Eine Kompassnadel zeigt auf das Wort "Trend"
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Krisenfrüherkennung Bundeswehr: Verstetigt, vernetzt, verbessert

Die Streitkräfte nutzen Analysesoftware zur Identifikation krisenhafter Entwicklungen schon seit längerem. Wegen der aktuellen Krisenlage soll dieses Instrument verfeinert werden. Konflikte besser verstehen, früher präventiv handeln und Krisen verhindern – hierfür wird das Projekt Kompetenzzentrum Krisenfrüherkennung an der Bundeswehr-Universität München nun zur festen Größe.

Frühe, systematisch betriebene Analyse potenziell krisenhafter Entwicklungen ermöglicht frühzeitige Präventionsmaßnahmen. Dieses Verständnis von Krisenfrüherkennung – „early warning, early action“ – ist bereits seit 2017 fester Bestandteil der Außen-, Sicherheits- und Entwicklungspolitik der Bundesregierung und in einem ressortübergreifenden Verfahren verankert. In diesem System gibt es jetzt einen neuen Akteur, der dem Bundesministerium der Verteidigung (BMVgBundesministerium der Verteidigung) unterstellt ist.

Bundeswehr-Kompetenzzentrum Früherkennung jetzt feste Größe

Das im Oktober 2020 als Pilot gestartete Kooperationsprojekt des BMVgBundesministerium der Verteidigung mit der Universität der Bundeswehr München Kompetenzzentrum Krisenfrüherkennung (KFEKompetenzzentrum Krisenfrüherkennung) soll nun dauerhaft etabliert werden. Das Zentrum betreibt wissenschaftlich fundierte interdisziplinäre Grundlagenforschung zu innovativen Methoden und relevanten Schlüsseltechnologien (Advanced Analytics, Künstliche Intelligenz (KIKünstliche Intelligenz)). Die Daten hierfür speisen sich aus öffentlich frei zugänglichen Quellen, die das BMVgBundesministerium der Verteidigung um höher eingestufte ergänzt. In Zusammenarbeit mit dem Auswärtigen Amt trägt es dazu bei, ITInformationstechnik-basierte Krisenfrüherkennung mit quantitativen Methoden weiterzuentwickeln.

Damit leisten die Streitkräfte einen weiteren, auf Dauer angelegten Beitrag zu erfolgreicher Risikopotenzialanalyse und Krisenprävention. Themen, Regionen oder Länder, die bisher nur unterhalb des politischen und öffentlichen Radars liefen, erhalten so die nötige Aufmerksamkeit. Das schafft größere Handlungsspielräume und mehr Ansatzpunkte für die Krisenvermeidung.

„Frühwarnsystem“ des Bundes

Heißt Gefahr erkannt auch Gefahr gebannt? Klar ist: Da weltweit die Zahl krisenhafter Entwicklungen und Konflikte zunimmt, gelingt Krisenfrüherkennung und -prävention nur noch ressortgemeinsam. Je valider und umfassender die Datengrundlage, je besser die Koordinierung und Vernetzung der Fachexpertise der Ressorts, desto besser die Entscheidungsvorbereitung. Die Verstetigung des KFEKompetenzzentrum Krisenfrüherkennung-Kompetenzzentrums soll dazu beitragen, die fachspezifischen Instrumente des Bundes zu verfeinern und sich auch auf internationaler Ebene enger zu vernetzen.

Das Auswärtige Amt hat hierfür mit PREVIEW (Prediction, Visualization, Early Warning), also der Prognose, Visualisierung und Frühwarnung, ein auf KIKünstliche Intelligenz basierendes Instrument zur Entwicklung von Vorhersagemodellen geschaffen, das zu relevanten Staaten mit erhöhtem Krisenpotenzial Informationen für die Krisenfrüherkennung liefert. Kombiniert mit den Hinweisen der Länder- und Fachreferate sowie Auslandsvertretungen des AAAuswärtiges Amt ergibt dies ein Gesamtbild.

Ein ähnliches computergestütztes Assistenzsystem entwickelt das Bundesministerium der Verteidigung ( BMVgBundesministerium der Verteidigung) derzeit unter dem Namen ITInformationstechnik-Unterstützung Krisenfrüherkennung. Die koordinierte wissenschaftliche Weiterentwicklung dieser digitalen Werkzeuge und den Aufbau von Methodenkompetenz im Bereich der quantitativen Krisen- und Konfliktforschung übernimmt bisher das Pilotprojekt Kompetenzzentrum Krisenfrüherkennung der Universität der Bundeswehr in München.

Das Bundesministerium für Entwicklung wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZBundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) stützt seine Krisenfrüherkennungsprognosen auf eigene Analyseinstrumenten globaler Reichweite, die es regelmäßig weiterentwickelt. Dazu gehören die jährliche länderbezogene qualitative Eskalationspotenzialanalyse, die politökonomischen Kurzanalysen und der interne Prozess zur Beobachtung und Bewertung der Situation in Partnerstaaten der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Nach Anpassung seines Krisenfrühwarnungsinstrumentariums in 2018 nutzt das BMZBundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung mittlerweile auch zusätzlich eine wissenschaftliche Quelle, die jährlich erstellte Eskalationspotenzialanalyse des Leibniz-Instituts für globale und regionale Studien.

Computergestützte Prognosen: Was geht?

Lässt sich das genaue Datum eines Krieges vorhersagen, wenn sich der richtige Algorithmus findet? Selbst die leistungsfähigsten, auf KIKünstliche Intelligenz gestützten Instrumente zur Analyse großer Datenmengen (Big Data) können dies nicht leisten. Schon gar nicht ohne Einbeziehung menschlichen Sachverstandes. Nur die Kombination innovativer Methoden mit Expertenwissen ergibt ein vollständiges Lagebild.

Prof. Dr. Carlo Masala ist im Portrait abgebildet.
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Vorausschau als Mittel gegen Unsicherheit

Computersysteme, die berechnen, wie wahrscheinlich Kriege und andere bewaffnete Konflikte in der Zukunft sind. Kann das funktionieren?

Welche Ergebnisse kann ITInformationstechnik-gestützte Krisenfrüherkennung überhaupt liefern? Inwieweit sind sie brauchbar, um rechtzeitige krisenpräventive Maßnahmen zu ermöglichen? Prof. Dr. Carlo Masala, Projektleiter im Kompetenzzentrum Krisenfrüherkennung an der Universität der Bundeswehr in München, hat hierauf eine differenzierte Antwort: „Ich wehre mich gegen die Formulierung, wir könnten Kriege vorhersagen. Das werden sie auch nie können. Aber sie können Informationen automatisiert auswerten und frühzeitig Hinweise auf krisenhafte Entwicklungen liefern, die in einer Konflikteskalation münden könnten.“ Entscheidend sei, ein Bewusstsein für Konfliktpotenziale zu schaffen und der Bundesregierung Entscheidungsgrundlagen an die Hand zu geben.

Auf den Tag genau sind Prognosen zum Ausbruch einer Krise oder ihrer Intensität also nicht möglich, Aussagen zur Wahrscheinlichkeit einer Eskalation schon. Betrachtet werden zudem nur sechs bis 18 Monate. Doch für dieses begrenzte Zeitfenster kann Krisenfrüherkennung, wie sie die Universität der Bundeswehr in München unter Leitung Masalas nun mit neuester Computersoftware dauerhaft betreiben wird, wichtige Impulse geben.

Trends erkennen: Herausforderung für die Zukunft

Krisenvorwarnzeiträume werden weltweit kürzer. Vor diesem Hintergrund muss sich Relevanz von Krisenfrüherkennung an sichtbaren Ergebnissen messen lassen. Im Idealfall an einer erfolgreichen friedlichen Bewältigung identifizierter Konfliktlagen. Die Bundesregierung wird sich deshalb verstärkt dafür einsetzen, nationale Krisenfrüherkennungsprozesse auf EUEuropäische Union-Ebene zu verknüpfen, um so die deutschen Sensorik- und Analysefähigkeiten weiter zu verfeinern. Eine weitere Herausforderung ist der engere Austausch mit OSZEOrganisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa und NATONorth Atlantic Treaty Organization.

von Christina Moritz

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