Wie über große Bundeswehr-Projekte entschieden wird
Hinter aufwendigen Beschaffungen steht ein abgestimmter Prozess aus Prüfung, Abstimmung und parlamentarischer Entscheidung plus Kontrolle.
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Der Haushaltsausschuss gab am 15. April 2026 grünes Licht für weitere Beschaffungsprojekte, unter anderem für Loitering Munition und persönliche Gefechtsausrüstung. Um Fregatten der Klasse F124 fit für den neuen Bordhubschrauber NH-90 Sea Tiger zu machen, billigte das Gremium einen entsprechenden Vertrag.
Bereits am 25. Februar 2026 hatte der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestags Verträge mit zwei deutschen Herstellern von Loitering Munition gebilligt. Jetzt wird wegen der dringend erforderlichen Ausstattung der Panzerbrigade 45 in Litauen mit diesen Systemen ein drittes Unternehmen als zusätzlicher Lieferant beauftragt. Ziel ist es, der Panzerbrigade 45 in Litauen für ihren großräumigen Schutz, zur Erhöhung der Kampfkraft und zur Wahrung ihrer taktischen Handlungsfreiheit funktionsfähige Loitering Munition-Systeme in ausreichender Stückzahl bereitzustellen.
Die Verteilung auf drei Unternehmen erhöht die Resilienz der Versorgung und die technische Bandbreite der Produkte. Loitering Munition kann entfernt vom eigentlichen Einsatzort starten und wird aus der Ferne geführt. Sie ist treffsicher und vergleichsweise kostengünstig.
Auf den Fregatten der Klasse F124 ersetzen Hubschrauber des Typs NH-90 MRFH Sea Tiger die bisherigen Bordhubschrauber des Typs Sea Lynx Mk88A. Der Sea Tiger kann deutlich mehr Aufgaben als sein Vorgänger bewältigen, ist deswegen jedoch auch größer und schwerer. Das erfordert Anpassungen der Hangars und Landedecks auf den Fregatten. Die Veränderungen der Schiffsstruktur unterstützen sowohl den Flugbetrieb neuer Helikopter als auch deren Wartung und Instandsetzung. Die Haushälter und Haushälterinnen des Deutschen Bundestags genehmigten den entsprechenden Vertrag mit einem einheimischen Unternehmen. Das Gremium gab zudem grünes Licht für einen weiteren Vertrag: Er dient der Kampfwertsteigerung des Führungs- und Waffeneinsatzsystems dieser Schiffe.
Mit der Fregattenmodernisierung wird ein wesentlicher Beitrag zur Erfüllung nationaler Vorgaben zur Landesverteidigung und gleichzeitig zur Bündnisverteidigung durch die Deckung der NATO-Fähigkeitsziele geleistet: Fregatten der Klasse F124 sind Luftverteidigungsfregatten mit dem Schwerpunkt zur Verbandsflugabwehr. Sie sind darauf spezialisiert, einen gesamten Schiffsverband gegen Bedrohungen aus der Luft zu schützen.
Genehmigt hat der Haushaltsauschuss auch die Herstellung und Lieferung weiterer Zugsysteme „Infanterist der Zukunft – Erweitertes System“ sowie die Hochrüstung vorhandener Zugsysteme. Bei dieser Ausrüstung handelt es sich um Soldatensysteme für infanteristisch kämpfende Einheiten. Die Basis ist der sogenannte Konstruktionsstand Very High Readiness Joint Task Force + (VJTF+). Entwickelt wurde er in den Projekten System Panzergrenadier VJTF 2023 und Schützenpanzer Puma. Hinzu kommt eine Fähigkeitserweiterung mit Laser- und Drohnenwarnern, Wärmebildzielgeräten und Helmdisplays für alle Systeme.
„Infanterist der Zukunft“ ist ein modulares System. Es vernetzt Soldatinnen und Soldaten digital, beinhaltet modulare Schutz- und Trageausstattung sowie moderne Optiken und Optroniken. Mit der jetzigen Bestellung werden die Systeme parallel zum Zulauf der Plattformen Schützenpanzer Puma S1, GTK Boxer, Schützenpanzer Schakal und Luftlandefahrzeugplattform Caracal in die Truppe kommen.
Der Haushaltsausschuss bewilligte außerdem, über eine vorhandene Rahmenvereinbarung der NATO Support and Procurement Agency (NSPA) weitere Einheiten des unbemannten Luftfahrzeugsystems LARUS zu beschaffen.
von Egbert Sass