Der Weltraum – ein Handlungsfeld auch für die Bundeswehr
Deutschland agiert im Weltraum gemeinsam mit den Verbündeten und Partnern konsequent auf Basis der regelbasierten Ordnung.
In Vertretung von Verteidigungsminister Boris Pistorius hat dessen Staatssekretär Jens Plötner am 28. Januar 2026 eine Rede auf der European Space Conference in Brüssel gehalten. Die Konferenz, zu der hochrangige Vertreterinnen und Vertreter der EUEuropäische Union-Institutionen und -Mitgliedstaaten zusammenkommen, stellt die wesentlichen Weichen für die künftige Rolle der EUEuropäische Union in der Dimension Weltraum.
„Der Weltraum ist ein wilder Ort. Manchmal muss man sich verteidigen, um zu überleben.“ Beinahe 30 Jahre ist es her, dass Captain Kathryn Janeway diese Worte in der Science-Fiction-Serie Star Trek Voyager aussprach. Was damals Fiktion war, wird zunehmend Realität: Der Weltraum, so Staatssekretär Plötner in seiner Rede auf der 18. European Space Conference, sei nicht länger ausschließlich ein Ort friedlicher Erforschung. Er sei umkämpftes Terrain geworden.
Während die Abhängigkeit vom Weltraum exponentiell wachse, nähmen die Risiken und Bedrohungen in dieser Dimension rasant zu. Russland und China entwickelten, testeten und setzen in vielen Fällen bereits Technik ein, die darauf ausgelegt sei, Weltraumsysteme zu beeinträchtigen, zu täuschen, zu stören oder zu zerstören. Europäische Weltraumressourcen, darunter auch deutsche, sind laut Plötner regelmäßig Ziel solcher Manipulation.
Gleichzeitig sei der Weltraum heute unerlässlich für die Durchführung militärischer Operationen. Potenzielle Gegner wüssten das sehr wohl: „Wir müssen davon ausgehen, dass Angriffe auf die Weltrauminfrastruktur in einem künftigen Konflikt frühzeitig erfolgen werden und bereits heute im Rahmen hybrider Kampagnen stattfinden. Ob es uns gefällt oder nicht: Wir müssen vorbereitet sein.“ Europas Souveränität liege zunehmend in seiner Resilienz – in seiner Fähigkeit, äußeren Bedrohungen und Zwängen standzuhalten.
Wir glauben an Führung durch Partnerschaft: Wir arbeiten mit unseren Verbündeten und Partnern zusammen, nicht über sie hinweg.
Europa stehe für eine sichere, geschützte, nachhaltige, regelbasierte und friedliche Nutzung des Weltraums ein – nach dem Prinzip der friedlichen Koexistenz, unterstrich Staatssekretär Plötner: „Wir sind überzeugt, dass wahre Stärke nicht aus Dominanz, sondern aus der Zusammenarbeit innerhalb eines starken Bündnisses erwächst – eines Bündnisses, in dem alle Nationen ihren Beitrag leisten, voneinander lernen und gemeinsam stärker werden.“
Der Staatssekretär warb in Brüssel allem voran für eine europäische Antwort auf die Bedrohung im Weltraum. Die Zeit zum Zögern sei vorbei: „Wir müssen handeln: entschlossen und gemeinsam“, forderte er. Wahre Stärke liege in der Zusammenarbeit – und eine gemeinsame Zukunft könne nur mit Verbündeten und Partnern nicht in Isolation gestaltet werden.
Die Zukunft entsteht nicht von selbst. Wir müssen sie aktiv gestalten: um sie für alle sicherer, freier und widerstandsfähiger zu machen.
Deutschland werde bis 2030 35 Milliarden Euro in den Aufbau einer robusten militärischen Weltraumarchitektur investieren, kündigte Plötner in Brüssel an. Geplant ist ein robustes, vernetztes System aus Satellitenkonstellationen, Bodenstationen, Startkapazitäten und Diensten mit sowohl defensiven als auch offensiven Elementen. Diese Investition werde Eckpfeiler einer umfassenderen europäischen Weltraumkapazität sein und stärke vor allem die Bereiche Satellitenkommunikation, Aufklärung, Überwachung und Erkundung, Weltraumlageerfassung, satellitengestützte Raketenwarnung sowie aktive Verteidigungsfähigkeiten. „Denn glaubwürdige Abschreckung erfordert die Fähigkeit, uns selbst zu verteidigen, auch im Weltraum“, zeigte sich Plötner überzeugt.
Deutschland handle dabei nicht allein. „Unsere Investitionen dienen der Stärkung multinationaler Bemühungen – innerhalb der Europäischen Union, der NATONorth Atlantic Treaty Organization und mit vertrauenswürdigen Partnern.“ Gemeinsame Nutzung und Austausch müssten Europas Leitprinzipien sein – vorhandene Ressourcen und Fähigkeiten der Mitgliedstaaten genutzt, unnötige Doppelarbeit vermieden werden. Gemeinsam mit Partnern wie Frankreich, Finnland, Schweden und Spanien baue Deutschland bereits ein globales Sensornetzwerk zur Weltraumlageerfassung auf. Mit Frankreich setze man zudem die langjährige Zusammenarbeit in den Bereichen Aufklärung, Überwachung und Spionageabwehr fort. „Und wir werden die Idee eines europäischen Weltraumschildes aktiv mitgestalten“, so Staatssekretär Plötner.
Zusätzlich brauche es die volle Innovationskraft der europäischen Industrie, einschließlich Start ups, unterstrich Plötner. Langfristige starre Verträge allein lieferten nicht die benötigten Lösungen. „Wir müssen Wettbewerb, kürzere Innovationszyklen und neue Beschaffungsmodelle fördern“, forderte der Staatssekretär. „Ebenso wichtig ist es, einen zuverlässigen Zugang zum Weltraum zu gewährleisten.“ Initiativen wie die European Launcher Challenge, ein Programm zur Förderung neuer europäischer Startkapazitäten, und die Entwicklung wettbewerbsfähiger Schwerlastkapazitäten seien für Europas strategische Autonomie unerlässlich.
„Satelliten sind die stillen Helden unseres Alltags. Sie anzugreifen bedeutet, die Grundfesten der modernen Gesellschaft anzugreifen“, unterstrich Plötner zum Ende seiner Rede. Deutschland bekenne sich zu einem starken, geeinten und souveränen europäischen Ansatz für die Weltraumsicherheit – „zu einem Europa, das seine Interessen im Weltraum verantwortungsvoll und im Einklang mit dem Völkerrecht wahren kann. Wir setzen uns weiterhin mit voller Kraft dafür ein, gemeinsam mit unseren Verbündeten und Partnern dafür zu sorgen, dass der Weltraum sicher, nachhaltig und zugänglich bleibt.“
Die Zukunft gehört denen, die als verlässliche Partner zusammenarbeiten, einander vertrauen und bereit sind, die gemeinsamen Werte zu verteidigen. Gestalten wir diese Zukunft gemeinsam.
von Lara Finke