Ukraine Defence Contact Group
Im Format der Ukraine-Kontaktgruppe koordinieren die westlichen Partner und Verbündeten ihre militärische Unterstützung für die Ukraine.
Von kurzfristigen Unterstützungsleistungen zu einer strukturierten und langfristigen Rüstungskooperation: Beim Round Table zur Stärkung der deutsch-ukrainischen Zusammenarbeit im Bereich der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie warb Verteidigungsminister Boris Pistorius für eine enge Verzahnung von Wirtschaft und Industrie der beiden Länder. Er sprach von einer „Win-Win-Situation“ für beide Seiten.
Angesichts des russischen Angriffskrieges unterstrich Pistorius bei dem Treffen am 28. April 2026 in Berlin einmal mehr, dass sich die Ukraine seit über vier Jahren gegen Putins brutalen Terror verteidige. Deutschland stehe dabei fest an der Seite des angegriffenen Landes und werde weiter dazu beitragen, dass sich die Ukraine erfolgreich verteidigen könne. Gleichzeitig lerne Deutschland auch dabei. Vor allem im Bereich der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie sieht der Verteidigungsminister großes Potenzial, Chancen und Mehrwert – für beide Seiten.
Verteidigungsminister Pistorius, Finanzminister Klingbeil und Bundeswirtschaftsministerin Reiche im Anschluss an das Treffen zur Stärkung der deutsch-ukrainischen Kooperation im Bereich der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie am 28. April 2026.
Um die Ukraine langfristig zu stärken und ihre Widerstandsfähigkeit zu erhöhen, sei eine enge Verzahnung von Wirtschaft und Industrien unerlässlich, betonte Pistorius und hob die hohe Innovationsfähigkeit des Landes hervor: Technologien würden nicht im Labor, sondern im realen Einsatz entwickelt, getestet und weiterentwickelt. So erreiche die Ukraine eine beeindruckende Innovationskraft und Geschwindigkeit. Deutschland lerne hier vor allem beim Innovationsdenken, bei der Beschaffung und, wie man mit schnellen Technologiezyklen umgehe. Durch gemeinsame Entwicklung und Produktion von Verteidigungsgütern würde die deutsche und europäische Verteidigungsfähigkeit gestärkt. Mit dem Aufbau von Expertise und Kapazitäten reduziere man die Abhängigkeit von anderen Akteuren.
In den Gesprächen mit den Vertreterinnen und Vertretern aus Industrie und Wirtschaft ging es auch um die Frage, wo die Bundesregierung die Industrie noch besser unterstützen, welche Hürden abgebaut und welche Anreize geschaffen werden könnten. Man werde von bisher meist kurzfristiger Unterstützung übergehen in eine langfristig angelegte Zusammenarbeit im Rüstungssektor, von der alle profitierten:
Wir sind weggekommen von einer reinen ad-hoc-Unterstützung der Ukraine, und bauen immer mehr eine strukturierte und langfristige Partnerschaft mit der Ukraine auf.
Im Anschluss an das Treffen verkündete Pistorius, zukünftige Technologiefelder und Leuchtturmprojekte zur gemeinsamen Erforschung, Entwicklung und Produktion von Rüstungsgütern identifizieren zu wollen. Der Minister versicherte: „Wir setzen die strategische Förderung von Rüstungsindustriellen Joint Ventures fort.“ So werde man auch weiterhin gemeinsam hochmodernste Rüstungsgüter entwickeln und produzieren können. Auch einen Beitritt zum sogenannten Brave 1 Programm der Ukraine wolle die Bundesregierung wohlwollend prüfen. Die vertiefte Zusammenarbeit im Industriebereich werde auch bei seinen nächsten Reisen in die Ukraine eine zentrale Rolle spielen, so Pistorius.
Zu dem Treffen im Berliner Bendlerblock hatten Verteidigungsminister Boris Pistorius, sein ukrainischer Amtskollege Mykhailo Fedorov, Finanzminister Lars Klingbeil und Wirtschaftsministerin Katherina Reiche eingeladen. Es nahmen rund 40 Vertreterinnen und Vertreter aus der Wirtschaft und aus der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie teil – auch mehrere Start-ups waren vertreten. Das ukrainische Verteidigungsministerium war digital zugeschaltet. Die beim Treffen vertretenen Unternehmen aus der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie sind bereits erfolgreich in der Ukraine aktiv.
von Lara Finke