Mann im Porträt, im Hintergrund zwei Davidsterne
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Zsolt Balla wird erster Militärbundesrabbiner

In der Militärseelsorge wird die externe sakrale Fachaufsicht bisher durch die Militärbischöfe wahrgenommen. Nun erhalten sie im Rahmen der Erweiterung der Militärseelsorge einen jüdischen Kollegen: den ersten Militärbundesrabbiner Rabbi Zsolt Balla.

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer sprach von einem historischen Moment für die Bundeswehr und Deutschland. „Mit der Einrichtung der jüdischen Militärseelsorge leisten wir eine wichtige Unterstützung für unsere Soldatinnen und Soldaten jüdischen Glaubens und setzen ein starkes Zeichen für eine vielfältige, für eine offene Bundeswehr“, sagte die Ministerin. „Die Einführung einer jüdischen Militärseelsorge ist auch als Beitrag gegen den wachsenden Antisemitismus, Extremismus und Populismus in der Gesellschaft zu verstehen.“

Jüdische Militärseelsorge war 2019 beschlossen worden

Die Einführung einer jüdischen Militärseelsorge war im Dezember 2019 beschlossen worden. Der Zentralrat der Juden (ZdJ) in Deutschland als Dachverband der jüdischen Gemeinden und das Verteidigungsministerium zeichneten einen Vertrag. Das Gesetz über die Einführung einer jüdischen Militärseelsorge folgte im Mai letzten Jahres.

In dem Vertrag wurde festgelegt, dass die sakrale Aufsicht – vergleichbar der bestehenden Militärseelsorge durch die Militärbischöfe – durch einen externen Amtsinhaber wahrgenommen wird.  Balla war im September vom ZdJ als Kandidat vorgeschlagen worden. Ministerium und Regierung waren einverstanden. Am 21. Juni wird Balla in Leipzig offiziell zum Militärbundesrabbiner ernannt.

„Die Amtseinführung des Militärbundesrabbiners ist ein historischer Tag für die jüdische Gemeinschaft in Deutschland“, sagte auch der ZdJ-Vorsitzende Josef Schuster. Mit der Berufung von Militärrabbinerinnen und Militärrabbiner in die Bundeswehr werde ein neues Kapitel des jüdischen Lebens in Deutschland aufgeschlagen. „Das Wirken der Rabbiner wird für die Bundeswehrsoldaten eine Bereicherung sein“, so Schuster.

Zsolt Balla gehört der orthodoxen Glaubensrichtung an. Er wurde 2009 als Rabbiner ordiniert und übernahm anschließend die jüdische Gemeinde in Leipzig. Ausgebildet wurde der dreifache Vater in Budapest, Jerusalem, New York und Berlin. Balla ist seit 2019 Landesrabbiner in Sachsen und wird dieses Amt auch weiter ausüben. Außerdem sitzt Balla im Präsidium der orthodoxen Rabbinerkonferenz.

Seelsorge für alle

Als Militärbundesrabbiner wird Balla von Berlin aus wirken. Dort wird auch das Militärrabbinat als Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des BMVgBundesministerium der Verteidigung eingerichtet werden. Das seelsorgerische Angebot der jüdischen Militärseelsorge steht nicht nur den geschätzt etwa 300 Soldatinnen und Soldaten jüdischen Glaubens und ihren Familien offen. Wie auch in der schon bestehenden Militärseelsorge können sich auch Angehörige anderer Konfessionen und Konfessionslose an die Geistlichen wenden, wenn sie seelischen Beistand wünschen. Die Rabbinerinnen und Rabbiner werden außerdem wie ihre christlichen Kollegen mit in die Auslandseinsätze gehen und Lebenskundlichen Unterricht für alle Soldatinnen und Soldaten erteilen.

Militärseelsorge

Militärseelsorge ist Kirche unter Soldaten. Die Religionsfreiheit wird auch im Dienst garantiert, soweit es die dienstlichen Belange ermöglichen. Die Arbeit der Seelsorger in der Bundeswehr unterscheidet sich inhaltlich nicht von der Arbeit der Seelsorger in den Gemeinden: Sie halten Gottesdienste, leisten seelischen Beistand und sind in der Familienbetreuung aktiv. Jedes Jahr gehen rund 40 Militärgeistliche für jeweils vier Monate mit ihren Schutzbefohlenen in den Einsatz. In der Heimat sorgen sie im Lebenskundlichen Unterricht dafür, dass sich jede Soldatin und jeder Soldat als Staatsbürger in Uniform begreift.

Die Militärseelsorge ist bislang christlich geprägt. Gleich nach der Gründung der Bundeswehr wurde mit dem Militärseelsorgevertrag zwischen der Evangelischen Kirche in Deutschland 1957 der organisatorische Grundstein für die heutige Militärseelsorge gelegt, dem sich die Katholische Kirche in dem Gesetz zum Militärseelsorgevertrag angeschlossen hat. Der Staatsvertrag mit dem Zentralrat der Juden in Deutschland 2019 orientiert sich an diesem Vertrag. Der Staat übernimmt die Organisation und die Finanzierung der Militärseelsorge. Die Kirchen stellen die Seelsorger und verantworten die Inhalte.

Heute gibt es 178 Militärpfarrämter in Deutschland und sechs im Ausland. Das Militärrabbinat mit seinem Hauptsitz in Berlin wird über fünf Außenstellen in Hamburg, Leipzig, München, Köln und Potsdam-Schwielowsee wirken.

Das Seelsorgeangebot richtet sich auch an Konfessionslose und Gläubige anderer Konfessionen. Auf Wunsch bietet die Zentrale Ansprechstelle Vielfalt am Zentrum für Innere Führung in Koblenz auch die Vermittlung externer Seelsorger an.

Religion und Bundeswehr

Religion ist Privatsache. Soldatinnen und Soldaten geben außerhalb ihrer Verpflichtung zur Zahlung von Kirchensteuer ihre Glaubenszugehörigkeit nur auf freiwilliger Basis an. Während die Zahl der christlichen Bundeswehrangehörigen noch relativ genau bestimmt werden kann – die Bundeswehr führt für Protestanten und Katholiken Kirchensteuer ab –, müssen die Anteile anderer Konfessionen geschätzt werden.

Insgesamt wurden Ende 2020 rund 53 Prozent der Soldatinnen und Soldaten konfessionsgerecht von der Militärseelsorge betreut. Die christlichen Konfessionen dominieren: 53.000 oder rund 29 Prozent der Soldatinnen und Soldaten sind evangelisch, 40.700 oder rund 22 Prozent katholisch. Dem orthodoxen Christentum ordnen sich etwa 0,5 Prozent oder etwa 1.000 Uniformierte zu. Zum Islam bekennen sich rund 1,3 Prozent der Soldatinnen und Soldaten, was etwa 2.400 Gläubigen entspricht. Die Zahl der jüdischen Soldatinnen und Soldaten in der Bundeswehr wird auf rund 300 geschätzt.


von Redaktion der Bundeswehr

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