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Bundeswehr/Christian GelhausenPistorius an Führungsakademie der Bundeswehr: „Was wir in Europa tun, das zählt“
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Verteidigungsminister Boris Pistorius hat am 16. Juni 2026 die Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg besucht. Vor Lehrgangsteilnehmenden erläuterte er die Herausforderungen der Zeit und seine Ziele für die Bundeswehr. Eine zentrale These: Der notwendige Aufwuchs braucht starke Führungsqualitäten.
Der Minister hatte in den zurückliegenden Wochen und Monaten mit Verbündeten in aller Welt Möglichkeiten zur Zusammenarbeit erörtert. Nach Treffen mit seinen Amtskolleginnen und -kollegen in Japan, Singapur und Australien sowie in Kanada und in der Ukraine zeigte Pistorius nun vor dem Führungsnachwuchs der Bundeswehr in Hamburg die globalen Zusammenhänge auf.
Seine Botschaft: „Unsere Partner blicken auf Europa. Und gleichzeitig schauen auch unsere strategischen Rivalen auf Europa. Was wir in Europa tun, wie wir uns positionieren, das zählt.“ Die Unterstützung für die Ukraine wirke sich auf Taiwan oder die Lage im Indo-Pazifik aus. „Wir können Sicherheit immer weniger in geografischen Dimensionen denken,“ so Pistorius. Geopolitische Konflikte, hybride Bedrohungen wie Cyberangriffe, Desinformationskampagnen oder wirtschaftlicher Druck wirkten grenzüberschreitend.
Abschreckung und Verteidigung braucht es jetzt
Das politische Berlin reagiere auf die veränderte Bedrohungslage, so Pistorius. Beispielsweise seien die ersten neuen Bordhubschrauber NH-90 Sea Tiger und U-Boot-Jagdflugzeuge P-8A Poseidon bereits ausgeliefert worden. Zudem werde das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr neu strukturiert, damit die Bundeswehr zügig neues Gerät bekommt. Mehr als hundert Vorlagen für Beschaffungen für jeweils mehr als 25 Millionen Euro würden dem Bundestag in diesem Jahr zur Billigung vorgelegt. „Wir entwickeln einen neuen Planungsprozess und stellen neue Innovationszentren auf“, sagte Pistorius. „Deutschland wird bereits im Jahr 2029 das 3,5-Prozent-Ziel erreichen.“
Die Zeiten des Zauderns sind vorbei
Beim Aufwuchs der Streitkräfte sieht der Minister bereits einen positiven Trend. Das Jahr 2025 war das einstellungsstärkste Jahr seit der Aussetzung der Wehrpflicht und aktuell werden in Deutschland 24 Musterungszentren aufgebaut. Mit dem Reservestärkungsgesetz stehe der nächste Meilenstein an. Personal und Material stünden für das Wollen und das Können, betonte der Minister. Um zu verteidigen, was uns lieb und teuer sei, nämlich ein Leben in Freiheit, Frieden und Wohlstand, brauche es beides.
Eine Grundlage dafür haben Pistorius und der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Carsten Breuer, im April mit der „Gesamtkonzeption militärische Verteidigung“ gelegt. Sie besteht aus Militärstrategie und Fähigkeitsprofil. „Die Militärstrategie beschreibt, wie wir handeln – das Fähigkeitsprofil beschreibt, womit wir handeln“, so Pistorius.
Enge Abstimmung mit den Partnern
Doch bei allem, was Deutschland in Sachen Verteidigungsfähigkeit tue, komme es auch auf die Partnernationen an. „Gerade weil wir stärker werden und mehr in unsere Verteidigungsfähigkeit investieren, wird die enge Abstimmung mit unseren Partnern noch wichtiger“, sagte Pistorius. Entscheidend für die Verteidigungsfähigkeit sei das Vertrauen der Partner und Verbündeten. Der enge Austausch mit den Partnern sei deshalb auf allen Ebenen zentral, auch und gerade in den Lehrgängen der Führungsakademie, wo verschiedene Nationen zusammen lernen und grenzüberschreitende Verbindungen fürs Leben knüpfen.
Verteidigen, was uns teuer ist
Den angehenden Spitzenführungskräften der Truppe attestierte der Minister: „Sie gehören zu den Besten ihrer Teilstreitkräfte und Jahrgänge. Sie werden die Bundeswehr prägen. Deshalb sind Führungsqualitäten besonders wichtig.“ Besonders hob Pistorius drei Eigenschaften heraus:
- den Willen und die Motivation für den Dienst, die es mit Empathie, Toleranz und Menschlichkeit beim eigenen Personal zu wecken gelte,
- eine gesunde Fehlerkultur, denn wenn niemand wage, falsch zu liegen, wage auch niemand mehr, richtig zu führen, sowie
- den eigenen Auftrag nie aus den Augen zu verlieren. Soldatinnen und Soldaten sowie zivile Mitarbeitende der Bundeswehr stellten sich in den Dienst eines übergeordneten Ziels. Das erfordere Demut.
Im Anschluss an die Rede stellte sich der Minister gemeinsam mit dem Generalinspekteur Fragen des Publikums nach Personal und Resilienz, der Repriorisierung in den USA und der Einsatzbereitschaft.
von Jutta von Campenhausen