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Bundeswehr/Christoph KassetteBrisbane: Pistorius` Probefahrt im ersten australischen „Boxer“ für Deutschland
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Deutschland und Australien intensivieren ihre Zusammenarbeit in der Rüstung. In Brisbane machte sich Verteidigungsminister Boris Pistorius ein Bild von Rüstungsprojekten und fuhr im ersten australisch gefertigten „Boxer“ für Deutschland Probe. Zudem wurde ein weiteres Abkommen für ein neues Projekt gezeichnet.
Premiere: Rheinmetall Defence Australia präsentierte den ersten fertigen Schweren Waffenträger „Boxer“ – pünktlich zum Besuch des Verteidigungsministers Boris Pistorius im Zuge seiner Indo-Pazifik-Reise. Gemeinsam mit Pat Conroy, australischer Minister für Verteidigungsindustrie, besuchte er das Werk des deutschen Rüstungsunternehmens in Brisbane und nahm dabei die Produktion der von Deutschland bestellten Fahrzeuge in Augenschein.
Mehr als 100 dieser Schweren Waffenträger Infanterie werden in Australien für die Bundeswehr gefertigt – eines der Ergebnisse der erfolgreichen Rüstungszusammenarbeit zwischen den beiden Nationen. Noch 2026 sollen die ersten Fahrzeuge geliefert werden. Damit leiste Australien „einen wichtigen Beitrag zum materiellen Aufwuchs der Bundeswehr“. Denn in Deutschland fehlten die Kapazitäten, erklärte Pistorius.
In dem Werk in Brisbane schaute er sich mit Conroy die Produktionsstraße des „Boxers“ an. Im ersten fertigen Fahrzeug konnten die beiden Minister bei einer Probefahrt über das Gelände mitfahren.
„Feuerkraft, Reichweite, Geschwindigkeit und Schutz“
Der „Boxer“ wird schon von mehreren internationalen Streitkräften genutzt. Für die Bundeswehr ist der Schwere Waffenträger für die neuen Mittleren Kräfte des Heeres gedacht. Sie sollen dadurch hochmobil und schlagkräftig sein. „Mit dem Schweren Waffenträger erhalten sie Feuerkraft, Reichweite, Geschwindigkeit und Schutz“, hob Pistorius hervor.
Die australische Truppe nutzt den „Boxer“ bereits. Daher sind das notwendige Wissen und die Produktionsstraßen schon vorhanden. „Das hilft uns beim materiellen Aufwuchs“, so der Minister. Bei einer Waffenschau des australischen Heeres konnte er sich einen Eindruck verschaffen über das Großgerät, das bereits in der Truppe im Einsatz ist.
Neben den rund 100 Fahrzeugen aus Australien kommen noch rund 20 aus deutscher Produktion dazu. Zeitnah sollen die ersten Exemplare kommen. So könne die Truppe ab Juli daran ausgebildet werden, so Pistorius. „Bei dieser Boxer-Produktion geht es um mehr als die reine Produktion. Es geht auch um Technologietransfer, Industriestärkung und Erfahrungsaustausch“, erläuterte Pistorius.
Beim „Boxer“ liefere Deutschland das Know-how und bekomme dafür schnell die Fahrzeuge für die Truppe. Das sei ein erfolgreiches Beispiel für die erfolgreiche Kombination aus deutscher Ingenieurskunst und australischer Technologie, sind sich die Minister Pistorius und Conroy einig. Die Kooperation stärkt die Verteidigungsfähigkeit beider Länder und die internationale Sicherheitsarchitektur.
Die Zusammenarbeit beim „Boxer“ umfasst neben der gemeinsamen Produktion der Fahrzeuge:
- Weiterentwicklung des „Boxer“-Systems,
- Technologietransfer,
- industrielle Kooperation,
- Ausbildung und Unterstützung der Streitkräfte
- sowie Wartungs- und Logistiklösungen.
Zudem wurde eine weitere Zusammenarbeit im Rüstungsbereich beschlossen. Hierbei geht es um die Option der Entwicklung, Produktion und Wartung von Gefechtsköpfen, die größtenteils für die Marine gedacht sind. Eine entsprechende Absichtserklärung wurde zwischen einem deutschen Rüstungsunternehmen und dem australischen Verteidigungsministerium gezeichnet.
Rüstungsprojekte in Australien
Auf einem der wichtigsten Luftwaffenstützpunkte Australiens erhielt Pistorius Informationen aus erster Hand zur Drohne „Ghostbat“. Sie zählt zu der neuen Klasse der Jagdbomberdrohnen. Deutschland plant, Jagdbomberdrohnen für das Bekämpfen von Zielen am Boden zu beschaffen und so die Fähigkeiten der Luftwaffe zu ergänzen.
Bevor eine Entscheidung für ein Modell getroffen wird, geht es um Marktsichtung und Tests der verschiedenen Modelle von verschiedenen Herstellern, um das beste Modell für die Bundeswehr zu finden. Eine Option ist hierbei die „Ghostbat“, die der australische Markt anbietet und die australische Luftwaffe derzeit testet.
Bereits in Canberra besuchte Verteidigungsminister Pistorius ein Rüstungsunternehmen, das sich unter anderem auf Lasertechnologie spezialisiert hat. Vorgestellt wurden zwei Systeme, die Satelliten blenden und auch zerstören können sollen. Zudem soll ein System mehrere Drohnen pro Minute abschießen können.
Die Zusammenarbeit mit vertrauten und gleichgesinnten Partnern sei wichtig für die Verteidigung und den Erhalt der regelbasierten Ordnung weltweit. Dafür müssen sich die Nationen nicht nur auf politischer und diplomatischer Ebene einig sein, sondern auch in der Rüstung an einem Strang ziehen. Denn so können sie bessere Preise mit der Industrie verhandeln und die Interoperabilität der Streitkräfte fördern.
Brisbane ist die letzte Station der Indo-Pazifik-Reise von Verteidigungsminister Boris Pistorius, die Berichterstattung über die weiteren Stationen gibt es hier.
von Amina Vieth