Von der Leyen schreitet die Front ab
© Bundeswehr/Sebastian Wilke
KategoriePersonal

Tradition verpflichtet

Es ist der erste Höhepunkt ihrer jungen Militärkarriere. 355 Soldatinnen und Soldaten stehen schnurgerade in Dreierreihen auf dem Paradeplatz des Verteidigungsministeriums in Berlin. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat mit Generalinspekteur Eberhard Zorn die Aufstellung abgeschritten, jedem Rekruten fest in die Augen geschaut. Nun sitzt die Ministerin in der ersten Reihe der Tribüne neben Jesuitenpater Klaus Mertes, dem Ehrengast. Ein Fernsehsender überträgt live, das Musikkorps der Bundeswehr sorgt für die passende Begleitung.

Die Soldaten kommen aus Berlin, Burg und Bremerhaven, aus Storkow, Weißenfels und Viereck. Andere sind aus Mittenwald und Murnau, aus Germersheim und aus Roth angereist. Rund 1.700 Gäste – Kameraden, Freunde und Angehörige – sind dabei, als sich die Rekruten aus allen Teilstreitkräften der Bundeswehr zu ihrer Grundpflicht nach dem Soldatengesetz bekennen: „Ich gelobe, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen.“

Soldaten bei feierlichem Appell

Rund 360 Rekrutinnen und Rekruten der Bundeswehr legen beim feierlichen Appell ihr Gelöbnis auf dem Paradeplatz des Bundesministeriums der Verteidigung in Berlin ab.

© Bundeswehr / Sebastian Wilke

Stauffenberg als Vorbild

Das Feierliche Gelöbnis im Bendlerblock ist Höhepunkt des Gedenkens zum 74. Jahrestag des Attentats auf Adolf Hitler. Am 20. Juli 1944 hatte Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg einen Sprengsatz gezündet, um den Diktator zu töten und mit einer Gruppe von Offizieren die Macht in Deutschland zu übernehmen.

Die Militärs hatten erkannt, dass der Zweite Weltkrieg für Deutschland nicht mehr zu gewinnen war – doch das Attentat scheiterte. Noch in der Nacht wurden der Oberst und drei Mitstreiter im Hof des Bendlerblocks erschossen. Bevor das Regime im Mai 1945 zusammenbrach, mussten weitere Millionen sterben.

Stauffenbergs Attentat ist Symbol des militärischen Widerstandes gegen den Nationalsozialismus, das Gedenken an den 20. Juli gehört zu den großen Traditionen der Bundeswehr. An seinem Vorbild sollen sich die Rekruten ein Beispiel nehmen. „Sie übernehmen eine große Aufgabe und eine besondere Verantwortung für unser Land“, sagte die Ministerin in ihrer Ansprache.

Stauffenberg und seine Mitstreiter seien für Recht, Freiheit und Menschenwürde gestorben. „Sie haben sich verpflichtet, diese Werte zu leben, zu schützen und zu verteidigen“, sagte von der Leyen den Rekruten. In Zeiten „nationaler Egoismen“ sei es wichtiger denn je, dass die Bundeswehr für den Frieden in Deutschland und der Welt einstünde. Den Rekruten komme dabei eine wichtige Rolle zu, so die Ministerin. „Sie sind die Zukunft unserer Bundeswehr. Sie werden sie mit ihrer Persönlichkeit und ihrer Haltung prägen.“

Mertes am Rednerpult

Ehrengast Pater Klaus Mertes erinnert an das Vermächnis des Widerstandes.

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Jesuitenpater appelliert an Gewissen

Die Ministerin hatte den Gedenktag mit einem Gottesdienst in der Gedenkstätte Plötzensee begonnen. In dem ehemaligen Gefängnis in Berlin-Moabit waren in den zwölf Jahren des Dritten Reichs fast 3.000 politische Gefangene hingerichtet worden, darunter auch 89 von Stauffenbergs Mitstreitern. Später hatte die Ministerin im Kreis ihrer Kabinettskollegen einen Kranz niedergelegt und sich mit Vertretern der Stiftung 20. Juli 1944 getroffen, die das Gedenken an die Opfer des Naziregimes am Leben erhält.

Von der Leyen gibt Soldaten die Hand

Ursula von der Leyen, Pater Klaus Mertes und General Eberhard Zorn beglückwünschen Rekrutinnen und Rekruten nach dem Ablegen des Gelöbnisses.

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Ehrengast Klaus Mertes sitzt im Kuratorium der Stiftung. Er hatte in den 1970er Jahren im Stabsmusikkorps der Bundeswehr gedient, nun sprach der Pater den Rekruten ins Gewissen. „Die Taten der Hingerichteten waren Bekenntnisse zum Leben, nicht zum Tod“, sagte er in seiner Ansprache. Sie hätten hingebungsvoll, loyal und gewissenhaft gehandelt – auch wenn sie von manchen Zeitgenossen als Verräter diffamiert worden seien. „Sie verstanden sich als Repräsentanten eines anderen Deutschlands“, sagte der Pater. Wie die Attentäter des 20. Julis sollten die Rekruten auf ihr Gewissen hören – und entsprechend handeln.

Nach dem Feierlichen Gelöbnis treten sechs Rekruten stellvertretend für ihre Kameraden vor, um die Glückwünsche der Ministerin, des Generalinspekteurs und von Pater Mertes zu empfangen. Als die Zeremonie zu Ende ist, bringen die Soldaten reihum die Schlachtrufe ihrer Kompanien aus. Dann laufen ihre Angehörigen auf den Paradeplatz, um sie in die Arme zu schließen.

von Timo Kather

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