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Bundeswehr/Marc TessensohnFür transatlantische Sicherheit: Die deutsch-kanadische Militärkooperation
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Deutschland und Kanada verbindet eine lange und enge Freundschaft. Auch militärisch haben die beiden Staaten ihre Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren immer weiter ausgebaut. Gemeinsame Bündnisverpflichtungen, die maritime Zusammenarbeit, Rüstungskooperationen sowie das Engagement an der NATONorth Atlantic Treaty Organization-Ostflanke prägen die militärische Kooperation. Weitere gemeinsame Projekte stehen in Aussicht.
Das deutsch-kanadische Verhältnis beruht auf gemeinsamen Wertvorstellungen und Grundüberzeugungen. 2026 feiern beide Länder das 75-jährige Bestehen ihrer diplomatischen Beziehungen. Beide Länder blicken dabei auf eine ausgezeichnete Kooperation in internationalen Gremien zurück. Aber Deutschland und Kanada engagieren sich auch in sicherheitspolitisch herausfordernden Zeiten weiterhin für den Erhalt der regelbasierten internationalen Ordnung. Der Grundstein für die besondere deutsch-kanadische Militärkooperation wurde bereits in der Nachkriegszeit gelegt: Seit Ende des Zweiten Weltkriegs waren bis 1993 insgesamt mehr als 300.000 kanadische Soldatinnen und Soldaten in Deutschland zum Schutz der Bundesrepublik stationiert.
Gemeinsame Verteidigung der Ostflanke
Deutschland und Kanada sind seit 1955 beziehungsweise 1949 NATONorth Atlantic Treaty Organization-Mitglieder und koordinieren seit Jahrzehnten ihre Beiträge zur kollektiven Verteidigung. In den vergangenen Jahren haben beide Länder ihre Arbeit im Bündnis jedoch noch weiter intensiviert, indem sie sich maßgeblich beim Schutz der NATONorth Atlantic Treaty Organization-Ostflanke engagieren. Spätestens seit dem völkerrechtswidrigen Angriff auf die Ukraine ist Russland wieder eine Bedrohung für die Mitglieder der Allianz – insbesondere im Baltikum.
Als Zeichen der Bündnissolidarität und zur Stärkung der Abschreckung- und Verteidigungsfähigkeit hat die NATONorth Atlantic Treaty Organization ihre Kräfte an der Ostflanke deshalb verstärkt: Deutschland, Kanada und Großbritannien übernehmen als Rahmennationen Verantwortung für die Führung multinationaler NATONorth Atlantic Treaty Organization-Truppen in Litauen, Lettland und Estland. Deutschland wird mit der Brigade Litauen dauerhaft einen Kampfverband im Gastgeberland stationieren. Zur Abstimmung der Bündnisaktivitäten im Baltikum wurde das 3+3-Format eingerichtet. Hier koordinieren die drei Rahmennationen ihre verteidigungspolitische sowie die militärische Zusammenarbeit bei Ausbildungen und Manövern mit den drei baltischen Gastgeberstaaten.
Sicherheitspartnerschaft im Hohen Norden
Auch die maritime Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Kanada gewinnt an Bedeutung. Gemeinsam mit Norwegen und Dänemark sind beide Länder Teil der Maritimen Sicherheitspartnerschaft (MSP) zur Stärkung der Sicherheit im Nordatlantik, die dieses Jahr zwei Jahre alt wird. Im Fokus stehen Aufklärung, U-Boot-Abwehr, Schutz kritischer Unterwasserinfrastruktur und gemeinsame Übungen vor allem der Seestreitkräfte der vier Verbündeten.
Die Bundesregierung wird ihre Rüstungskooperationen und gemeinsamen Beschaffungsinitiativen mit NATONorth Atlantic Treaty Organization- und EUEuropäische Union-Partnern im arktischen Raum fortführen und weiter ausbauen.
Ein Schwerpunkt der Kooperation im Hohen Norden ist die Überwachung der GIUKGreenland Iceland United Kingdom Gap-Lücke – ein strategischer Engpass zwischen Grönland, Island und dem Vereinigten Königreich. Sie bildet den Hauptzugang vom Europäischen Nordmeer in den Nordatlantik. Sie zu kontrollieren ist wichtig für die Überwachung von U-Booten, den Schutz transatlantischer Nachschubrouten und die Sicherheit kritischer Unterwasserinfrastruktur.
Vertiefung der Rüstungskooperation
Auch bei Rüstungsprojekten gibt es zwischen Deutschland und Kanada bereits jahrzehntelange Erfahrung. Beispielsweise setzt Kanada ebenfalls auf den Leopard 2 als Kampfpanzer. Rüstungszusammenarbeit erhöht die Interoperabilität der Truppe, vereinfacht die Ersatzteilversorgung und damit auch gemeinsame Einsätze. Künftig wird die Rüstungszusammenarbeit zwischen Deutschland und Kanada möglicherweise noch intensiver: Kanada prüft eine enge U-Boot-Kooperation mit Deutschland und Norwegen.
Diese Zusammenarbeit umfasst die gemeinsame Entwicklung, Beschaffung, Logistik und Ausbildung. Die neuen Boote des Typs 212 CDCommon Design werden mit außenluftunabhängiger Antriebstechnik, reduziertem akustischem Profil und verbesserter Sensorik gegenüber dem Vorgängermodell ausgestattet. Gemeinsame Projekte dieser Art verbinden den militärischen Bedarf zur Stärkung der Abschreckung mit industriellen Anreizen und sparen zudem Kosten.
Beispielgebende Militärkooperation
75 Jahre deutsch-kanadische Beziehungen stehen für eine Ära des Vertrauens, das weit über das übliche diplomatische Verhältnis hinausgeht: In einer Zeit, in der die geopolitische Lage zunehmend instabiler wird, rücken Deutschland und Kanada noch enger zusammen, um gemeinsam die Verteidigungsfähigkeit der Allianz zu stärken. Das weiter wachsende Engagement beider Länder zum Schutz der Ostflanke und der Seewege im Hohen Norden ist ein Signal der transatlantischen Geschlossenheit und Verteidigungsbereitschaft.
von Florian Manthey