Das Geschäft mit der Flucht

In einem einzigen Einsatz Ende November 2016 konnten im Mittelmeer rund 1.400 Menschen aus Schlauchbooten gerettet und nach Italien auf das Festland gebracht werden. Doch die Gefahr für Leib und Seele der Geflüchteten nehmen die Schlepperbanden in Kauf.

Menschenverachtendes Milliardengeschäft

Billigste, kaum seetüchtige Boote werden zwecks Profitmaximierung mit Menschen vollgepackt. So kann eine einzige Mittelmeerüberquerung den Schleusern schon mehrere Millionen Euro Gewinn einbringen. Das Ergebnis solcher menschenverachtenden Geschäftspraktiken ist verheerend: Laut Zahlen der Vereinten Nationen sind beim Versuch, Europa zu erreichen, allein von 2014 bis 2016 weit über 10.000 Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken. Viele Weitere wären gestorben, wenn die EUEuropäische Union mit der Marineoperation Sophia keine Seenotrettung leisten würde. Seit Beginn der Beteiligung deutscher Schiffe am Einsatz im Mittelmeer im Mai 2015 retteten deutsche Marinesoldaten mehr als 19.000 Menschen aus Seenot.

Menschen werden von Soldaten mit Speedbooten aus einem überfüllten Boot gerettet.

Die Flucht über das Mittelmeer ist für Schleuser ein Milliardengeschäft.

© Bundeswehr/Achim Winkler

Kosten für die riskante Überfahrt

Im Durchschnitt kostete die Überfahrt für Migranten aus Afrika im Jahr 2015 etwa 700 Euro pro Person. Für diesen Preis werden die Flüchtlinge in der Regel unter Deck transportiert. Ein Platz über Deck soll mit etwa 2.000 Euro deutlich teurer gewesen sein. Allerdings sind dort die Chancen ein nicht unwahrscheinliches Schiffsunglück zu überleben, um ein vielfaches höher. Die Preise können allerdings auch je nach Notstand oder Leistung ein Vielfaches hiervon betragen. Eine „Rundumbetreuung“ und vergleichsweise sorgenfreie Flugübersetzung aus dem Irak sollen mit 16.000 Euro zu Buche geschlagen haben.

Einnahmequelle Erpressung

Viele Menschen erreichen Europa nicht und drehen um, entweder weil das Geld irgendwann ausgeht, weil sie von marodierenden Banden ausgeraubt werden oder weil sie in illegalen Gefängnissen eingesperrt werden und von ihren Familien ein Lösegeld erpresst wird.

Frauen werden in die Prostitution gezwungen

Frau aus Nigeria steht im Türrahmen ihres Apartments

Im weltweiten Vergleich unter Formen der Zwangsarbeit lässt sich in keinem anderen Betätigungsfeld mehr Geld als im Rotlicht-Milieu verdienen.

© picture-alliance/Ton Koene

Auch in Europa angekommen, sind Flüchtlinge nicht automatisch in Sicherheit. Im ersten Halbjahr 2016 sind laut einer Untersuchung der Internationalen Organisation für Migration mindestens 3.600 Frauen aus Nigeria über Libyen in Italien als Fluchtopfer angekommen.

In der genannten Untersuchung gehen die Vereinten Nationen davon aus, dass 80 Prozent dieser Frauen zur Prostitution gezwungen werden. In der Regel müssen sie eine Art aufgezwungenes Darlehen für die Reise nach Europa zurückzahlen und dieses beträgt laut IOM im Durchschnitt um die 40.000 Dollar. Diese Umstände sind praktisch gleichbedeutend mit einer mehrjährigen Versklavung - falls sich diese Frauen überhaupt jemals freikaufen können.

Inhalte teilen via

Anfang Footer Es ist uns ein Anliegen, Ihre Daten zu schützen

Auf dieser Website nutzen wir Cookies und vergleichbare Funktionen zur Verarbeitung von Endgeräteinformationen und (anonymisierten) personenbezogenen Daten. Die Verarbeitung dient der Einbindung von Inhalten, externen Diensten und Elementen Dritter, der eigenverantwortlichen statistischen Analyse/Messung, der Einbindung sozialer Medien sowie der IT-Sicherheit. Je nach Funktion werden dabei Daten an Dritte weitergegeben und von diesen verarbeitet (Details siehe Datenschutzerklärung Punkt 4.c). Bei der Einbindung von sozialen Medien und interaktiver Elemente werden Daten auch durch die Anbieter (z.B. google) außerhalb des Rechtsraums der Europäischen Union gespeichert, dadurch kann trotz sorgfältiger Auswahl kein dem europäischen Datenschutzniveau gleichwertiges Schutzniveau sichergestellt werden. Sämtliche Einwilligungen sind freiwillig, für die Nutzung unserer Website nicht erforderlich und können jederzeit über den Link „Datenschutzeinstellungen anpassen“ in der Fußzeile unten widerrufen oder individuell eingestellt werden.

  • Logo Bundesministerium der Verteidigung

    Es ist uns ein Anliegen, Ihre Daten zu schützen

    Detaillierte Informationen zum Datenschutz finden Sie unter Datenschutzerklärung