystems angestoßen. Außerdem werden ukrainische Kräfte in Deutschland ausgebildet, um Waffensysteme wie PatriotPhased Array Tracking Radar to Intercept on Target, IRIS-T oder den Flugabwehrkanonenpanzer Gepard zu bedienen und zu warten. Dieses Material sowie die notwendigen Lenkflugkörper und Munition wurden seit der russischen Invasion auch von Deutschland in hohem Umfang an die Ukraine geliefert – vonseiten der Industrie als auch aus Bundeswehrbeständen.

Führungsrolle bei gepanzerten Fahrzeugen

In der von Polen geführten Fähigkeitskoalition zu gepanzerten Fahrzeugen hat Deutschland gemeinsam mit Italien den Co-Lead übernommen. Deutschland hat bereits zahlreich geschützte und gepanzerte Gefechtsfahrzeuge an die Ukraine geliefert, die sich im Kriegseinsatz bewährt haben. Dazu gehören zum Beispiel neben Kampfpanzern Leopard 2 sowie Leopard 1 auch Schützenpanzer Marder und Transportfahrzeuge vom Typ Dingo. Bei der europäischen Trainingsmission EUMAMEuropean Union Military Assistance Mission UA werden die Besatzungen und ganze Panzerkompanien in Deutschland von der Bundeswehr ausgebildet. 
Deutschland beteiligt sich außerdem an den Fähigkeitskoalitionen Artillerie, maritime Sicherheit, Minenräumung, ITInformationstechnik und Drohnen.

Ein Fahrschulpanzer Leopard 1 A5 aus der Froschperspektive

In Deutschland werden ukrainische Kampfpanzerbesatzungen ausgebildet

© Bundeswehr

Deutschland leistet langfristig Hilfe

Die deutsch-ukrainische Sicherheitsvereinbarung bekräftigt, dass Deutschland die Ukraine so lange wie nötig bei ihrer Verteidigung gegen den russischen Angriffskrieg unterstützen wird. Es geht aber auch darum, die Widerstandsfähigkeit der Ukraine zu erhöhen und eine wirksame Abschreckung gegen künftige Angriffe aufzubauen. Deutschland wird deshalb gemeinsame Beschaffungen und Rüstungskooperation mit europäischen und internationalen Partnern weiter fördern.

von Florian Manthey

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