Boris Pistorius und Chan Chun Sing sitzen mit anderen Personen in einem Raum und unterhalten sich.
© Bundeswehr/Christoph Kassette
KategorieSicherheitspolitik

Pistorius in Singapur: Bessere Wartung von U-Booten am strategischen Knotenpunkt

Die Zusammenarbeit Deutschlands mit Singapur zeichnet sich auch durch Rüstungskooperationen aus. Jetzt gibt es eine neue Vereinbarung, die einen Hub für U-Boot-Wartungen am wichtigsten maritimen Knotenpunkt in Südostasien ermöglicht. Verteidigungsminister Boris Pistorius sieht darin nicht nur einen Vorteil für die deutsche und singapurische Marine.

Gezeichnet wurde die Vereinbarung zwischen TKMSThyssen Krupp Marine Systems und ST Engineering. Durch dieses Abkommen soll es „bald eine noch bessere Wartung von U-Booten und eine noch bessere Bereitstellung von Ersatzteilen“ geben, fasste es Verteidigungsminister Boris Pistorius zusammen, der mit seinem singapurischen Amtskollegen Chan Chun Sing dem Kooperationsschluss beiwohnte.

Singapur setzt bereits seit mehreren Jahren auf deutsche Ingenieurskunst und betreibt U-Boote der Invincible-Klasse, die speziell an die Anforderungen der singapurischen Marine angepasst wurden. Es sind hochmoderne Angriffs-U-Boote, die insbesondere für den Einsatz in flachen, dicht befahrenen Gewässern ausgelegt sind. Das erste U-Boot dieser Art, die „RSSReally Simple Syndication Invincible“ kaufte Singapur 2019. Mittlerweile sind schon zwei U-Boote des Typs 218SG in Dienst gestellt. Ein weiteres wurde nun geliefert, drei U-Boote sollen noch folgen.  

Die Changi Naval Base ist Singapurs größter Marinestützpunkt. Hier sind unter anderem das Flottenkommando, das Command and Control Center sowie die U-Boote, die Fregatten und die Dock-Landungsschiffe beheimatet. Das U-Boot-Trainingscenter mit Betrieb und Wartung der U-Boote sowie das Schiffsicherungscenter werden weiter auf der Basis ausgebaut. 
Dank der ausreichenden Wassertiefe legen hier auch US-Flugzeugträger an und können so umfänglich logistisch unterstützt werden. Die Nutzung der singapurischen Basis seitens der U.S. Navy geht auf ein Memorandum of Understanding zurück. 
Zudem sind auch folgende Dienststellen mit internationaler Beteiligung auf der Basis vertreten: das Information Fusion Center (IFCInformation Fusion Center), das Regional Humanitarian Assistance and Relief Center (RHCCRegional Humanitarian Assistance and Relief Center), das ASEANAssociation of Southeast Asian Nations Defence Ministers' Meeting (ADMM ASEANAssociation of Southeast Asian Nations Defence Ministers' Meeting) Cybersecurity and Information Center of Excellence (ACICECybersecurity and Information Center of Excellence) sowie die Counter-Terrorism Information Facility (CTIFCounter-Terrorism Information Facility).

Die nun beschlossene Kooperation umfasst: Lieferung der Plattformen, Technologietransfer und industrielle Zusammenarbeit, Ausbildung und Training von Besatzungen, Wartung, Instandhaltung und langfristige logistische Unterstützung sowie Austausch der Streitkräfte im Bereich maritimer Sicherheit und strategischer Fähigkeiten. Singapur kann so zum regionalen Hub für U-Boot-Wartung und Logistik werden.

Ausbildung der singapurischen Besatzung in Kiel

Die Zusammenarbeit, die Pistorius als „vorbildlich“ lobte, gilt als Beispiel für eine erfolgreiche Verbindung von europäischer Hochtechnologie und asiatischer sicherheitspolitischer Strategie. Und sie ist zugleich ein Signal für die zunehmende sicherheitspolitische Vernetzung zwischen Europa und dem indo-pazifischen Raum. Das Besondere sei hierbei vor allem, dass die singapurischen U-Boot-Besatzungen durch die deutsche Marine in Kiel ausgebildet werden, so der Minister.

Neben deutscher und singapurischer Marine könne jede Marinekraft, die von TKMSThyssen Krupp Marine Systems entwickelte U-Boote nutzt, von dem neu geschlossenen Abkommen profitieren. Jeder verbündeten Marine werde hier geholfen, betonte Pistorius. Ob Deutschland, Singapur, Norwegen oder anderen Partnern, die die gleichen Interessen vertreten: „Wir zeigen damit: Es hat Vorteile, wenn wir zusammenhalten.“ Vor allem in Zeiten, in denen die regelbasierte Ordnung immer wieder herausgefordert werde. 

Wichtigster Knotenpunkt in Südostasien

Singapur ist der wichtigste maritime und technologische Knotenpunkt in Südostasien. Die aktuellen Krisen stellten auch für Singapur erhebliche Herausforderungen dar, betonte Verteidigungsminister Pistorius. Dazu zähle der Krieg im Nahen Osten, das wachsende Konfliktpotenzial im Indo-Pazifik und der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine, den auch Singapur verurteile und die Ukraine im Kampf gegen den Aggressor humanitärer und technischer Hilfe unterstütze. Dazu gehört die Lieferung von medizinischer Ausrüstung und Minenräumgeräten für das Schwarze Meer. Singapur nehme innerhalb der ASEANAssociation of Southeast Asian Nations die wohl klarste Position ein. Pistorius bedankte sich dafür ausdrücklich beim Treffen mit dem singapurischen Premierminister Lawrence Wong und wünschte, dass viele Länder es Singapur nachmachten.

Deutschland unterstützt eine stärkere europäische Präsenz in der ASEANAssociation of Southeast Asian Nations-Region – die Association of Southeast Asian Nations. Dabei handelt es sich um einen politischen und wirtschaftlichen Zusammenschluss von derzeit elf Staaten in Südostasien, darunter Brunei, Indonesien, Kambodscha, Laos, Malaysia, Myanmar, Philippinen, Singapur, Thailand, Vietnam und als neuestes Mitglied Timor-Leste. Ziel ist die Förderung von Stabilität, Wirtschaftswachstum und kulturellem Austausch in einer Region mit fast 700 Millionen Einwohnern. 

Zentraler und verlässlicher Partner

Beim Treffen mit Wong betonte Pistorius zudem die enge Zusammenarbeit in den Bereichen Sicherheit und Verteidigung. Singapur sei schon seit Jahren ein verlässlicher Partner. Und Verlässlichkeit sei gerade „in einer immer weniger verlässlich werdenden Welt von immer größerer Bedeutung – vor allem für die, die keine Supermächte sind“.

Dass Singapur ein zentraler und verlässlicher Partner in Südostasien ist, zeigt sich auch beim Indo-Pacific Deployment, das Deutschland bereits mehrere Jahre betreibt. 2022 und 2024 waren die Marine und die Luftwaffe in Singapur zu Gast. Die Bundeswehr wird auch 2027 im Indo-Pazifik vertreten sein: Mit Seefernaufklärern und Seebataillon werden die deutschen Soldatinnen und Soldaten an Übungen teilnehmen. Zudem wird die Marine 2028 an RIMPAC teilnehmen, der größten Marine-Übung im Pazifik.

Enge Zusammenarbeit der Nationen zeigt sich auch im Information Fusion Center – dabei handelt es sich um internationales Lagezentrum, das das maritime Lagebild für Südostasien erstellt. Deutschland ist hier seit 2020 mit einem Verbindungsoffizier vertreten. Die Freiheit der Handelswege und die Sicherheit der Meere sei auch für Deutschland als größter europäischer Handelspartner ebenso wichtig wie für die Partner im Indo-Pazifik.

Das Information Fusion Center (IFCInformation Fusion Center) ist ein regionaler maritimer Informationshub, der seit 2009 auf der Marinebasis in Changi von der singapurischen Navy betrieben wird. Im IFCInformation Fusion Center sitzen Verbindungsoffiziere aus 21 Nationen – einer davon aus Deutschland. Auch China und die USA sind vertreten.
 
Der Hub dient dazu, Informationen über den Schiffsverkehr zu sammeln sowie Risiken und Bedrohungen für die Schifffahrt in Südostasien zu bewerten. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse werden mit Partnernationen sowie nationalen und internationalen Organisationen geteilt. Das IFCInformation Fusion Center hat ein internationales Netzwerk mit 64 Partnerorganisationen in 34 Staaten aufgebaut, um Informationen schnell austauschen zu können. Im Mittelpunkt stehen hierbei die Sicherheit maritimer Versorgungswege und die Garantie der Freiheit der Hohen See. Ein Schwerpunkt ist die Straße von Malakka – die wichtigste Verbindung zwischen dem Indischen Ozean und dem Südchinesischen Meer. 

Kampfpanzer Leopard 2 in Singapur

Auch der Rüstungsbereich zeugt von der guten Zusammenarbeit zwischen Singapur und Deutschland, denn Singapur hat eine große Flotte von Leopard 2-Kampfpanzern. Die entsprechende Ausbildung erhalten die singapurischen Soldatinnen und Soldaten – wie auch bei den U-Booten – in Deutschland.

Ein weiteres gemeinsames Projekt könnte der Seefernaufklärer P-8A Poseidon werden. Deutschland hat das Flugzeug bereits in diesem Jahr in der Indo-Pazifik-Region eingesetzt. Möglicherweise ist das Modell bald auch in singapurischem Besitz. „Mich freut, dass Singapur über den Kauf von P-8A Poseidon-Seefernaufklärern nachdenkt. Gerne würden wir hier unsere Erfahrungen weitergeben und Singapur bei der Einführung unterstützen“, betonte Pistorius.

Die beiden Länder verbindet noch eine weitere Dimension: Cyber. In diesem Bereich arbeiten die Partner „eng und äußerst vertrauensvoll“ zusammen und lernten viel voneinander, so der Minister. Wie erfolgreich das ist, zeigte sich bei der Cyber-Übung Locked Shields 2025: Ein gemeinsames Team der beiden Nationen belegte den ersten Platz. Bei Locked Shields geht es um den Schutz von ITInformationstechnik-Systemen und kritischer Infrastruktur.

Auf diesem Erfolg soll aufgebaut werden: Deutschland und Singapur planen, ihre Zusammenarbeit im Bereich Cyber Intelligence weiter ausgebaut werden. Damit will man den stetig steigenden digitalen Bedrohungen besser begegnen können. Der Inspekteur CIRCyber- und Informationsraum und der singapurische Chief Digital Intelligence Service sollen im Juni ein entsprechendes Abkommen zeichnen. 

von Amina Vieth

Pistorius besucht Wertepartner in Indo-Pazifik-Region

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