Die deutsche Brigade in Litauen – Fragen und Antworten
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Der neue litauische Verteidigungsminister Robertas Kaunas hat sich bei seinem Antrittsbesuch in Berlin mit seinem deutschen Amtskollegen Boris Pistorius über die sicherheitspolitische Lage an der NATONorth Atlantic Treaty Organization-Ostflanke und die weitere bilaterale Zusammenarbeit ausgetauscht.
Im Mittelpunkt der Gespräche standen die sicherheitspolitische Lage in Nordosteuropa, die Unterstützung der Ukraine, die Zusammenarbeit im Bündnis sowie die weitere Vertiefung der deutsch-litauischen Verteidigungskooperation. Dabei würdigten beide Seiten die enge Abstimmung innerhalb der NATONorth Atlantic Treaty Organization und betonten, wie wichtig verlässliche Partner für die kollektive Verteidigung sind.
Ein weiterer Schwerpunkt des Austauschs war die praktische Umsetzung gemeinsamer Vorhaben. Dazu zählt vor allem die Brigade Litauen, aber auch Fragen der Fähigkeitsentwicklung sowie Aspekte der logistischen und industriellen Unterstützung.
Vor dem Hintergrund der veränderten sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen nach Russlands Überfall auf die Ukraine unterstrichen beide Minister die Notwendigkeit, Verteidigungsfähigkeit konsequent weiterzuentwickeln und Investitionen zielgerichtet umzusetzen. Pistorius kündigte an, dass die Multinationale Battlegroup – ein gemischter Kampfverband aus derzeit rotierend acht NATONorth Atlantic Treaty Organization-Ländern – am 4. Februar 2026 in die in Litauen stationierte Panzerbrigade 45 überführt wird. „Wir schätzen die enge und vertrauensvolle bilaterale Zusammenarbeit. Diese werden wir weiter ausbauen: Sowohl bei der Ausbildungs- und Übungskooperation als auch bei der Beschaffung von Material, wie beispielsweise dem Panzer Leopard 2. Und auch bei der Fähigkeit, Truppen schnell an die Ostflanke zu verlegen – im Rahmen des Projekts military mobility“, hob Pistorius hervor.
Die Gespräche machten deutlich, dass politische Abstimmung, industrielle Kapazitäten und militärische Präsenz zusammengedacht werden müssen, um die Einsatzbereitschaft der Streitkräfte nachhaltig zu stärken. Der litauische Verteidigungsminister erklärte dazu: „Heute stärken Litauen und Deutschland die neue Sicherheitsinfrastruktur Europas. Wir müssen unsere Zusammenarbeit fortsetzen und vertiefen. Die Führungsrolle Deutschlands beim Schutz der östlichen NATONorth Atlantic Treaty Organization-Flanke ist von unschätzbarem Wert.“
Litauen und Deutschland sind strategische Partner. In den vergangenen Jahren wurde die sicherheits- und verteidigungspolitische Zusammenarbeit angesichts der veränderten sicherheitspolitischen Lage deutlich intensiviert. Ein zentrales Element dieser Kooperation ist die Stationierung einer deutschen Brigade in Litauen. Das Land hat sich verpflichtet, die erforderliche Infrastruktur für die Panzerbrigade 45 bereitzustellen. Der Ausbau des Militärstützpunkts in Rūdninkai schreitet planmäßig voran, erste Bauabschnitte liegen bereits vor dem Zeitplan. Die Verträge für die zweite Bauphase wurden Mitte Januar unterzeichnet. Volle Einsatzbereitschaft soll der Großverband in 2027 erreichen.
Darüber hinaus kooperieren beide Länder eng im Bereich der Verteidigungsindustrie. Das litauische Verteidigungsministerium hat hierzu ein Memorandum über die industrielle Zusammenarbeit zur Einrichtung von Montage- und Wartungskapazitäten für Kampfpanzer des Typs Leopard 2A8 in Litauen unterzeichnet. Denn Litauen beschafft den Leopard 2 Kampfpanzer in seiner modernsten Version, die ebenfalls von der Panzerbrigade 45 eingesetzt wird.
Der Antrittsbesuch von Kaunas in Berlin unterstreicht die enge Partnerschaft zwischen Deutschland und Litauen sowie das gemeinsame Interesse an einer stabilen und glaubwürdigen Abschreckung im Bündnis.
von Egbert Sass