Group of Five: Den NATO-Gipfel im Blick
Deutschland, Polen, Großbritannien, Frankreich und Italien stimmen vor dem NATO-Gipfeltreffen ihre verteidigungspolitischen Positionen ab.
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Verteidigungsminister Boris Pistorius ist am 17. Juni 2026 zu seinem polnischen Amtskollegen Władysław Kosiniak-Kamysz nach Warschau gereist. In der polnischen Hauptstadt zeichneten die beiden Minister ein neues Verteidigungsabkommen zur Stärkung der militärischen Zusammenarbeit – in allen Dimensionen.
Polen gilt als einer der wichtigsten deutschen Nachbarn, Partner und Alliierten. Die deutsch-polnische Zusammenarbeit ist in Europa beispielgebend und sendet ein deutliches Signal: Deutschland und Polen stehen zusammen, komme was wolle.
Das Vertrauen zwischen Deutschland und Polen ist stark. Wir müssen es stark halten, wir dürfen es nicht schlecht reden lassen. Denn es geht um nicht weniger als darum, die Sicherheit Europas auf dieser starken Achse zwischen Polen und Deutschland zu gewährleisten.
Am 17. Juni 1991 wurde in Bonn der deutsch-polnische Nachbarschaftsvertrag gezeichnet – nach dem Ende des Kalten Krieges ein entscheidender Schritt der Versöhnung. Neben den wirtschaftlichen Beziehungen war die Verteidigungspolitik von Beginn an einen Schwerpunkt der guten Nachbarschaft. Diese basiert auf einem gemeinsamen Verständnis von Sicherheit – bilateral und im Rahmen von NATO und EU. Heute, 35 Jahre später, fordert die Bedrohungslage mehr denn je ein geschlossenes Auftreten. Es sei daher nur konsequent, die deutsch-polnische Zusammenarbeit mit dem neuen Verteidigungsabkommen auf ein neues Fundament zu stellen, betonte Pistorius in Warschau.
Das in Warschau gezeichnete Verteidigungsabkommen ersetzt und erweitert die Rahmenvereinbarung vom Oktober 2011. Denn, so Verteidigungsminister Pistorius, seit 2011 habe sich viel getan – vor allem was die sicherheits- und verteidigungspolitische Lage angehe. „Mit dem neuen Abkommen berücksichtigen wir nicht nur die neuen sicherheitspolitischen Realitäten, wir schlagen auch ein weiteres Kapitel in der Geschichte unserer engen Freundschaft auf. Polen und Deutschland übernehmen gemeinsam Verantwortung für die Sicherheit in Europa“, unterstrich der Minister.
| Gelebte Freundschaft |
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| Seit 2014, mit der wachsenden Bedrohung durch Russland, hat sich die Zusammenarbeit der deutschen und polnischen Streitkräfte nochmals intensiviert: So trägt die Bundeswehr regelmäßig zum Schutz des polnischen Luftraums an der NATO-Ostflanke bei – zuletzt im Rahmen des Air Policing North in Malbork. Ab Juli 2026 werden deutsche Pionierkräfte zudem den Bau des „Eastern Shield“ an der Grenze zu Russland und Weißrussland unterstützen. Und auch im Multinationalen Korps Nordost in Stettin oder bei der gemeinsamen Führung des Commander Task Force Baltic arbeiten Soldatinnen und Soldaten beider Länder eng zusammen. |
Das neue Warschauer Abkommen sieht eine den aktuellen Herausforderungen angepasste Verteidigungszusammenarbeit vor: breit angelegt, ambitioniert und zukunftsfähig.
In dem Abkommen bekräftigen die beiden Länder, dass die Sicherheit Deutschlands und die Polens untrennbar miteinander verbunden sind. Gemeinsames Ziel seien der Schutz der NATO-Ostflanke und die Abschreckung gegenüber Russland. „Wir wissen um unsere Verantwortung und wir wissen beide, dass eine wirkungsvolle Abschreckung an der Ostflanke ohne eine starke deutsch-polnische Kooperation nicht denkbar ist“, hob Pistorius hervor.
Beide Seiten wollen ihre Zusammenarbeit deswegen über alle militärischen Dimensionen hinweg vertiefen – mit gemeinsamen Übungen, gegenseitiger logistischer Unterstützung, in der Begegnung hybrider Kriegführung bis hin zu Rüstung, Forschung und Entwicklung. Vor allem im Bereich Luftverteidigung wollen Deutschland und Polen ihre Kooperation noch weiter intensivieren – auch mit Blick auf Beschaffung und Fähigkeitsentwicklung. Als gemeinsame Nutzer des US-Flugabwehrsystems Patriot tauschen sich beide Länder eng zu einer Ausweitung der Produktionskapazitäten für entsprechende Lenkflugkörper in Europa aus. Weiterhin, versicherte Pistorius, bleibe die Ostsee ein Schwerpunkt der deutsch-polnischen Verteidigungszusammenarbeit: „Gemeinsam übernehmen wir Verantwortung für den Schutz kritischer Infrastruktur und der Seeverkehrswege.“
Als weiteres Beispiel der deutsch-polnischen Zusammenarbeit führte der Minister die Military Mobility an – diese sei zentral für die Verteidigung Europas. Im Kern gehe es darum, den Truppen- und Materialtransport durch die Transitländer zu erleichtern und zu entbürokratisieren. Im November, so Pistorius, würden deutsche Kräfte im Rahmen der Übung Grand Eagle 2026 eine Verlegung von Deutschland über Polen nach Litauen durchspielen. „Insgesamt werden 1.200 Soldatinnen und Soldaten und rund 60 Ketten- und 200 Radfahrzeuge auf den Straßen sein“, verkündete Minister Pistorius. Die Übung leistet einen Beitrag zur Abschreckung im Bündnis.
Ambitioniert, zukunftsfähig und der aktuellen Sicherheitslage entsprechend. Allem voran ist das neue deutsch-polnische Verteidigungsabkommen jedoch eines: Ein Bekenntnis zueinander.
von Lara Finke