Ein Bundeswehrsoldat sitzt im Hubschrauber und macht sich Notizen
© Bundeswehr/Jonas Weber
KategorieFriedenssicherung

Unterwegs mit Brigadegeneral Peter Mirow

„Ich bin nicht nur Militär“, sagt Brigadegeneral Peter Mirow. Bei einem Besuch in Ségou wird deutlich, was der Kommandeur der europäischen Trainingsmission EUTMEuropean Union Training Mission Mali damit meint. Er kümmert sich nicht nur um seine Truppe, sondern gibt der Mission ein Gesicht.

Das sieht auch ein General nicht oft. „Ich habe mich riesig gefreut“, sagt Peter Mirow als er das Dorf verlässt. Die Einwohner haben ein Fest mit traditionellen Liedern und Tänzen für den Kommandeur von EUTMEuropean Union Training Mission Mali vorbereitet. Ein Termin, der ihm im Gedächtnis bleiben wird. Mirow schüttelt viele Hände und posiert für Bilder. Das Fest lenkt ihn für kurze Zeit von seiner eigentlichen Aufgabe ab. Nicht überall trifft er auf freudige Gesichter. Die Einsatzlage der EUEuropäische Union-Mission hat sich in seiner Dienstzeit verändert.

Ein Bundeswehrsoldat zwischen tanzenden malischen Dorfbewohnern

Der deutsche Kommandeur der EUEuropäische Union-Ausbilder wird von der Zivilbevölkerung herzlich empfangen.

© Bundeswehr/Jonas Weber

Präsenz zeigen

Der Tag begann frühmorgens. Vom Hauptquartier in der malischen Hauptstadt Bamako ging es zum Flughafen und von dort mit dem Hubschrauber ins 250 Kilometer entfernte Ségou. 13 EUEuropäische Union-Ausbilder sind hier stationiert, um malische Soldaten zu trainieren. Die dezentrale Ausbildung ist dem Kommandeur wichtig, er will Präsenz zeigen, auch in den instabileren Regionen. An Bord ist auch der belgische Botschafter, Adrien Theatre. Belgien hat den Bau eines Brunnens finanziert. Mirow und Theatre wollen das Projekt einweihen, ehe es in die Kaserne geht. Bei der Landung werden sie schon von der Force Protection erwartet, die die Truppe innerhalb und außerhalb des Camps sichert.

Schwierige Sicherheitslage

Mali zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Tagtäglich beschäftigt sich Mirow mit der Sicherheitslage in Mali. Er wägt seine Worte ab. Er will nicht dramatisieren, aber er warnt: „Die Sicherheitslage hat sich in der vergangenen Zeit verschlechtert.“ Das betrifft nicht nur den Norden, wo die Streitkräfte gegen Aufständische und Islamistische Terroristen kämpfen, sondern auch das Zentrum, wo es zu interethnischen Spannungen und Gewalt kommt. „Die Unsicherheit strahlt auf den Süden aus, wie wir beim Angriff auf das EUEuropäische Union-Trainingszentrum in Koulikoro erleben mussten.“

Truppe hat sich bewährt

Seit November 2018 leitet Mirow die EUEuropäische Union-Ausbildungsmission in Mali. 700 Soldaten aus 28 Staaten – eine spannende, aber auch fordernde Aufgabe. Der Anschlag auf das Trainingszentrum am 24. Februar hat auch bei ihm Spuren hinterlassen. Der Kommandeur wurde nachts im Hauptquartier in Bamako aus dem Bett geklingelt. „Wir haben diese Art von Angriff nicht für wahrscheinlich gehalten.“ Die Soldaten in Koulikoro konnten gleichwohl verhindern, dass die Angreifer ins Camp eindrangen. „Die Qualität meiner Truppe hat mich überzeugt.“

Herzlicher Empfang

Bei der Brunneneinweihung ist davon nichts zu spüren. Mirow und Theatre nehmen in der ersten Reihe Platz und werden von Vertretern der Streitkräfte und der Bevölkerung für ihren Einsatz gelobt. Der General ist zufrieden. Die Menschen sollen sehen, dass die EUEuropäische Union helfen will. Kein Selbstzweck, wie Mirow offen sagt: „Im Regelfall gibt es andere Träger, die solche Entwicklungsprojekte betreiben. Es hilft aber die Sympathie der Bevölkerung zu gewinnen und damit die Sicherheit meiner Soldaten zu gewährleisten.“

Ein Fest für alle

Das anschließende Fest ist ein Spektakel, das ganze Dorf ist auf den Beinen. Die Bewohner tragen Masken, tanzen und singen, zum ersten Mal im Leben haben sie fließendes Wasser. Mirow ist beeindruckt: „Der Empfang ist unglaublich herzlich, das habe ich nicht erwartet.“ Besonders angetan haben ihn die Kinder. Er lacht und macht Scherze. Dann lauscht er ihrem Vortrag der malischen Nationalhymne.

Ein Bundeswehrsoldat kniet neben malischen Soldaten, die mit Waffen auf dem Boden liegen

Mit der Kompanieausbildung in Ségou ist Brigadegeneral Mirow sehr zufrieden.

© Bundeswehr/Jonas Weber

Unterschiedliche Ausbildung

Danach geht es zur Dienstaufsicht. In der nahegelegenen Kaserne wird der Kommandeur schon erwartet. Nach einer Einweisung spricht er mit malischen Offizieren. Ihre Ausbildung geht schleppend voran, Mirow sieht noch erhebliches Verbesserungspotential. In anderen Regionen läuft es besser. Ganz anders die Truppenausbildung: „Das Niveau der Kompanie, die hier ausgebildet wird, ist deutlich höher.“  

Die Trainer haben keinen Einfluss darauf, welche Soldaten in Ségou eintreffen. Viele sind aus der Region und kommen gerade aus dem Konfliktgebiet im Norden zurück. Im Moment findet ein Unterricht zur medizinischen Erstversorgung statt. Mirow setzt sich unter die Soldaten, stellt Fragen und gibt Antworten. Eine andere Gruppe übt das “Lösen vom Feind“ unter Feuer. Mirow hört zu und gibt Tipps. Was er bei der Kompanie sieht, stimmt ihn positiver. Das gilt auch für die Ausbilder: „Ich bin hochzufrieden mit meinen Soldaten. Sie machen ausgezeichnete Arbeit.“

Militär und Botschafter

1987 trat Mirow in die Bundeswehr ein, eine völlig andere Zeit. 32 Jahre später steht er in einem der Armenhäuser Afrikas. Mali galt einmal als Musterland, seit 2012 droht es im Chaos zu versinken. Der General bleibt realistisch: „Die Soldaten stemmen sich gegen die Verschlechterung der Sicherheitslage und erleiden täglich Verluste. Militärisch lassen sich die Konflikte aber nicht lösen.“ Der Friedensprozess gehe nur langsam voran. Viele politischen Fragen seien noch ungelöst.

Flagge zeigen, die Truppe im Blick haben und der Mission ein Gesicht geben. Mirow muss viele Aufgaben unter einen Hut bringen. Am Nachmittag geht es mit dem Hubschrauber zurück nach Bamako, im Hauptquartier wartet Arbeit. „Die Zusammenarbeit in der Mission ist extrem bereichernd und funktioniert sehr gut.“ Auch die Bevölkerung motiviert ihn: „Bei allen Schwierigkeiten sind die Menschen immer fröhlich und freundlich zu uns.“ Im Juni geht seine Dienstzeit in Mali zu Ende, bis dahin bleibe noch viel zu tun.

von Florian Stöhr

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