Boris Pistorius und Jaromír Zůna schreiten die Ehrenformation ab.
© Bundeswehr/Christoph Kassette
KategorieBilaterale Beziehungen

Antrittsbesuch: Pistorius empfängt tschechischen Verteidigungsminister in Berlin

Verteidigungsminister Boris Pistorius hat am 9. Juni 2026 seinen tschechischen Amtskollegen Jaromír Zůna zu dessen Antrittsbesuch im Berliner Bendlerblock empfangen. Hintergrund des Besuchs war der Austausch zu aktuellen verteidigungspolitischen Fragen und Herausforderungen. Es war zudem das erste persönliche Treffen zwischen den beiden Ministern.

Thematische Schwerpunkte der Gespräche zwischen Pistorius und Zůna bildeten die weitere Unterstützung der Ukraine, die bilaterale Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Tschechien, Kooperationen im Bereich Rüstung, der Austausch zur Lage im Nahen und Mittleren Osten sowie der NATO-Gipfel 2026 in Ankara. Im Anschluss gaben beide Minister ein gemeinsames Statement. Tschechien, so Pistorius in Berlin, sei nicht einfach nur ein Nachbar – sondern ein wichtiger strategischer Partner in Europa.

Verteidigungsminister Boris Pistorius und sein tschechischer Amtskollege Jaromír Zůna beim Statement im Berliner Bendlerblock am 9. Juni 2026. Zuvor tauschten sich die beiden Minister zu aktuellen verteidigungspolitischen Fragen und Herausforderungen aus.

Deutschland, Tschechien und die Ukraine

Tschechien und Deutschland unterstützen beide die Ukraine in ihrem Abwehrkampf gegen den russischen Aggressor. Minister Pistorius betonte an dieser Stelle, wie sehr Deutschland die konstruktive und transparente Zusammenarbeit mit Tschechien schätze. Dabei hob er die tschechische Munitionsinitiative hervor, die einen essenziellen Beitrag zur Versorgung der Ukraine mit dringend benötigter Munition leiste und die Deutschland auch weiterhin umfänglich unterstützen werde. „Deutschland wird sich an dieser Initiative mit weiteren 300 Millionen Euro beteiligen – das sind circa 50.000 Schuss weitreichende Munition“, so der Minister.

Auch die substanziellen Beiträge Tschechiens zum Ausbildungsprogramm EUMAM UA seien ein wichtiger Beitrag. Pistorius und Zůna vereinbarten in Berlin, den Erfahrungsaustausch zum Krieg in der Ukraine weiter zu intensivieren, um so die Anpassungs- und Innovationsfähigkeit ihrer Streitkräfte zu stärken.

Bilaterale Zusammenarbeit weiterentwickeln

In Berlin waren sich beide Seiten zudem einig, die bilaterale Zusammenarbeit weiter auszubauen und diese an die neuen sicherheits- und verteidigungspolitischen Realitäten in Europa anzupassen. Ob im Rahmen des Framework Nations Concept Schulter an Schulter in der durch Deutschland geführten Brigade in Litauen oder bei Übungen wie Air Defender 2027: Die Zusammenarbeit der deutschen und tschechischen Streitkräfte fußt auf einer seit Jahren gefestigten und engen Partnerschaft.

Tschechien, so Jaromír Zůna, konzentriere sich derzeit auf die Modernisierung seiner Streitkräfte, was eine weitere Chance biete, die Partnerschaft mit Deutschland noch weiter auszubauen und zukunftsfest zu machen: „Wir haben uns heute dazu entschieden, unsere praktische Zusammenarbeit weiter zu stärken.“

Großes Potenzial bei Rüstungszusammenarbeit

Ein gemeinsames Rüstungsprojekt der beiden Länder ist der Kampfpanzer Leopard 2 A8. Durch die Beschaffung von 44 der neuesten Version dieses Panzers möchte Tschechien seine Kampfpanzerflotte grundlegend modernisieren. Die Beschaffung läuft bereits, die Fahrzeuge werden zwischen 2030 und 2032 erwartet. Indem auch die tschechische Industrie nachhaltig in die Produktion einbezogen wird, werden resiliente Lieferketten für alle Leopard-Nutzerstaaten geschaffen. Pistorius bekräftigte in Berlin einmal mehr: Der Ausbau der Kooperation auch zwischen den Sicherheits- und Verteidigungsindustrien stärke nicht nur die Produktionsbasis, sondern diene auch der Interoperabilität zwischen den Verbündeten und trage damit zur Stärkung der europäischen Verteidigungsfähigkeit bei.

Blick in den Nahen und Mittleren Osten

Tschechien und Deutschland sind Unterzeichnerstaaten des Joint Statements „Multinational Military Mission for the Strait of Hormuz“. Gemeinsam mit 25 weiteren Partnernationen bekräftigen sie darin ihre Entschlossenheit, sich für die Freiheit der Schifffahrt in der Straße von Hormus einzusetzen. Die Mission soll die andauernden und weiterhin im Mittelpunkt stehenden diplomatischen Bemühungen und Deeskalationsmaßnahmen ergänzen.

NATO: „Burden Shifting“ sichtbar machen

Zum Ende des Besuchs sprachen die beiden Minister auch über den anstehenden NATO-Gipfel in der türkischen Hauptstadt Ankara. Klares, gemeinsames Ziel sei es, dort ein Zeichen der Geschlossenheit zu setzen. Wichtig bleibe ein enger Austausch mit den USA und das verstärkte Engagement der europäischen Partner. 

von Lara Finke

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