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Bundeswehr/Christoph KassetteTokyo: Pistorius engagiert sich für engere Zusammenarbeit mit Japan
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Japan und Deutschland sind durch gemeinsame Interessen, aber auch Herausforderungen verbunden. Um für die Zukunft gewappnet zu sein, engagiert sich Verteidigungsminister Boris Pistorius in Tokyo für engere Kooperationen in Sachen Rüstung und Erfahrungsaustausch. Auch gemeinsame Übungen der Streitkräfte sind ein zentrales Element.
Die Sicherheit im indo-pazifischen Raum ist untrennbar mit der Sicherheit Europas verbunden, sind sich Verteidigungsminister Boris Pistorius und sein japanischer Amtskollege Shinjirō Koizumi einig. Deswegen soll die Zusammenarbeit der beiden Streitkräfte deutlich intensiver werden – nicht nur in Krisenzeiten. Das beschlossen die beiden Minister bei ihren sicherheitspolitischen Gesprächen auf dem Marinestützpunkt Yokosuka bei Tokyo.
Denn neben der Konzentration auf das Engagement an der Nato-Ostflanke und weiterer Konflikte wie im Nahen Osten dürfe der Blick für andere Regionen und deren Herausforderungen nicht verloren gehen, erinnerte Pistorius. So wie es in der Indo-Pazifik-Region der Fall ist – insbesondere für Japan. So geht von Nordkorea eine zunehmende Bedrohung aus. Nordkorea unterstützt Russland in seinem völkerrechtswidrigen Krieg gegen die Ukraine und gewinnt so an Kampferfahrung: „Wodurch auch die Bedrohung für Japan steigt“, so Pistorius. Neben Nordkorea machen auch die Verbindungen zu Russland und China deutlich, in welcher schwierigen und bedrohlichen Situation sich Japan befindet. „Darauf haben wir ein wachsames Auge mit euch“, sicherte Pistorius seinem japanischen Amtskollegen zu.
Koizumi begrüßt den vertrauensvollen Austausch und die Unterstützung Deutschlands. Es sei kaum noch möglich, alleine auf die internationalen Herausforderungen zu reagieren, betonte er. Die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Japan sei von entscheidender Bedeutung. Das stärke die Abschreckungskraft in der Region, so der japanische Verteidigungsminister weiter.
Für einen noch besseren Austausch und ein noch tiefergehendes gegenseitiges Verständnis soll künftig der Austausch von Soldatinnen und Soldaten einfacher werden. Ein Verbindungsoffizier der Bundeswehr ist bereits in Japan tätig: in der multinationalen Enforcement Coordination Cell (ECCEnforcement Coordination Cell) in Yokosuka, die von den USA geführt wird und UNUnited Nations-mandatiert ist. Das geht auf eine Entscheidung aus dem Jahr 2023 zurück, als Pistorius erstmals in Japan war. Das Beispiel der ECCEnforcement Coordination Cell zeige, wie wichtig die Zusammenarbeit zwischen Ländern ist, die ähnliche sicherheitspolitische Interessen und Herausforderungen teilen, betonte der Minister beim Besuch des Marinestützpunktes.
| Die Enforcement Coordination Cell (ECCEnforcement Coordination Cell): Hier wird die multinationale Koalition Pacific Security Maritime Exchange (PSMXPacific Security Maritime Exchange) koordiniert, die zu See die Sanktionen des UNUnited Nations-Sicherheitsrats gegenüber Nordkorea durchsetzt. Dieser Koalition gehören neben Japan und Deutschland die USA, Australien, Kanada, Neuseeland, Großbritannien, Frankreich und Südkorea an. |
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Enge Zusammenarbeit im Bereich Rüstung
Airbus und Kawasaki Heavy Industries kooperieren bereits mehr als 50 Jahre bei der H145 Hubschrauberfamilie. Die Bundeswehr nutzt diese Mehrzweckhubschrauber unter anderem für Einsätze der Spezialkräfte. Pistorius sieht „noch sehr viel mehr Potential – für beide Seiten“, und zwar von maritimer Aufklärung bis hin zu Abstandswaffen. So ist Japan beispielsweise Beobachter bei der Entwicklung der Eurodrohne, was die sicherheitspolitische Vernetzung zwischen Europa und dem indo-pazifischen Raum weiter stärkt.
Stärken der sicherheitspolitischen Stabilität
Das Eurodrone-System gilt als eines der wichtigsten Rüstungsprojekte Europas im Bereich Drohnen mittlerer Flughöhe und langer Flugdauer. Das System wird unter maßgeblicher Beteiligung von Airbus Defence and Space sowie Partnern aus Frankreich, Italien und Spanien entwickelt.
Und es sollen noch weitere gemeinsame Projekte folgen. Aber ebenso bedeutsam ist, dass auch die Streitkräfte beider Nationen noch enger zusammenrücken. Deutschland engagiert sich dafür seit mehreren Jahren mit dem Indo-Pacific Deployment. Die Marine und die Luftwaffe waren zuletzt 2024 für Hafenbesuche und gemeinsame Übungen in Japan. Ein japanischer Marineverband lief ebenfalls in 2024 den Hamburger Hafen an und im vergangenen Jahr waren zudem japanische F-15 Kampfjets zu Gast bei der deutschen Luftwaffe. Die gemeinsamen Erfahrungen fördern auch das gegenseitige Verständnis. Noch im Jahr 2024 schlossen Deutschland und Japan zudem ein umfangreiches Logistikabkommen. Insgesamt stärkt das sowohl in Europa als auch im asiatischen Raum die sicherheitspolitische Stabilität und die regelbasierte Ordnung.
Bei den Gesprächen mit seinem japanischen Amtskollegen Shinjirō Koizumi unterstrich Verteidigungsminister Boris Pistorius die Bedeutung des gemeinsamen deutsch-japanischen Engagements im Indo-Pazifik-Raum
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Bundeswehr/Christoph KassetteGemeinsames Engagement für die Ukraine
In diesem Zusammenhang lobte der deutsche Verteidigungsminister die Unterstützung Japans für die Ukraine. Japan ist Teil der Ukraine-Kontaktgruppe. Dieser Gruppe gehören mehr als 50 Nationen an, die die Ukraine im Kampf gegen Russland unter anderem mit Waffen, Munition und Ausbildung der ukrainischen Soldatinnen und Soldaten unterstützen. Geführt wird die Gruppe von Deutschland und Großbritannien.
Japan beteiligt sich mit finanziellen und humanitären Unterstützungsleistungen, beispielsweise bei der Minenräumung und im ukrainischen Energiesektor. Und nicht nur das: Japan trägt auch die Sanktionen gegen Russland mit. „Diese klare Haltung ist gerade jetzt wichtig“, so der Minister und führte weiter aus: Russland dürfe von dem Krieg und damit verbundenen steigenden Öl- und Gaspreisen profitieren und dann das Geld wieder Geld in den „brutalen Krieg gegen die Ukraine“ zu investieren. „Die Sanktionen gegen Russland dürfen nicht gelockert werden“, betonte Pistorius nachdrücklich.
Darüber hinaus eint Deutschland und Japan auch die gemeinsame Haltung zum Iran. Mit Blick auf die Straße von Hormus betonte Pistorius: „Die Botschaft ist klar: Iran muss aufhören, diese so wichtige Passage für viele Länder zu blockieren. Es gilt die Freiheit der Seewege – und die muss wieder hergestellt werden.“
Auch dafür engagieren sich Deutschland und Japan gemeinsam – auch über die Distanz von 9.000 Kilometer hinweg. Denn gemeinsame Werte und Überzeugungen halten die Partner-Nationen eng beieinander.
Japans Hauptstadt ist die erste Station der Indo-Pazifik-Reise von Minister Pistorius. Weitere Informationen zur Reise und den damit verbundenen Absichten gibt es hier.
| In Yokosuka – etwa 65 Kilometer südlich von Japans Hauptstadt, an der Einfahrt zur Bucht von Tokyo – hat die 7. US-Flotte ihren Heimathafen. Es ist die größte Überseeflotte der Vereinigten Staaten und umfasst 50 bis 70 Schiffe und U-Boote, 150 Luftfahrzeuge sowie 27.000 Soldatinnen und Soldaten. Die USS George Washington ist aktuell der ständige Flugzeugträger. Andere Flugzeugträger werden temporär unterstellt. Die Flotte hat das Ziel, kontinuierlich Präsenz in der Indo-Pazifik-Region zu zeigen, um so die Region zu sichern und zu stabilisieren. Zuständig ist sie für den westlichen Pazifik und den Indischen Ozean. Rund die Hälfte der Flotte ist stets auf See. Zu den Einsätzen der Flotte gehören unter anderem: Übungen mit anderen Nationen, Hafenbesuche, Austauschprogramme sowie die Raketenabwehr innerhalb des Operationsgebiets. Das Südchinesische Meer, die Taiwanstraße und die koreanische Halbinsel zählen zu den geopolitischen Brennpunkten innerhalb des Zuständigkeitsbereichs der 7. US-Flotte. Es sei das erste Mal gewesen, dass ein deutscher und ein japanischer Verteidigungsminister den größten US-Marinestützpunkt in Übersee gemeinsam besucht haben, betonte der japanische Verteidigungsminister Shinjirō Koizumi. |
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von Amina Vieth