Boris Pistorius, spricht bei der Konferenz "Vernetzte Sicherheit in der Sahel-Region" an einem Rednerpult.
© Bundeswehr/Tom Twardy
KategorieSicherheitspolitik

Vernetzte Sicherheit in der Sahel-Region: Wie kann es weitergehen?

Mali, Burkina Faso, Niger: In der Sahel-Region hat sich die Sicherheitslage nach Putschen und dem Abzug internationaler Missionen verschlechtert. Zudem droht eine Ausbreitung der Krise auf die Nachbarländer. Ein stabiler Sahel sei aber auch in Deutschlands Interesse, machte Verteidigungsminister Pistorius am 19. März in Berlin deutlich.

Fehlende staatliche Präsenz, knapper werdende Ressourcen und mangelnde Entwicklungsperspektiven bilden den Nährboden für gewalttätige Banden-Strukturen, Dschihadismus und organisierte Kriminalität in der Sahel-Region. Hinzu kommen die Auswirkungen des Klimawandels, hohe Geburtenraten und Jugendarbeitslosigkeit. Wie kann internationales Engagement in der Region die vielfältigen und komplexen Krisenursachen bekämpfen? Was kann dabei die Rolle Deutschlands sein? Und welche Bedeutung haben Ansätze vernetzter Sicherheit? Diese und weitere Fragen wurden auf der gemeinsamen Veranstaltung des Verteidigungsministeriums, des Ministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und der Friedrich-Ebert-Stiftung diskutiert.

Für ein stabiles und zukunftsfähiges Westafrika

Undemokratische Machtübernahmen und Militärputsche in den Sahelstaaten sind bittere Realität. Die so entstehende regionale Instabilität wirkt sich unmittelbar auf Europa aus. Denn Armut, Unsicherheit und Perspektivlosigkeit zwingen die Menschen zur Flucht – insbesondere nach Europa.

Bundesminister der Verteidigung Boris Pistorius schaut lächelnd für eine Portraitaufnahme in die Kamera.
Die Situation im Sahel ändert sich ständig. Die Interessen der Menschen vor Ort, unsere eigenen Interessen in der Region und vor allem unser gemeinsames Interesse an Sicherheit und Stabilität – das darf sich nicht ändern.
Verteidigungsminister Boris Pistorius Bundeswehr/Norman Jankowski

Auf dem Forum wurde dabei nicht nur über Afrika und den Sahel, sondern vor allem mit Vertreterinnen und Vertretern des Kontinentes und der Region gesprochen. Im Anschluss an Vorträge von Entwicklungsministerin Svenja Schulze und Verteidigungsminister Boris Pistorius fand ein Panel zum Thema Sicherheit und Entwicklung im Sahel statt. Hier kam mit Dr. Comfort Ero, Präsidentin der International Crisis Group, Ornella Moderan, Senior Sahel Researcher und Politikberaterin und Idriss Mounir Lallali, stellvertretender Direktor der Alert und Prevention Unit der Afrikanischen Union die Sahel-Expertise zusammen.

Die sechs Lehren des Ministers

In seinem Vortrag erinnerte Pistorius an Worte des ehemaligen Bundespräsidenten Horst Köhler: Der afrikanische Kontinent ist unsere Nachbarschaft, auch wenn viele das in Europa immer noch nicht verstanden hätten. Zwei Mal war der Verteidigungsminister während seines ersten Amtsjahres im Sahel. Sowohl in Niger als auch in Mali sprach er mit den Menschen vor Ort – darunter Vertreterinnen und Vertreter der Militärregierung sowie der Zivilgesellschaft. Aus den Gesprächen habe er sechs Lehren mitgenommen. 

Strategischer Blick auf die Region

In Afrika, betonte der Minister, brauche es also einen pragmatischen Ansatz. Freie und demokratische Wahlen dürften nicht die Grundvoraussetzung deutschen Engagements sein. Man müsse vielmehr betrachten, in wie weit die Regierungen die Interessen der Bevölkerungen verträten und das eigene Handeln auch darauf ausrichten.

Auch Deutschland habe ein vitales Interesse an einem stabilen und wirtschaftlich prosperierenden Sahel, betonte der Minister. Auch Deutschland wolle verhindern, dass terroristische Organisationen Fuß fassten, Menschen drangsalierten, Staaten unregierbar und unkontrollierbar machten. Natürlich müsse mittel- und langfristig die Demokratie das Ziel sein. Aber, so seine tiefe Überzeugung, „das darf nicht dazu führen, dass wir demokratische Verhältnisse zu einer Voraussetzung unseres Engagements machen.“

„Was bleibt, wenn wir gehen?“, richtete der Minister das Wort an das Publikum. Russland und China würden in Afrika immer aktiver. Beide Länder seien bereit, große Kredite zu bewilligen und Waffen zu liefern – verfolgten jedoch hauptsächlich eigene Interessen, so der Minister.

Russland baut derzeit seine Position in Afrika aus und nutzt die Zerwürfnisse zwischen dem Westen und einzelnen afrikanischen Staaten aus, insbesondere in denen das Militär geputscht hat. Auch China verfolgt strategische Interessen in der Region: die Sicherstellung des Zugangs zu Ressourcen, die Erschließung von Exportmärkten und das Erlangen politischer Unterstützung vor allem in den Vereinten Nationen. So werden afrikanische Staaten in starke Abhängigkeiten getrieben und an China gebunden. 

Ausrichtung des deutschen Engagements

Pistorius skizzierte abschließend, woran sich das deutsche Engagement in der Sahel-Region orientieren müsse.

Letzten Endes gehe es ihm um einen ebenso strategischen wie ganzheitlichen Ansatz, der von den Betroffenen in der Region nicht nur mitgetragen, sondern auch mitgestaltet werde, so Pistorius. Es brauche Beziehungen auf Augenhöhe, ohne die eigenen Interessen, Prinzipien und Werte dabei aus den Augen zu verlieren. 
 

von Lara Finke

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