Sicherheit im Nordatlantik und in der Arktis
Deutschland engagiert sich im Hohen Norden für die territoriale Integrität seiner Alliierten und die sichere Nutzung neuer Handelswege.
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Verteidigungsminister Boris Pistorius hat auf der MSCMunich Security Conference das gemeinsame Engagement für Sicherheit im Nordatlantik und in der Arktis bekräftigt. Deutschland beteiligt sich an der NATONorth Atlantic Treaty Organization-Mission im Hohen Norden und hat mit einigen Verbündeten eine maritime Sicherheitspartnerschaft.
Die Spotlight Session „Arctic Security“ am 14. Februar 2026 auf der Münchner Sicherheitskonferenz thematisierte die wachsende strategische Bedeutung der Arktis vor dem Hintergrund des Klimawandels, neuer Schifffahrtsrouten und intensiverer geopolitischer Konkurrenz. Die dänische Premierministerin Mette Frederiksen begrüßt die neue NATONorth Atlantic Treaty Organization-Mission Arctic Sentry: „Es ist gut hier zu sein, bevor Dinge passieren.“ Es ist eine Anspielung auf die russischen und chinesischen Aktivitäten in der Region. Auch für den Premierminister Grönlands, Jens-Frederik Nielsen, ist es ein Schritt in die richtige Richtung. „Aus der grönländischen Perspektive haben wir für viele Jahre in Frieden und spannungsfrei gelebt“, so Nielsen. Allerdings würde es kaum noch Regionen in der Welt ohne Krisen oder Konflikte geben. Die Grönländer seien nicht naiv und wüssten, was um sie herum passiert.
Im Falle einer Eskalation in Europa würde Russland höchstwahrscheinlich seine Nordflotte einsetzen, um eine zweite Front zu eröffnen, die transatlantischen Nachschubwege zu unterbrechen und beide Seiten des Atlantiks mit Atom-U-Booten zu bedrohen.
Arctic Sentry („Wächter der Arktis“) ist eine kürzlich gestartete NATONorth Atlantic Treaty Organization-Mission zur Stärkung der Sicherheit und Präsenz im Hohen Norden. Mit ihr werden NATONorth Atlantic Treaty Organization-Aktivitäten koordiniert um russischem und chinesischem Einfluss in der Arktis entgegenzuwirken und vor allem die Stabilität in der strategisch wichtigen Region zu sichern. Verteidigungsminister Pistorius erklärte in der Runde, dass die Mission einen Rahmen für das Engagement der NATONorth Atlantic Treaty Organization-Mitglieder gebe, um Beiträge einzusteuern. Deutschland beteiligt sich zunächst mit Eurofighter-Kampfjets und einem Transportflugzeug A400M an der Mission. Das hatte Pistorius zu Konferenzbeginn angekündigt.
Anita Anand, die kanadische Außenministerin beschrieb im Panel, wie Russland seine Infrastruktur immer weiter nach Norden ausdehnt seit der Vollinvasion der Ukraine 2022. Besorgniserregend sei insbesondere die wachsende Zusammenarbeit zwischen Russland und China in der Arktis, sagte die US-Senatorin Lisa Murkowski. Boris Pistorius hat auf der Konferenz bereits herausgearbeitet, welche Bedeutung der Hohe Norden für die NATONorth Atlantic Treaty Organization hat. Zwar liege der Fokus der Abschreckungs- und Verteidigungsfähigkeiten auf der Ostflanke, „entscheidend“ sei aber auch die Kontrolle über die Schifffahrtsrouten im Nordatlantik. Der Zugang zum Nordatlantik „ist wesentlich für unsere Sicherheit“, so der Minister im Panel zur Arctic Security.
Deutschland hat sein Engagement für Sicherheit im Hohen Norden in den vergangenen Jahren immer weiter intensiviert. Mit Dänemark, Norwegen und Kanada wurde eine maritime Sicherheitspartnerschaft eingegangen, die auch weiteren Verbündeten offensteht. Die Zusammenarbeit geht über konkrete militärische Beiträge hinaus, denn auch gemeinsame Rüstungs- und Beschaffungsprojekte bilden hier einen Schwerpunkt. Beispielgebend dafür ist das gemeinsame U-Boot-Projekt mit Norwegen.
Angesichts dieser Sicherheitslage sei der auf Grönland ausgeübte Druck inakzeptabel, stellte Frederiksen klar. Sie meint damit die Äußerungen des US-Präsidenten zum Status Grönlands. Dass der mächtigste Verbündete die territoriale Integrität eines anderen NATONorth Atlantic Treaty Organization-Mitglieds infrage stellt, sei unglaublich, betonte Minister Pistorius in der Veranstaltung. Bereits in seiner Rede auf der Konferenz hatte er deutlich formuliert, dass so ein Vorgehen die Allianz beschädige und eher die Gegner stärke. Aber die europäischen Verbündeten hätten innerhalb von wenigen Tagen mit ihren Beiträgen und ihrer Solidarität zu Grönland und Dänemark reagiert.
von Florian Manthey