Neuer Wehrdienst für Deutschland
Das neue Wehrdienstmodell soll die Aufwuchs- und Durchhaltefähigkeit der Bundeswehr verbessern und für eine starke Reserve sorgen.
Verteidigungsminister Boris Pistorius hat am 23. September 2025 seinen schwedischen Amtskollegen Pål Jonson zum Antrittsbesuch im Bendlerblock empfangen. Dabei hob Pistorius die enge und vertrauensvolle Kooperation mit dem NATO-Partner Schweden hervor. Schweden ist zudem Vorbild für den Neuen Wehrdienst.
Pistorius machte deutlich, nachdem Schweden 2024 der NATO beigetreten war, könne er sich das Bündnis ohne Schweden gar nicht mehr vorstellen. „Schweden ist für Deutschland und für die gesamte Allianz ein wichtiger und unverzichtbarer Partner in der NATO“, sagte der Minister.
Pistorius und Jonson erörterten Themen der deutsch-schwedischen Zusammenarbeit in den Bereichen Sicherheit und Verteidigung, Rüstungskooperationen und Unterstützung der Ukraine. Weiterhin ging es um Aspekte der Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik der Europäischen Union sowie um die Zusammenarbeit im Rahmen der NATO. Ebenso besprachen sie die Themen Weltraum sowie den Neuen Wehrdienst.
Schweden sei ein Land, von dem Deutschland lernen könne, so Pistorius. Bei seinem vergangenen Besuch habe er sich das schwedische Wehrdienst-Modell angeschaut. Es habe ihn überzeugt. Pistorius zeigte sich sicher, dass dieses nun auch hierzulande die jungen Menschen überzeugen werde.
Wir werden in Deutschland einen Neuen Wehrdienst nach schwedischem Vorbild einführen.
In seinem Statement richtete Verteidigungsminister Boris Pistorius den Blick auf aktuelle sicherheitspolitische Ereignisse. Angesichts des Eindringens russischer Kampfjets in den estnischen Luftraum und der Störmanöver von Drohnen am Himmel der NATO-Partner, zuletzt über den Flughäfen Kopenhagens und Oslos und zuvor in Polen, machte der deutsche Verteidigungsminister unmissverständlich klar: Insbesondere zu den Vorfällen im Luftraum über der Ostsee, in Polen und Estland werde deutlich: Das Vorgehen des russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin sei leicht zu durchschauen. „Die verschiedenen Vorfälle sind Provokationen, auf die wir nicht reinfallen“, unterstrich der Minister. Es gelte, nun gerade nicht in die „Eskalationsfalle“ zu tappen und besonnen zu handeln. Der Kreml unterschätze ganz offensichtlich, wie abgestimmt und entschlossen die Allianz reagiere. „Die NATO war schnell zur Stelle“, so Boris Pistorius. Die Verbündeten hätten sehr viel Expertise und sehr viel Erfahrung beim Air Policing. Mit der Operation Eastern Sentry sei die NATO gut gewappnet.
Vor dem Hintergrund des Treffens des NATO-Rates am 23. September 2025 in Brüssel, das im Zeichen der diversen Luftraumverletzungen stand, betonte der Minister: Auch da werde deutlich, dass die NATO geeint sei, entschlossen handele, sich aber nicht provozieren lasse.
Pistorius sprach die gemeinsame Unterstützung der Ukraine in ihrem Abwehrkampf gegen den völkerrechtswidrigen Angriff Russlands an. Beide Partner, Deutschland und Schweden, schützten NATO-Territorium und ließen gleichzeitig bei der Unterstützung der Ukraine nicht nach. „Gerade jetzt kann sich die Ukraine weiter auf uns verlassen“, unterstrich Boris Pistorius. „Da ziehen wir, lieber Pål, an einem Strang.“
Deutschland und Schweden haben in diesem Kontext gemeinsam die Führung der Fähigkeitskoalitionen (Capability Coalitions) für den Bereich Electromagnetic Warfare übernommen. Damit stärken beide Partner die ukrainischen Fähigkeiten in diesem Bereich. Die Capability Coalition Electromagnetic Warfare ist entscheidend für Kommunikation, Führungsfähigkeit und Drohnenabwehr.
Boris Pistorius kündigte zudem an, dass beide Länder ihre Kooperation im Bereich Verteidigung noch weiter ausbauen wollen. Die beiden Verteidigungsminister vereinbarten, hierzu ein neues Memorandum of Understanding ausarbeiten zu lassen. Es soll noch in diesem Jahr unterzeichnet werden.
Teil dieser Vereinbarung wird auch sein, einen deutschen Stabsoffizier dauerhaft in das schwedische Verteidigungsministerium beziehungsweise den dortigen Generalstab zu entsenden. Das werde den gemeinsamen Austausch weiter verbessern, so Minister Pistorius. Und es sei ein großer Vertrauensbeweis.
Gemeinsam engagieren sich Deutschland und Schweden aktiv für die Stärkung der Verteidigungsfähigkeit im Bündnis. Dabei wollen beide Partner im Bereich Rüstung enger zusammenarbeiten. Etwa bei der Entwicklung von weitreichenden Präzisionswaffen. Deutschland und Schweden beschaffen gemeinsam IRIS-T SLM-Flugabwehrraketen im Rahmen der European Sky Shield Initiative (ESSI). Für diese gelungene Kooperation seien der European Long-Range-Strike Approach (ELSA) und die European Skyshield Initiative exzellente Beispiele, so Pistorius. Bei ELSA handelt es sich um eine europäische Kooperation zur Entwicklung, Beschaffung, Betrieb und Ausbildung an Waffensystemen der Kategorie weitreichender Abstandswaffen (Deep Precision Strike).
Schweden und Deutschland verbinden gemeinsame Werte und Interessen. Das hat Verteidigungsminister Boris Pistorius beim ersten Besuch seines schwedischen Amtskollegen Pål Jonson am 23. September 2025 im Bendlerblock betont.
Als weiteren Beleg für die gute Zusammenarbeit beider Länder nannte Boris Pistorius die gemeinsame Beschaffung von Überschneefahrzeugen, die in Schweden hergestellt werden. Sie verbesserten ihre Interoperabilität und stärkten damit letztlich die Verteidigungsfähigkeit der NATO. Durch die Beschaffung sparen beide Partner Geld und können die Systeme gemeinsam trainieren und warten. „Wir setzen also das um, was wir uns als NATO vorgenommen haben: Keine nationalen Egoismen, sondern Interoperabilität“, betonte Minister Pistorius.
Boris Pistorius unterstrich, gemeinsam müssten Deutschland und Schweden auch den Weltraum stärker in den Blick nehmen. Russland sei in der Lage, Satelliten zu stören, zu manipulieren oder gar zu zerstören. Daher arbeiteten Deutschland, Schweden und Finnland eng zusammen, um ihre Systeme zu schützen. Dazu errichteten sie gemeinsam ein Weltraumüberwachungsradar.
Der schwedische Verteidigungsminister Pål Jonson entgegnete in seinem Statement, die enge Zusammenarbeit beider Partner stärke die NATO. Er sei stolz, nicht länger nur Partner, sondern Alliierter zu sein. Die Allianz sei stärker mit Schweden in ihren Reihen. Jonson betonte, dies seien Zeiten der Einigkeit innerhalb des Bündnisses. Insbesondere mit Blick auf die deutsch-schwedische Zusammenarbeit sagte Jonson, diese Kooperation mache beide stärker. Im Kontext Ukraine dankte Jonson Deutschland für sein großes Engagement als Führer der Fähigkeitskoalition Electromagnetic Warfare zusammen mit Schweden.
Mit Blick auf gemeinsame Rüstungskooperationen zeigte sich der schwedische Verteidigungsminister selbstbewusst. Die industrielle Basis, auf der die deutsch-schwedische Kooperation fuße, sei stark. Es gebe ein großes Potenzial. Hinsichtlich der geplanten Unterzeichnung eines neuen Memorandums of Understanding noch in diesem Jahr sagte Jonson, dies sei ihm eine ganz besondere Ehre.
von Jörg Fleischer