Ukraine Defence Contact Group
Im Format der Ukraine-Kontaktgruppe koordinieren die westlichen Partner und Verbündeten ihre militärische Unterstützung für die Ukraine.
Verteidigungsminister Boris Pistorius hat am 15. April 2026 das 34. Ministerial Meeting der Ukraine Defense Contact Group (UDCG) gemeinsam mit dem britischen Verteidigungsminister John Healey in Berlin geleitet. An dem Treffen im Bendlerblock nahmen auch der neue Verteidigungsminister der Ukraine, Mykhailo Fedorov, sowie NATO-Generalsekretär Mark Rutte teil.
Boris Pistorius betonte zum Auftakt der UDCG, er schätze die engen und persönlichen Gespräche in diesem Format.
In seinen einführenden Worten wies er auf die große Tapferkeit des ukrainischen Volkes hin. Die Ukraine habe in den vergangenen Monaten den härtesten Kriegswinter seit Beginn der russischen Vollinvasion überstanden. Seit über vier Jahren gelinge es Russland trotz seines rücksichtslosen Einsatzes von Menschen und Material nicht, seine politischen und militärischen Ziele zu erreichen.
Die Ukraine gehe gestärkt aus diesen Verteidigungskämpfen hervor, so Pistorius weiter. Die Erfolge der Ukraine beruhten auf der Professionalität ihrer Truppen und der Innovationskraft des Landes. Es mache bei der Entwicklung neuer Technologien im Verteidigungsbereich beeindruckende Fortschritte. Einen maßgeblichen Beitrag dazu liefere die UDCG. Die weiteren Erfolge hingen von allen Beteiligten ab.
Boris Pistorius unterstrich: In einer Zeit, in der die ganze Welt gebannt auf die krisenhaften Entwicklungen in der Straße von Hormus sowie in den Nahen und Mittleren Osten schaue, dürfe man gerade in dieser Phase die Ukraine nicht aus dem Blick verlieren. Fest stehe, Russland profitiere von diesen Entwicklungen.
Auch die so genannten russisch-ukrainischen „Friedensgespräche“ seien derzeit unterbrochen. Die Wahrheit sei: Sie wurden von Russland bislang ohnehin nie ernsthaft geführt, stellte Pistorius klar. Umso wichtiger sei es also, die Ukraine gerade jetzt zu unterstützen.
Der Minister dankte Fedorov, Healey und Rutte für ihre Updates und Beiträge zu dieser UDCG. Boris Pistorius lenkte dabei insbesondere den Blick auf die wichtigen Beiträge von Seiten der NATO. Konkret stellte er die Bemühungen des NATO-Generalsekretärs heraus, Waffensysteme aus den USA von Europäern finanziert zu bekommen, die in Europa nicht hergestellt werden könnten. Der Minister wertete das Treffen an diesem Tag in Berlin als ein Zeichen dafür, wie geschlossen und entschlossen die Ukraine-Unterstützer aufträten.
Zum Anteil Deutschlands an den Unterstützungsleistungen sagte Boris Pistorius, dass die Stärkung der ukrainischen Luftverteidigung weiterhin oberste Priorität habe. So würden täglich Menschenleben gerettet.
Die Luftverteidigung ist zentraler Bestandteil unseres Hilfspakets, das wir beschlossen haben.
Am Vortag des Treffens hatten im Bundeskanzleramt die deutsch-ukrainischen Regierungskonsultationen stattgefunden. Bei dem Treffen, zu dem Bundeskanzler Friedrich Merz den ukrainischen Staatspräsidenten Wolodymyr Selenskyj eingeladen hatte, waren die Beziehungen zur Ukraine auf die Ebene einer strategischen Partnerschaft gehoben worden. Pistorius und Fedorov, die ebenfalls anwesend waren, zeichneten in diesem Rahmen eine Reihe von Vereinbarungen, beispielsweise zur Stärkung der Luftverteidigung. Daran knüpften die Beratungen der UDCG am 15. April 2026 an.
Konkret handelt es sich um die Lieferung von mehreren hundert Patriot-GEM-T-Lenkflugkörpern. „Außerdem stellen wir der Ukraine weitere Startgeräte für IRIS-T Luftverteidigungssysteme zur Verfügung“, hob der Minister hervor. Deutschland geht hier im Kreis seiner Partner erneut in Vorleistung.
Diese Vorhaben werden von Deutschland im Zuge der „Enduring Action on Air Defence“-Initiative finanziert. „Enduring Action on Air Defence“ wurde 2024 von Verteidigungsminister Boris Pistorius ins Leben gerufen. Bei der UDCG hob der Minister hervor, dass das Angebot an die Partner stehe, sich an der „Enduring Action on Air Defence“-Initiative zu beteiligen. Deutschland halte Wort.
Deutsch-ukrainische Rüstungskooperation bei Drohnen
„Darüber hinaus finanzieren wir zusätzliche weitreichende Drohnen – aus ukrainischer Herstellung“, unterstrich Pistorius. Damit wird die deutsch-ukrainische Rüstungskooperation weiter gestärkt.
Deutschland wird die Ukraine bei der Finanzierung sogenannter Deep-Strike-Fähigkeiten unterstützen. Darin investiert die Bundesregierung mehrere hundert Millionen Euro. „Wir haben die gemeinsame Weiterentwicklung und Produktion von Strike-Drohnen mit mittlerer und weiter Reichweite beschlossen“, kündigte Boris Pistorius an.
So vereinbarten Deutschland und die Ukraine im Rahmen der Initiative „Build with Ukraine“ die Produktion von Drohnen unter Einsatz fortschrittlicher Technologien. Mit diesem Projekt geht die Gründung eines Joint Ventures zur Stärkung der Verteidigungsfähigkeit der ukrainischen Streitkräfte einher. Damit wird das Ziel verfolgt, Tausende von Drohnen für die Ukraine zu produzieren.
Zum 34. Ministerial Meeting der Ukraine Defense Contact Group begrüßte Minister Pistorius in Berlin seine Amtskollegen aus Großbritannien und der Ukraine, John Healey und Mychajlo Fedorov, sowie NATO-Generalsekretär Mark Rutte.
Und wir werden digitale Gefechtsdaten austauschen, fuhr der deutsche Verteidigungsminister fort. Dabei geht es insbesondere um die Analyse des Einsatzes deutscher Waffensysteme im Kampfgeschehen, darunter der Panzerhaubitze 2000, dem hochmobilen Artilleriegeschütz RCH 155 sowie beim Luftverteidigungssystem IRIS-T. Dieses Projekt stellt eine neue Qualität der Zusammenarbeit dar.
Im Hinblick auf die finanzielle Unterstützung der Ukraine durch die Europäische Union hob Boris Pistorius die politischen Entwicklungen in Ungarn hervor. Nach den Wahlen in Ungarn gebe es Hoffnung, dass die bisherige Blockade der finanziellen Mittel durch die abgewählte Regierung innerhalb der EU möglicherweise bald vorbei sein werde. Pistorius verlieh seiner Hoffnung Ausdruck, dass Europa jetzt bald den zinslosen Kredit gewähren könne.
Der Ukraine Loan beinhaltet 90 Milliarden Euro innerhalb von zwei Jahren. Das Geld werde der Ukraine helfen, seine von Russland zerstörte Infrastruktur wieder aufzubauen. Gleichzeitig versetzte der Kredit die Ukraine in die Lage, nachhaltig militärisches Gerät zu beschaffen, mit dem russische Angriffe und Terror gegen die Menschen in der Ukraine erfolgreich abgewehrt werden könnten.
Der britische Verteidigungsminister John Healey wies auf die rasant veränderte Weltlage hin, seit dem vergangenen UDCG-Treffen. Neben den Konflikten im Nahen und Mittleren Osten sei der Iran-Konflikt dazugekommen. Das dürfe nicht dazu führen, dass die Ukraine in ihrem tapferen Kampf gegen Russland in Vergessenheit gerate. Dafür sorge die UDCG. „Wir sind eine starke Gruppe“, betonte Healey. Es gehe darum, die Ukraine heute für den Frieden von morgen zu unterstützen. Das habe einmal mehr diese UDCG dokumentiert.
Mychajlo Fedorov erinnerte an den enormen Einsatz von Waffen seines Landes gegen den völkerrechtswidrigen Angriff Russlands. Dazu sei die Ukraine nicht zuletzt durch die Unterstützung der Partner der UDCG in der Lage. Fedorov wandte sich ausdrücklich an Minister Pistorius und sprach ihm seinen ganz persönlichen Dank aus für die große Unterstützung Deutschlands. Die Ukraine sei im Kampf gegen Russland erfolgreich und setze zudem die russische Wirtschaft massiv unter Druck.
NATO-Generalsekretär Mark Rutte sagte, es sei für ihn sehr wichtig gewesen, an dieser UDCG teilzunehmen. Rutte hob die Kontinuität der Partner bei der Unterstützung der Ukraine hervor. Das müsse so bleiben. Dabei würdigte der NATO-Generalsekretär ausdrücklich den deutschen Beitrag. In diesem Kontext erwähnte er den kommenden NATO-Gipfel in Ankara. Dieser werde im Zeichen der Lastenteilung stehen, auch was die weitere Unterstützung der Ukraine angehe. Diese diene nicht nur der Kampfkraft der Ukraine, sondern sie sei letztlich eine Investition in die eigene Sicherheit der Partner. Die Zeit zu Handeln sei jetzt.
An die Adresse seines neuen ukrainischen Amtskollegen, bekräftigte Boris Pistorius: Klar sei, dass Deutschland die Ukraine auch künftig tatkräftig unterstützen werde. „Die Ukraine kann sich auch weiterhin auf uns verlassen“, sagte der Minister.
Seit der russischen Vollinvasion am 24. Februar 2022 hat Deutschland im militärischen Bereich 55 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Allein 2026 wird Deutschland die Ukraine mit 11,5 Milliarden Euro unterstützen. Damit liegt Deutschland weltweit an der Spitze.
von Jörg Fleischer