Boris Pistorius steht hinter einem Rednerpult mit dem von Wappen Baden-Würtemberg und spricht.
© Bundeswehr/Tom Twardy
KategorieReserve

Pistorius bei Reservistenverband: „Wir brauchen eben auch eine starke Reserve“

Die Reserve bildet das unverzichtbare personelle Rückgrat der nationalen Sicherheitsvorsorge. Und mehr noch: Künftig wird sie die Truppe nicht nur ergänzen, sondern eigene Schlüsselaufgaben übernehmen. Das bekräftigte Verteidigungsminister Boris Pistorius am 23. Juni 2026 beim Parlamentarischen Abend des Verbandes der Reservisten der Deutschen Bundeswehr e.V. in Berlin.

Die Reserve ist kein Nebeninstrument, sondern ein zentraler Pfeiler der Landes-  und Bündnisverteidigung: Sie soll quantitativ wachsen, qualitativ enger mit der aktiven Truppe verzahnt und durch Gesetzesreformen verlässlich verfügbar gemacht werden. Die Reserve sichert die Aufwuchs- , Mobilisierungs-  und Durchhaltefähigkeit der gesamten Truppe und ist damit unmittelbar für den Kernauftrag — die Landes  und Bündnisverteidigung — relevant. Ohne eine einsatzbereite Reserve lässt sich der in den strategischen Dokumenten formulierte Anspruch, die Bundeswehr zur stärksten konventionellen Armee in Europa zu entwickeln, nicht realisieren. Hier finden Sie die strategischen Grundlagendokumente, zum Beispiel die Militärstrategie.

Strategische Relevanz im neuen Kernauftrag

Die Planungen sehen einen erheblichen personellen Aufwuchs vor: Ziel ist ein Gesamtumfang von mindestens 460.000 einsatzfähigen Soldatinnen und Soldaten, wovon mindestens 200.000 Reservistinnen und Reservisten Teil des Aufwuchses sein sollen. Dieser Pfad ist Teil der langfristigen Aufstellungsplanung der Bundeswehr. Das sei ein ehrgeiziges Ziel, „aber ich bin überzeugt: Es ist machbar und es wird passieren“, sagte Minister Pistorius vor den rund 300 Gästen aus Politik, Gesellschaft, Bundeswehr, Wirtschaft und Verbänden.

Bundesminister der Verteidigung Boris Pistorius schaut lächelnd für eine Portraitaufnahme in die Kamera.
Die Reserve ist weit mehr als eine personelle Ergänzung der aktiven Truppe. Sie ist die Basis für die Durchhaltefähigkeit der Bundeswehr und unsere gesellschaftliche Resilienz insgesamt.
Verteidigungsminister Boris Pistorius Bundeswehr/Norman Jankowski

Der Präsident des Verbandes der Reservisten, Bastian Ernst, hat ebenfalls die strategische Rolle der Neuen Reserve hervorgehoben. „Deutschland geht voran. Die Reserve: Stärke, die abschreckt. Resilienz, die trägt“, war das Motto des Abends in der Landesvertretung von Baden-Württemberg. „Die sicherheitspolitischen Herausforderungen unserer Zeit erlauben weder Stillstand, noch Aufschub“, so der Verbandspräsident mit Blick auf die Rolle der Reserve und ihren Beitrag für Abschreckung und Verteidigung. Deshalb will sich auch der Reservistenverband weiterentwickeln. Geplant seien die Gründung einer „Jungen Reserve“ innerhalb des Verbandes und die Steigerung der Attraktivität für Frauen, erklärte Ernst.

Gesetzliche Grundlagen: Neuer Wehrdienst und Reservestärkungsgesetz

Mit der sogenannten Neuen Reserve wird die Rolle der Reservistinnen und Reservisten neu definiert: Sie sollen nicht nur ergänzen, sondern eigenständige Aufgaben übernehmen — von Schutz-  und Sicherungsaufgaben über Heimatschutz bis hin zur Verstärkung im Gefecht an der Seite der aktiven Truppe. Die Reserve wird damit als integraler Bestandteil der Streitkräfte auf Augenhöhe verankert. „Eine aktive Truppe allein reicht nicht. Wir brauchen eben auch eine starke Reserve“, betonte Minister Pistorius.

Der Neue Wehrdienst schafft die rechtliche und organisatorische Basis der Reserve von morgen. Ziel ist, die Reserve bereits durch den personellen Zufluss aus dem Neuen Wehrdienst zu stärken. Parallel dazu sind im Entwurf des Reservestärkungsgesetzes (ResStG) konkrete Änderungen im Soldaten- , Reservisten-  und Arbeitsrecht vorgeschlagen, um Verfügbarkeit und Attraktivität zu steigern sowie bürokratische Hürden zu abzubauen. 

Das Gesetz soll die rechtlichen Voraussetzungen für planbare Beorderungen, Arbeitgeberanhörungen und finanzielle sowie organisatorische Unterstützungsmaßnahmen schaffen. Dass alle relevanten Vorschriften in einem eigenen Reservistengesetz gebündelt würden, unterstreiche die Bedeutung der Reserve, sagte der Minister. Er kündigte an, dass das Gesetz nächste Woche im Bundeskabinett beraten wird.

Die neue Strategie der Reserve, das Reservestärkungsgesetz und der Neue Wehrdienst würden das Fundament für die Reserve von morgen bilden, sagte Pistorius. Er bedankte sich bei den Reservistinnen und Reservisten sowie deren Familien und ihren Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern für ihr Engagement. Und er unterstrich, wie wichtig die Arbeit des Reservistenverbandes ist, der für die Bundeswehr Premiumpartner in der Reservistenarbeit ist und seinen mehr als 115.000 Mitgliedern im Verband eine Heimat bietet.

von Florian Manthey

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